22.01.2020 | 17:40 Uhr Ein Netzwerk gegen die Einsamkeit im Vogtland?

Von den etwa 68.000 Vogtländern, die älter als 65 sind, fühlt sich laut einer Studie des Deutschen Alterssurveys jeder Dritte vereinsamt, alleingelassen und vom Leben isoliert. Dagegen könnte es Abhilfe geben.

Herbstliches Eichenwäldchen bei Weteritz
Jeder Dritte der 68.000 Vogtländer, die älter als 65 Jahre alt sind, fühlt sich einsam. Bildrechte: Frank Palmdorf

Wenn im Alter der Mann oder die Frau verstorben sind und die Kinder irgendwo in der Ferne leben, verlieren viele Menschen den Kontakt zur Außenwelt.

Diese Probleme sind den Sozialverbänden im Vogtland bekannt. Sie würden gerne helfen, aber das Thema Einsamkeit sei zumeist auch bei den Betroffenen tabu, sagt die Sprecherin der Plauener Volkssolidarität, Anja Kropfganz. "Es ist schwierig herauszufinden, wer einsam ist und jemanden bräuchte, der sich um ihn kümmert." Die Leute müssten von sich aus zur Volkssolidarität kommen und ihren Bedarf anmelden. Zum Beispiel könnten sie bei einer Seniorentanzgruppe mitmachen, wo sich Kontakte knüpfen ließen, so Kropfganz weiter.

Vorbilder aus Holland: Plauderecken in Supermärkten

In Holland und England gibt es dagegen schon seit längerer Zeit Initiativen, um Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen und aus der Isolation zu holen. Zum Beispiel mit Plauderecken in Supermärkten oder Apotheken.

Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann
Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann will im Vogtland einen Arbeitskreis gegen Einsamkeit ins Leben rufen. Bildrechte: dpa

Sabine Zimmermann, die für die Linken im Bundestag sitzt und Vorsitzende des Familienausschusses ist, will diesem Beispiel folgen und im Vogtland einen Arbeitskreis gegen Einsamkeit ins Leben rufen. "Die Gesellschaft muss natürlich handeln. Das heißt, dass man hier ganz konkret das Leben altersgerecht ausrichtet. Das muss natürlich koordiniert werden. Die Vereine, Verbände und Gewerkschaften müssen gemeinsam Ideen entwickeln." So könne man gemeinsam das Thema Einsamkeit im Vogtland angehen.

Es fehlt am Geld für konkrete Projekte

Entsprechende Arbeitsgruppen gibt es im Vogtland schon seit Langem, hält die Sprecherin der Plauener Volkssolidarität dagegen. Vielmehr scheitere es am Geld. Denn die Mittel in den Sozialverbänden seien begrenzt, so Anja Kropfganz. "Es gibt viele, viele Arbeitsgruppen im Vogtland, wo auch die Volkssolidarität dabei ist. Es gibt auch die 'Liga', das ist ein Zusammenschluss von den Sozialverbänden, wie Caritas, Diakonie und AWO." Dort würden Themen bearbeitet, die alle betreffen. "Aber der Staat ist auf jeden Fall gefragt, weil wir können das mit dem Geld nicht lösen, wir können das mit der Armut nicht lösen. Da ist die Politik gefordert."

Auch bei der Bundesregierung stehe die zunehmende Vereinsamung von Menschen mittlerweile auf der Tagesordnung, sagt Sabine Zimmermann. Sie gehe davon aus, dass der Bund in absehbarer Zeit Geld für entsprechende Projekte bereitstellen werde.

Ein Mann sitzt auf einer Bank an einem Brunnen.
Im Vogtland fehlt es am Geld für Projekte gegen Einsamkeit im Alter. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/rb/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.01.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 17:50 Uhr

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