Bahnanbindung Eich ohne Halt: Züge rollen an Impfzentrum des Vogtlands vorbei

eine Regionalbahn fährt durch Winterlandschaft am Haltepunkt Eich im Vogtland vorbei.
Zu Fuß wären es vom Haltepunkt Eich bis ins Impfzentrum gut fünf Minuten. Aber die Züge halten nicht in dem Ortsteil, in dem der zentrale Impfstandort des Vogtlands eröffnet wurde. Bildrechte: Bernd Schädlich

Das 600-Seelen-Dorf Eich, ein Ortsteil der vogtländischen Stadt Treuen, ist seit dem Wochenende bekannt. Denn in Eich befindet sich nicht nur eines der 13 sächsischem Impfzentren. Hier sind bereits vor dem offiziellen Start am Sonnabend mehrere hundert Menschen geimpft worden. Trotzdem hagelt es viel Kritik für diese Entscheidung, das vogtländische Impfzentrum ausgerechnet in Eich anzusiedeln. Der Standort ist mit dem Zug - und damit vor allem für ältere Leute -  schlecht zu erreichen, sagen Kritiker. Das Problem wäre viel kleiner, wenn Eich seinen Bahnhaltepunkt wiederbekommen würde.

Haltepunkt jetzt wegen des Impfzentrums?

Nahezu stündlich passiert ein Triebwagen der Vogtlandbahn den Haltepunkt Eich. Doch seit mehr als neun Jahren hält er nicht mehr an. Genauso lange setzt sich Treuens Bürgermeisterin Andrea Jedzig für den Stopp ein: "Wir haben seit 2011 immer wieder versucht, den Haltepunkt in Eich wieder zu bekommen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir haben über Jahre hinweg auch Geld eingestellt, um uns an den Kosten für den Ausbau zu beteiligen."

Würden die Züge in Eich halten, könnten Fahrgäste von Plauen oder aus dem oberen Vogtland ohne Umstieg direkt nach Eich fahren, argumentiert Bürgermeisterin Jedzig. Man müsse auch nicht zwingend die alten Bahnanlagen nutzen. Es könnte auch ein Bedarfshalt mit kürzerem Bahnsteig eingerichtet werden, zur Not auch "ein Stück weit ab vom ehemaligen Bahnhof Richtung Gewerbegebiet". Dann sei man in gut fünf Minuten zu Fuß am Impfzentrum, sagt die Lokalpolitikerin.

Inmitten einer Winterlandschaft steht ein altes Ziegelgebäude. An der Fassade sieht man verwitterte Schriftzüge, die den haltepunkt Eich im Vogtland anzeigen.
1865 wurde der Bahnhof Eich mit der Bahnstrecke Herlasgrün–Oelsnitz eröffnet. Erst hieß der Halt nach der benachbarten Stadt Lengenfeld. 1879 wurde er in "Eich" umbenannt. Seit Dezember 2011 halten keine Personennahverkehrszüge mehr in Eich. Bildrechte: Bernd Schädlich

Verkehrsverbund verweist auf eine Million Euro Kosten

Doch der Verkehrsverbund Vogtland winkt ab. Rund eine Million Euro müssten investiert werden. Das sei absolut nicht darstellbar, meint Verbandssprecherin Kerstin Büttner. "Die Fahrgastzahlen in Eich haben schon in den 1990er Jahren nicht mehr für den Ausbau und die Modernisierung eines Haltepunktes gesprochen. Deshalb gibt es vom Zweckverbund keine Anstrengungen, diesen Haltepunkt zu ertüchtigen." Laut Büttner sei mit dem neuen Vogtlandnetz der Ort Eich per Taktbus ausreichend angebunden.

Fahrgastverband Pro Bahn sieht keine Möglichkeiten

Aktuell haben ÖPNV-Nutzer von der Bushaltestelle zum Impfzentrum Eich einen rund viertelstündigen Fußmarsch vor sich. Für Bertram Zetzsche  vom Fahrgastverband Pro Bahn ist das alles andere als "ideal". Ein Bahnanschluss wäre wünschenswert, sei aber in der Kürze der Zeit nicht machbar. "Natürlich wäre das Impfzentrum ein Faktor, der das mit entlasten könnte. Aber bei den ganzen Planungs- und Vorarbeiten, die dort notwendig sind, ist das ein Prozess der sich über mehrere Monate, wenn nicht Jahre erstreckt. Auf die Schnelle für Eich als Impfzentrum sehe ich da keine Möglichkeit", urteilt Zetzsche.

Auch wenn die Züge stündlich am vogtländischen Impfzentrum vorüberfahren, so verspricht Bürgemeisterin Andrea Jedzig, werde die Stadt Treuen weiter für einen Bahnhaltepunkt kämpfen.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.01.2021 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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