Abriss Plauen beseitigt erfolgreich sogenannte Schrottimmobilien

Eine Ruine eines mehrstöckigen Wohnhauses steht am Beginn einer Häuserzeile mit sanierten Gründerzeitbauten
Solche Schandflecke soll es in Zukunft nicht mehr so häufig in Plauen zu sehen geben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Baufällig, verwaist und in den meisten Fällen eine echter Schandfleck - sogenannte Schrottimmobilien sind Gebäude, die keine Stadt gern haben möchte. In Plauen steuert man aktiv dagegen. Schon seit nunmehr vier Jahren wird daran gearbeitet, marode Häuser oder Industriebrachen Stück für Stück abzureißen. Damit gehört die Stadt zu den Vorreitern in ganz Sachsen. Das Geheimnis der Erfolgs scheint dabei recht simpel: ein Paragraph im Bundesbaugesetz.

Zehn Schrottimmobilen sind nach Angabe von Plauens Baubürgermeisterin Kerstin Wolf in den vergangenen vier Jahren verschwunden, 20 sollen noch folgen. Die Stadt halte einerseits die Augen offen und setze auf der anderen Seite geltendes Recht wirksam um. "Das sind Immobilien mit massiven äußeren Schäden, also Objekte, die nicht mehr bewohnbar und sanierbar sind. Wir haben begonnen, diese Fälle einer intensiven juristischen Betrachtung zu unterziehen." Die Stadt fordere die Eigentümer auf, ihr Objekt abzubrechen oder zu dulden, dass die Stadt dies tue. Dabei beruft sich die Kommune auf den Paragraphen 179 im Baugesetzbuch, dem sogenannten Rückbaugebot.

Kerstin Wolf, die Baubürgermeisterin von Plauen, eine Frau mit kurzen Haaren, sitzt vor einem Stadtplan
Die Baubürgermeisterin von Plauen, Kerstin Wolf, will in den nächsten Jahren noch 20 Schrottimmobilien abreißen lassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Baugestzbuch, § 179 Rückbau- und Entsiegelungsgebot
(1) Die Gemeinde kann den Eigentümer verpflichten zu dulden, dass eine bauliche Anlage ganz oder teilweise beseitigt wird, wenn sie

1. den Festsetzungen eines Bebauungsplans nicht entspricht und ihnen nicht angepasst werden kann oder
2. Missstände oder Mängel im Sinne des § 177 Abs. 2 und 3 Satz 1 aufweist, die auch durch eine Modernisierung oder Instandsetzung nicht behoben werden können.

Doch bis dieses rechtssicher angewandt werden könne, bedürfe es einer gründlichen und oft zeitintensiven Vorarbeit, sagt Sophie Kundl vom Bereich Bauordnung der Stadt Plauen. "Wir schauen uns erstmal die Eigentümerkonstellation im Grundbuch an, wir lassen ein Gutachten erstellen, dass nur ein Rückbau für das Gebäude in Frage kommt." Die Vorarbeiten könnten schon bis zu einem Jahr dauern. "Denn gerade bei solchen maroden Gebäuden sind die Eigentumsverhältnisse oft nicht eindeutig geklärt", weiß Kerstin Wolf. "Das sind insolvente Firmen, gelöschte Gmbhs, Erbengemeinschaften oder auch Eigentümer im Ausland." Baubürgermeisterin Wolf ergänzt: "Das ist das juristische Problem, dass wir wirksam unsere Rückbau-Bescheide zustellen können, weil oft kein Eigentümer auf den ersten Blick greifbar ist." Hier sei viel Durchhaltevermögen und auch manch juristischer Kniff notwendig. Deshalb habe sich die Stadt auch Unterstützung von einer Anwaltskanzlei geholt. "Der Abriss selbst läuft dann meist ohne große Probleme. Die Eigentümer sind meist froh, dass Ihnen die Last genommen wird", sagt Wolf. "Die Stadt kann zum großen Teil auf öffentliche Gelder zurückgreifen." Eine Möglichkeit sei das Landesbrachenprogramm, die andere das Programm "Europäische Fond für regionale Entwicklung".

In einer Häuserreihe steht zwischen zwei sanierten Gebäuden ein verfallenes Gründerzeithaus mit Abstützung und Schutzplanen
Die Stadt Plauen lässt Gutachten zum Bauzustand der Häuser erstellen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn die Grundstücke beräumt sind, könnten sie zum Beispiel per Zwangsversteigerung veräußert werden. Den eingeschlagen Weg wolle man in Plauen auch künftig weiter gehen. Der Erfolg sei für alle sichtbar, sagt Kerstin Wolf abschließend.

Quelle: MDR/bs/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.11.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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