10.01.2020 | 09:38 Uhr Zum Ehrentag der Blockflöte: Besuch beim letzten Flötenbaumeister in Zwota

Was ist schlimmer als eine Blockflöte? Zwei Blockflöten. Ein Witz von geplagten Eltern, deren Nachwuchs beherzt ins Instrument pustet und Zuhörern viel abverlangt. Kenner und Musiklehrer lieben das Instrument, das immer seltener in Deutschland hergestellt wird. Die Konkurrenz aus Japan ist groß. Dennoch feiert die Blockflöte am Freitag ihren Ehrentag. Anlass für MDR SACHSEN, bei einem der letzten Flötenbaumeister im Musikwinkel im Vogtland nachzufragen, wie das Geschäft läuft.

Blockflöte liegt auf Notenblättern
Bildrechte: Colourbox.de

Zehntausende Kinder lernen jedes Jahr in deutschen Musikschulen Blockflöte. Das Instrument galt jahrzehntelang als preiswertes Einsteigerinstrument. Inzwischen verschwinden zehntausende Blockflöten aber auch nach kurzer Zeit wieder in Schubladen und in Kinderzimmer-Ecken. Im Vergleich zu den 1990er- Jahren haben sich die Schülerzahlen in Blockflöten-Kursen halbiert (von einst mehr als 100.000 Schülern auf weniger als 50.000 im Jahr), beklagt der Verband deutscher Musikschulen.

Letzter Hersteller in Zwota

Menschenbetrachten Flöten
Gerald Schneider ist der letzte Blockflötenbauer von ehemals neun Herstellern in Zwota. Bildrechte: MDR/Heike Riedel

Der letzte Blockflötenbauer im Musikwinkel des Vogtlands ist Gerald Schneider aus Zwota. Die kleine Manufaktur mit drei Mitarbeitern fertigt bis zu 10.000 Blockflöten im Jahr. Die Instrumente sind hauptsächlich für den Schulunterricht bestimmt. "Wir sind die letzte Manufaktur hier. Dabei gab es in Zwota in den 1920er- Jahren bald in jedem zweiten Haus einen Blockflötenhersteller", erklärt Schneider. Das sei fast so wie bei den Männelmachern im Erzgebirge gewesen.

In den 1980er- Jahren brachte der japanische Hersteller Yamaha massenweise Kunststoff-Flöten auf den deutschen Markt. "Den Einstieg in einen aussichtslosen Wettbewerb um Preis- und letztendlich Qualitätsdumping haben deutsche Instrumentenbauer wohlweislich nicht versucht", erklärt das Goethe-Institut in einem Überblick übers kulturelle Erbe des deutschen Musikinstrumentenbaus. Vielmehr setzten Handwerksbetriebe auf althergebrachte Qualitätsmaßstäbe und Manufaktur-Arbeit als Markenzeichen. So wie Gerald Schneider das seit der Wende 1989 im Familienbetrieb handhabt.

Vom Baum bis zum kleinen Instrument

Die Bäume für seine Instrumente sucht sich Schneider in der Umgebung. "Meist ist es Bergahorn, der kommt bei uns relativ häufig vor. Er wird vor dem Trocknen in kleine Scheite geschnitten und gelagert. Nach einem trockenen Sommer kann er schon verarbeitet werden." Neben Bergahorn nutzt der Blockflötenbaumeister auch Kirschbaumholz. Dann bohrt und drechselt Schneider die Rohlinge auf alten Maschinen. "Die Maschinen hat mein Vater nach dem Zweiten Weltkrieg angeschafft. Sie laufen immer noch", freut sich der Zwotaer. CNC-Maschinen würden sich in seiner Manufaktur gar nicht lohnen. Auch die Instrumente seien im Prinzip die gleichen wie vor 50 Jahren.

Kurz vor der Endbearbeitung taucht Gerald Schneider die Flöten in ein Paraffin-Bad, damit sie vor Feuchtigkeit geschützt sind. Dann sind die Instrumente fertig, werden in spezielle Taschen gepackt, bekommen Grifftabelle und Wischer dazugelegt und die Reise zu Kindergärten, Musikschulen und Käufern kann beginnen.

Flötenbauer gesucht

Einen Nachfolger für sein Handwerk hat Schneider bisher noch nicht gefunden. "Ich mache weiter, so lange es geht." Sollte sich niemand finden, ist für seinen Familienbetrieb in der vierten Generation Schluss. Aber auch in Zwota würde nach mehr als 100 Jahren die Flötenbauertradition enden.

Konzerttipp für Leipzig

Die Musikschule Johann Sebastian Bach in Leipzig ehrt das Instrument am Freitag mit einem extra Konzert. Um 16 Uhr spielen die Flötenensembles der Schule im Bach-Museum am Thomaskirchhof.

Barockmusik, gespielt auf der Blockflöte
Alles Gute zum Tag der Blockflöte! Bildrechte: imago/Leemage

Die Geschichte der Blockflöte - Flöten gehören zu den ältesten bekannten Musikinstrumenten der Menschheit. Schon in prähistorischer Zeit wurden Flöten aus Knochen gefertigt und gespielt.
- In Europa ist die Blockflöte seit dem 11. Jahrhundert bekannt. Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert war sie eines der wichtigsten Instrumente und erlebte in der Barockzeit ihre Blüte. Vivaldi, Telemann und Händel komponierten ganze Konzerte und Sonaten für Blockflöte. Auch in Bachs "Brandenburgischen Konzerten" spielen Blockflöten mehrere Hauptrollen als Soloinstrumente.
- Ab Mitte des 18. Jahrhunderts lief die klanglich stärkere Querflöte in der Orchestermusik der Blockflöte den Rang ab.
- Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Blockflöte wiederentdeckt, um Renaissance- und Barockmusik werksgetreu zu spielen. Auch die Romantiker der Wanderbewegung entdeckten das Instrument für sich.
- Heutzutage kennt man Holzflöten in der Jazz- und Folkmusik. Die isländische Sängerin Björk hat 2017 ein ganzes Album mit verschiedenen Blockflöten aufgenommen.

Quelle: MDR/tfr/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Der Sonntagsbrunch 05.01.2020 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2020, 09:38 Uhr

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