17.01.2020 | 17:04 Uhr Vogtländisches Know-how für den Südpol

Die Jocketaler Firma Lehmann-UMT hat sich mit der Entwicklung und Herstellung von Ausrüstung für die Polarforschung weltweit einen Namen gemacht. Sie ist das einzige deutsche Unternehmen, das diese Expeditionsschlitten konstruiert und fertigt. Für eine russische Forschungsstation am Südpol hat sie einen solchen Frachtschlitten gebaut und entsendete ihren Ingenieur Werner Kirsten zur Montage an den Südpol. MDR SACHSEN hat mit ihm über seine Erlebnisse in der Antarktis gesprochen.

Arbeiten an Polarschlitten
Der überdimensionale Frachtschlitten ist knapp 17 Meter lang und fünf Meter breit. Bildrechte: Werner Kirsten

Werner Kirsten ist von seiner Reise an den Südpol immer noch sehr bewegt. Schon die Anreise sei sehr abenteuerlich gewesen. Nach der Landung in Kapstadt ging es mit einem alten russischen Transportflugzeug weiter. "Im Grunde genommen, war es voller Fracht und 20 Menschen konnten mitfliegen. Ich war einer davon", so der 62-Jährige.

Die Ankunft in der Antartktis war dann so, wie wenn man es von anderen hört, den Fuß auf den Mond zu setzen. Das war für mich der erste Fuß auf der Antarktis.

Werner Kirsten Ingenieur Lehmann-UMT

Kirsten ist immer noch beeindruckt von der Natur, dem Klima und der niemals untergehenden Sonne. "Und ganz besonders die Menschen, mit denen ich Kontakt hatte", sagt er. "Die meisten konnten nur Russisch, etwas Englisch. Die Kommunikation war also nicht einfach, aber es ging mit Händen und Füßen."

Mann sitzt in Polarlandschaft
Werner Kirsten bei einer Wanderung durch die Polarlandschaft. Bildrechte: Werner Kirsten

An die Unterbringung musste sich Kirsten erst gewöhnen - ein kleines Vierbettzimmer ohne Schrank und Tisch für einen Monat. "Ich habe meinen Koffer stehen gehabt, einen kleinen Hocker, auf dem ich mich ausbreiten konnte", sagt er. "Es gab nicht einmal einen Haken. Man hat für eine Woche ein Handtuch gehabt und damit musste man zurechtkommen." Auch Gemüse war Mangelware. Nur einmal in der Woche gab es etwas Frisches. "Man muss sich darauf einlassen", so Kirsten.

Mit dem Panzer durchs Eis

Um den Schlitten aufzubauen, ging es mit einem kleinen alten Panzer von der Unterkunft eine Stunde durchs Eis. Insgesamt vier Tage dauerte die Montage. "Für Montagearbeiten, für die wir hier in unserem Unternehmen eine Stunde brauchen, braucht man dort acht Stunden", so Kirsten. Er habe unendlich viele Erfahrungen für die Schlitten gesammelt, für die Montage und das Design.

Sein größtes persönliches Ziel war es, den Schlitten nach dem Zusammenbau einmal zu ziehen. "Ich habe mich in die Raupe gesetzt und konnte unseren Schlitten ziehen", erzählt Kirsten. "Das war ein besonderes Erlebnis." Zwei Dinge hat Werner Kirsten für sich aus der Antarktis mitgenommen: "Zum einen ist es allerhöchste Zeit unsere Welt zu bewahren", sagt er. "Und zum zweiten haben wir allen Grund, die Kontakte zu allen Nationen im Sinne des Friedens zu halten."

Sechs Frachtschlitten für Dreharbeiten in Norwegen

Nach der Lieferung des Riesen-Transportschlittens an den Südpol hat die vogtländische Firma Lehman-UMT das nächste Projekt in der Umsetzung. Am Freitag wurden am Firmensitz in Jocketa sechs Frachtschlitten für einen Kunden in Norwegen verladen. In zwei Lkw werden sie zunächst knapp 3.000 Kilometer bis nach Tromsø in Norwegen transportiert.

Baracke in Polarlandschaft
Die russische Forschungsstation in der Antarktis. Bildrechte: Werner Kirsten

Von dort aus geht ihre Reise dann noch einmal gut 900 Kilometer an den endgültigen Bestimmungsort Spitzbergen. Mit den neun Meter langen Schlitten will eine Filmproduktionsfirma Equipment für Dreharbeiten transportieren. "Unsere Firma ist mit dem Filmstudio noch im Gespräch, ob sie von uns eine technische Begleitung wünschen", so Kirsten. Vielleicht geht es für Werner Kirsten also bald nach Norwegen.

Quelle: MDR/al/mdc

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.01.2020 | 19:00 Uhr

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