09.07.2020 | 14:45 Uhr Staatsanwaltschaft stellt Server mit US-Polizeidaten in Falkenstein sicher

Ein Server zum Speichern von Informationen
Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat einen Server sichergestellt, auf dem Daten aus amerikanischen Polizeirevieren veröffentlicht wurden. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat einen Server in einem Rechenzentrum im vogtländischen Falkenstein sichergestellt. Wie die Behörde am Mittwoch mitteilte, soll er von einer Gruppe namens "DDoS" ("Distributed Denial of Secrets") genutzt worden sein, die sich als Alternative zu Veröffentlichungsplattformen wie Wiki-Leaks sieht.

Die Aktion sei im Rahmen der internationalen Rechtshilfe erfolgt. Grund sei ein zu erwartendes Hilfeersuchen aus den USA, erklärte die Staatsanwaltschaft - ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Wiki-Leaks Wiki-Leaks ist eine 2006 gegründete Enthüllungsplattform, auf der Dokumente anonym veröffentlicht werden, die durch Geheimhaltung als Verschlusssache, Vertraulichkeit, Zensur oder auf sonstige Weise in ihrer Zugänglichkeit beschränkt sind.

Die US-Behörden wollen Gründer Julian Assange vor Gericht stellen.

"Rechtshilfeersuchen dauern aufgrund der Bürokratie sehr lange", erklärt Jürgen Pfeiffer von der Staatsanwaltschaft Zwickau. "Deswegen gibt es die Möglichkeit eines Vorabsicherungsersuchens." Das diene dazu, Beweismittel schnell zu sichern. Zu den Einzelheiten des Verfahrens könne er keine Aussagen machen. "Es ist ein ausländisches Verfahren. Die Staatsanwaltschaft Zwickau selbst ermittelt nicht", so Pfeiffer.

Server vor mehreren Tagen vom Netz genommen

Der Server wurde bereits am 3. Juli beschlagnahmt. "Wir haben keinen Anlass für eine proaktive Medieninformation gesehen", sagt Pfeiffer dazu. Laut der Nachrichtenseite "netzpolitik.org" hatte bei Twitter eine Person namens Emma Best, die dem Leaking-Portal "DDoS" zugerechnet werden kann, am 7. Juli über das Vorgehen der Staatsanwaltschaft informiert. Danach haben sich laut Pfeiffer die Presseanfragen bei der Staatsanwaltschaft Zwickau gehäuft. Für die Bewilligung der Rechtshilfe, das heißt für die Entscheidung, ob tatsächlich Beweismittel an die USA herausgegeben werden, ist das Bundesamt für Justiz zuständig.

Medienberichten zufolge befinden sich auf dem Server Dokumente von mehr als 200 Polizeirevieren in den USA. Sie sollen von Hackern veröffentlicht worden sein, um die Polizeiarbeit transparent zu machen und mögliches Fehlverhalten, wie zum Beispiel übermäßige Polizeigewalt, aufzudecken.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.07.2020 | 16:00 Uhr in den Nachrichten

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