18.12.2019 | 11:14 Uhr Nach Spielabbruch: Auerbachs OB wünscht Versöhnung mit Hertha

Hertha BSC hat U16-Spielern vom VfB Auerbach Rassismus vorgeworfen und ein Spiel abgebrochen. Der vogtländische Verein sieht sich zu Unrecht stigmatisiert. Jetzt hat Auerbach die Herthaner aus Berlin zu sich eingeladen, um die Sache aus der Welt zu schaffen. MDR SACHSEN hat mit Auerbachs Oberbürgermeister Manfred Deckert über den Vorfall gesprochen. Deckert war früher selbst als Skispringer Profisportler und ist heute neben seinem Bürgermeisteramt auch Präsident des VSC Klingenthal.

Bürgermeister Auerbach Manfred Deckert
Bildrechte: Hagen Hartwig

Herr Deckert, die Auerbacher wollen den Berlinern die Hand reichen. Wie ist es zur Entscheidung zur Einladung gekommen?

Manfred Deckert: Uns hat der Mannschaftsleiter Volkhardt Kramer informiert, dass eine Einladung nach Berlin gegangen ist. Man will sich einfach zusammensetzen und möchte das Ganze, was da außer den Berlinern niemand gehört hat, noch mal auswerten. Auch damit die Jungs sich kennenlernen, dass sie sich vielleicht auch nochmal die Hand reichen. Das soll Anlass des Treffens sein - als Geste von Auerbach.

Und es ist schon starker Tobak, wenn man hier von schwerwiegenden Rassismusvorwürfen spricht, obwohl Schiedsrichter, Linienrichter und Zuschauer davon nichts mitgekriegt haben. Und eine Mannschaft das Feld verlässt, ohne einen Kommentar abzugeben, um dann mit Pressemeldungen in die Öffentlichkeit geht. Das ist alles ein bisschen verwunderlich.

Die Vorwürfe Nach Angaben von Hertha BSC wurden die Berliner Nachwuchsspieler beim Regionalligaspiel gegen den VfB Auerbach am Sonnabend von ihren Gegenspielern rassistisch beleidigt. Das Team habe den Schiedsrichter darauf hingewiesen und sich entschieden, das Spielfeld nach knapp 60 Minuten beim Stand von 2:0 zu verlassen. Die Partie sei daraufhin abgebrochen worden.

Nun will - wahrscheinlich aufgrund dieser Pressemitteilung - die Deutsche Olympische Gesellschaft den Herthanern eine Fairplay-Medaille verleihen. Das wirkt in diesem Zusammenhang voreilig ...

Ich höre zum ersten Mal, dass hier ein Fairplay-Preis vergeben werden soll. Ich finde das ein bisschen übereilt und überzogen. Man sollte insgesamt mal nachdenken, ob die ganze Fankultur im Fußball, vielleicht doch mal mehr mit Vorbildern und auch die Spieler mit mehr Vorbildrolle in die ganze Geschichte reingehen sollten. Und ja, es ist ein schwieriges Thema. Auf den Plätzen geht es immer mal ruppig zu. Aber wie gesagt, bis jetzt war es eigentlich immer so, dass die Athleten sich danach die Hand geschüttelt haben. Und ich finde es auch traurig, dass es mit so einer Wucht jetzt auf Auerbach geprasselt ist.

Was könnten Sie sich vorstellen, was der Fußball tun kann, um Fan- und Spielerkultur zu verbessern?

Ich will um Gotteswillen nicht alle Fans über einen Kamm scheren. Es gibt wie überall sone und solche. Aber wenn ich oftmals diese sogenannten Schwarzen Blöcke sehe, die dann sich aufführen als wären die Spieler, die Menschen und Sportler sind, so etwas wie ihre Leibeigenen: Dass diese sich rechtfertigen müssen, wenn sie ein Spiel verloren haben, dass denen mit Fäusten gedroht wird. Also, das hat mit Fankultur nichts zu tun. Da wären meines Erachtens die ganzen Vereine dran, hier mehr Ordnung in die Stadien zu bringen. Vor allen Dingen in Richtung der sogenannten Hardcorefans.

Denken Sie, dass die Einladung von Hertha angenommen wird?

Ich glaube es fast nicht. Also, wie gesagt, unseren Verantwortlichen in Auerbach ist viel daran gelegen, diese ganze Geschichte aus der Welt zu schaffen. Es ist ein Schritt auf die Herthaner zu: Lasst uns zusammensetzen, gemeinsam in einem vertraulichen Gespräch jede Seite hören und anschließend machen wir noch einen Training oder ein Übungsspiel zusammen. Aber ich glaube es fast nicht, dass Hertha hier zusagen wird.

Das Gespräch führte Thomas Friedrich.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.12.2019 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2019, 11:14 Uhr

3 Kommentare

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 4 Wochen

Liebe Redaktion, ich hätte mich an Ihrer Stelle mit diesen Informationen schlicht und einfach nicht zufrieden gegeben und genauer nachgehakt. Vor allem: Was genau haben denn "die Pressemeldungen" beinhaltet? Das muss doch zu eruieren sein im Sinne von beispielsweise "Die U-16 Spieler von Hertha BSC werfen dem VfB Auerbach konkret vor ..."

MDR-Team vor 4 Wochen

Lieber Wachtmeister Dimpfelmoser,
im Artikel ist zu lesen: " Hertha BSC hat U16-Spielern vom VfB Auerbach Rassismus vorgeworfen und ein Spiel abgebrochen. [...] Und es ist schon starker Tobak, wenn man hier von schwerwiegenden Rassismusvorwürfen spricht, obwohl Schiedsrichter, Linienrichter und Zuschauer davon nichts mitgekriegt haben. Und eine Mannschaft das Feld verlässt, ohne einen Kommentar abzugeben, um dann mit Pressemeldungen in die Öffentlichkeit geht."
Dies ist der Hintergrund. Was genau fehlt Ihnen denn?
Freundliche Grüße aus der MDR-Redaktion

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 4 Wochen

Es ist nicht möglich, aus diesem Artikel auch nur ein Jota an Hintergrundinformation zu bekommen. Was wird dem VfB denn konkret vorgeworfen? Sollte das nicht wenigstens in einem kleinen Absatz erwähnt werden?

Mehr aus dem Vogtland und Greiz

Mehr aus Sachsen