Demos und Gegendemos Proteste gegen rechten Fackelzug in Plauen

Am 29. Oktober 1938 wurden die ersten Juden aus Plauen deportiert. Genau 80 Jahre später ist die Neonazi-Partei "Der Dritte Weg" mit Fackeln durch Plauen marschiert. Doch es regte sich Protest.

Gegen einen Umzug der rechtsextremen Partei "Der Dritte Weg" haben am Montagabend in Plauen nach Angaben der Organisatoren rund 500 Menschen demonstriert. Auf Transparenten stand "Vogtland gegen rechts" und "Die Rechten zu Boden", viele hatten bunte Lampions dabei. An dem Fackelumzug der Rechtsextremen, bei dem ausländerfeindliche Plakate zu sehen waren, beteiligten sich Schätzungen zufolge etwa 100 Menschen. Der evangelische Pastor Hans-Jörg Rummel vom Runden Tisch für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage als einer der Organisatoren sagte: "Wir haben zwar ein anhaltendes Problem mit rechtsradikalen Gesinnungen, aber heute haben wir bewiesen, dass die Menschen, die für Frieden und Freiheit einstehen, in der Überzahl sind."

Wie die rechtsextreme Partei im Internet mitteilte, sollten die Fackeln dazu dienen, "die wenigen gutmenschlichen Betroffenheitsvisagen am Straßenrand gut auszuleuchten". Der Leipziger Grünen-Politiker Jürgen Kasek wertet das als "klare Gewaltandrohung". Auf Twitter teilte er im Vorfeld der Veranstaltung mit: "Wir lassen uns nicht einschüchtern."

Historisches Datum

Wegen der Demonstration gab es in den vergangenen Tagen gehörigen Wirbel in Plauen. Denn der 29. Oktober ist ein historisches Datum. An diesem Tag wurden 1938 Plauener Juden mit polnischer Staatsangehörigkeit nach Polen abgeschoben. Zugleich ist der 29. Oktober der Geburtstag des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels.

Zur Erinnerung an die Naziverbrechen wollten einige Plauener zusammen mit Schulkindern am 29. Oktober zum örtlichen Bahnhof gehen und dort die Namen der damals Vertriebenen vorlesen. Doch die Gedenkveranstaltung wurde von den Organisatoren wegen Sicherheitsbedenken abgesagt.

Verbot der Neonazi-Demo scheiterte

Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) hatte ein Verbot der Neonazi-Demo gefordert. Nach Ansicht des Landratsamtes des Vogtlandkreises ist ein solches Verbot juristisch aber nicht durchsetzbar. Man habe die Veranstaltung genehmigen müssen, sagte ein Sprecher der Behörde. Das Landratsamt hatte jedoch ein Verbot des Tragens von Fackeln gefordert, war aber beim Verwaltungsgericht Chemnitz am Freitag mit dieser Forderung gescheitert.

Quelle: MDR/mwa/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.10.2018 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2018, 18:59 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

19 Kommentare

31.10.2018 09:22 Anita L. 19

@Rudolf H.:
Ich befürchte, das ist Krümelsammelei, auch wenn Sie Recht haben, dass sich besorgte Rückwärtige genau darauf stürzen und es der "Lügenpresse" als bösartige Propaganda gegen die armen nationalen Verteidiger vorwerfen. Aber machen wir uns doch nichts vor: Am 29.10.1938 wurden deutsche Bürger ohne ersichtlichen Grund gezielt aus ihrer Heimat geworfen und in ein Land ausgewiesen, das nicht einmal ein Jahr später von Deutschen überfallen wurde. Und wir alle wissen, was danach mit Menschen jüdischen Glaubens oder auch nur jüdischen Wurzeln geschehen ist. Und es ist hochgradig traurig, dass wir uns darüber Gedanken machen müssen, ob man das "Vorspiel" weniger perfide und menschenverachtend einschätzen müsse als die "Haupthandlung".

30.10.2018 22:15 mare nostrum 18

@ 15

Phrasenhasser liest die falschen Zeitungen.

Die Presse bekommt sehr wohl mit, wo Rechts(-extreme) zuschlagen, brandschatzen, beleidigen und Volksverhetzung betreiben.

Die Litanei von den bösen Linken/Grünen ist abgenudelt.
Das überzeugt kein Schwein (s. Wahlergebnisse!).


30.10.2018 21:58 mare nostrum 17

@ 16

"Man hat diese Übertreibungen so über, dass man sich ab und an sogar an den in dieser Hinsicht bedeutend respektvolleren Sprachgebrauch in der DDR zurück sehnt." -

Allem Anschein nach haben SIE nie in der DDR gelebt, denn den respektvollen Sprachgebrauch (in welchem "sozialistischen" Umfeld eigentlich?) kann von Rostock bis Suhl außer Ihnen niemand nachvollziehen.

Wer zudem jemals seine Stadi-Akte einsah, weiß sehr wohl, welchen respektlos-fanatisch-indoktrinierten "Genossen" man meistens gegenüberstand.

Übertreibungen sind in diesem Zusammenhang unmöglich. Nur damalige (Mit-)Macher können das leugnen.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

30.10.2018 21:24 Morchelchen 16

Mediator und Co., Sie können gebetsmühlenartig jeden User mit einer gemäßigten Meinung als Rechten betiteln und demonstrierende Bürger, denen Massenvergewaltigungen nicht gefallen oder Messerattacken, als Nazis brandmarken - Sie werden es selbst mit diesen Verbalkeulen nicht erreichen, dass sich alle Mitmenschen wortlos damit abfinden oder gar nach und nach daran gewöhnen... Übrigens, Sie sind sicher jung, viel zu weit weg von echten Augenzeugen unsäglicher Zeiten, um von denen die echte Bedeutung erklärt zu bekommen und damit nachvollziehen zu können, was die Begriffe Nazis und Antifaschisten tatsächlich bedeuten. Wenn Sie sich nämlich der Tragweite bewusst wären, würden Sie damit nicht inflationsartig herum hantieren. Man hat diese Übertreibungen so über, dass man sich ab und an sogar an den in dieser Hinsicht bedeutend respektvolleren Sprachgebrauch in der DDR zurück sehnt.

30.10.2018 20:34 Phrasenhasser 15

Jeder kann nachvollziehen, dass es verschiedene Meinungen gibt. Und in Deutschland (noch) das Recht, eine Demonstration anzumelden. Wie auch eine Gegendemonstration. Das wäre an sich auch kein Problem, würden dafür nicht so viele Polizisten benötigt. Denn was mit absoluter Sicherheit zu erwarten ist, das ist die Neigung vieler junger wütender Teilnehmer, gegenüber den Andersdenkenden tätlich zu werden. Wie eben erst in Freiburg, wo sich etliche Linke mit Eisenstangen bewaffneten und auf Menschen losgingen, die anlässlich einer Massenvergewaltigung demonstrierten. Was aber unsere Presse wohl nicht mit bekam, weil die nichts darüber gebracht hat. Oder bedeuten Schläge für angebliche Rechte keine schlimmen Vorkommnisse mehr, sowas fällt wohl bei den Journalisten mittlerweile unter "dumm gelaufen"...

30.10.2018 16:17 Mediator 14

Was für ein trauriger Haufen und noch trauriger, dass denen in Ostdeutschland viele nachlaufen. Der III. Weg ist übrigens auch eine 'demokratische' Partei die bei Wahlen Antritt. Letzteres nur als Randbemerkung an diejenigen, die irgendwelchen blaubraunen Parteien immer gerne einen Persilschein ausstellen wollen, weil sie ja "Demokratisch" sind.

@ Trakehner2 (2): Mir ist ebenfalls bei dieser Kostümierung nur der Begriff Fasching eingefallen. Sie waren aber schneller.

30.10.2018 10:58 mare nostrum 13

@ 9

Die Zusammenarbeit von Reichsbahn und Behörden bei der "Polenaktion", also bei der Abschiebung der polnischen Juden, lieferte das Vorbild für die späteren Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager.

30.10.2018 10:41 mare nostrum 12

@ 7

Auch wenn sie AFal Enlli,
PEggy's Pride und
DEsse De Buff heißen:

Ob man es wahrhaben wollen oder nicht:

Es handelt sich um APFELSORTEN!

30.10.2018 10:37 Klaas aus Holland 11

@2, Trakhener. Er sucht sein Boot.
'Wo ist mein U-Boooott!!!

30.10.2018 07:32 MuellerF 10

Ich kann nicht verstehen, warum man Fackeln erlaubt: im Versammlungsgesetz steht schließlich ein Waffenverbot & brennende Stöcke SIND Waffen!

Mehr aus dem Vogtland und Greiz

Mehr aus Sachsen