Ein Weg führt zu zwei historischen Scheunen, daneben eine Tafel mit der Aufschrift "Freilichtmuseum".
Das idyllische Freilichtmuseum in Eubabrunn ist einer der Gastgeber der Vogtländischen Mundarttage. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

28.04.2019 | 17:30 Uhr Sprechen, wie einem der Schnabel gewachsen ist: Vogtländische Mundarttage

Saggsn schbräschn säggssch. Das stimmt nicht ganz. Man spricht Meißnisch, Osterländisch, Erzgebirgisch, Lausitzisch und Vogtländisch - mit vielen Spielarten. Bei den 8. Mundarttagen im Vogtland gibt es sogar Workshops.

Ein Weg führt zu zwei historischen Scheunen, daneben eine Tafel mit der Aufschrift "Freilichtmuseum".
Das idyllische Freilichtmuseum in Eubabrunn ist einer der Gastgeber der Vogtländischen Mundarttage. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Aller zwei Jahre treffen sich im Freiluftmuseum Eubabrunn Mundartautoren und interessierte Gäste zu den Vogtländischen Mundarttagen. In diesem Jahr standen Märchen und Sagen im Mittelpunkt der dreitägigen Veranstaltung. Etwa 20 Teilnehmer aus dem Vogtland, aus Thüringen und Franken lauschten den Lesungen, Vorträgen und nahmen an einer Schreibwerkstatt teil.

Doris Wildgrube, Organisatorin der Vogtländischen Mundarttage, sitzt vor einer Natursteinmauer
Doris Wildgrube, Organisatorin der Vogtländischen Mundarttage Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Veranstalter sind der Förderverein des Museums und der Mundartkreis der Vogtländischen Literaturgesellschaft Julius Mosen. Die Idee für die Mundarttage hatte Doris Wildgrube, die den Mundartkreis leitet. Sie will das Vogtländische mit all seinen Facetten bewahren. "Man sollte sich der Mundart nicht schämen. Wir haben leider die Tendenz, dass man den Kindern versucht, die Mundart regelrecht abzutrainieren. Die Großeltern werden teilweise ermahnt, sie mögen doch bitteschön mit den Enkeln Hochdeutsch sprechen." Ihrer Meinung nach müsste man genau den gegenteiligen Weg gehen. "Man müsste sagen, da gibt es etwas im Vogtland, das ist ein historisch gewachsenes Alleinstellungsmerkmal."

Wir müssen aufpassen, dass die Mundart nicht im großen Getriebe untergeht.

Doris Wildgrube Leiterin des Vogtländischen Mundartkreises

Doris Wildgrube ist bei den Mundarttagen "de Maad fier alles", also das Mädchen für alles. Sie organisiert Räume, Equipment, Gäste und Verpflegung, damit alles wie am Schnürchen läuft. Die Gäste und Teilnehmer, diesmal auch vom Theaterdorf Zwota, fanden im Freilichtmuseum Eubabrunn und an den anderen Veranstaltungsorten also beste Bedingungen vor.

Drei Frauen, eine davon in Tracht, sitzen an einem Tischvor einer Natursteinwand. Eine von ihnen liest einene Text vor
Darstellerinnen vom Theaterdorf Zwota lasen am Sonnabend vogtländische Sagen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Dabei sind die Mundarttage nur ein Teil der Aktivitäten, mit denen die Vogtländer wieder zu "ihrer" Sprache finden sollen. Doris Wildgrube kennt die Schwierigkeiten in einer vom Hochdeutschen dominierten Sprachwelt. "Leute zum Mundart-Sprechen zu motivieren, ist gar nicht so einfach. Man muss sie an der Ehre kitzeln. Wir hatten zum Beispiel schon einen Mundart-Schreibwettbewerb und einen Krimi-Wettbewerb." Man müsse eben Anreize schaffen, damit die Leute den Mut fänden, sich selbst auszuprobieren.

Mundart ist ein Kulturgut, das es zu schützen und zu bewahren gilt. Ich meine damit nicht, dass es konserviert werden soll. Wir wollen nicht wieder so reden wie um 1900, das würde nicht funktionieren.

Doris Wildgrube Leiterin des Vogtländischen Mundartkreises

Und weil das Vogtländische zwar für sich spricht, aber für "Zugloffene", also für Nicht-Vogtländer, besser zu hören als zu lesen ist, schwärmt Doris Wildgrube auch in einem Gedicht über die vogtländische Mundart:

Doris Wildgrube, Organisatorin der Vogtländischen Mundarttage, sitzt vor einer Natursteinmauer 1 min
Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

So 28.04.2019 15:00Uhr 00:30 min

https://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/vogtland/video-296130.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Vogtländisch

Es ist das Herz der Heimat,
das schlägt in dieser Sprache.
Es ist die eigene Wurzel,
die steckt in dieser Sprache.
Ich hab meine ganze Kindheit
verbracht mit dieser Sprache.
Die erste Liebe gefunden,
gelacht in dieser Sprache.
Ich habe draußen in der Fremde
gedacht in dieser Sprache.
Und werde die Treue ihr halten.
Bleibe Vogtländer mein Leben lang.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.04.2019 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

Quelle: MDR/tfr

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