Textilbranche Unternehmergeist auf vogtländisch: Mit Ideen durch die Corona-Krise

In der Corona-Krise kann der Textilhersteller Seidel im Vogtland derzeit seine Damenoberbekleidung europaweit nicht verkaufen. Der Geschäftsführer Axel Seidel setzt auf Schutzausrüstung und neue medizinische Kittel als Öko-Alternative im Vergleich zur Wegwerfware aus Fernost. Bereits seit vorigem Frühjahr stellen die Näherinnen in Schreiersgrün Alltagsmasken her. Das Unternehmen setzt auf das Wissen seiner Beschäftigten und das Know-how vieler Zuliefererfirmen aus Sachsen und Thüringen - anstatt in Billiglohnländern produzieren zu lassen.

Wir haben hier ein Know-how aufgebaut, um das werden wir beneidet. Wenn ich jetzt im Ausland produzieren würde, gebe ich ja das Wissen weg.

Trotzdem bereiten die Folgen der Corona-Krise dem Geschäftsführer Axel Seidel Kopfzerbrechen. Jeden Tag wacht er 4 Uhr morgens auf und zerbricht sich nach eigenen Angaben den Kopf darüber, welche Ideen er verfolgen könnte, um den 50-köpfigen Betrieb zu erhalten. "Das sind Ideen, die ich mir teilweise aufschreibe und dann umsetze", sagt Seidel, der den 1909 gegründeten Betrieb seines Urgroßvaters heute leitet.

Masken und Kittel nicht überdurchschnittlich nachgefragt

So wie Axel Seidel im Vogtland sind viele ostdeutsche Hersteller in die Fertigung medizinischer Schutzausrüstung wie Masken und Kittel eingestiegen. Nach Meinung des Branchenverbanes Nord-Ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie (VTI) habe sich das für viele Unternehmen aber bisher nicht ausgezahlt. Bei Ausbruch der Pandemie wurde Schutzausrüstung händeringend gesucht. Doch schnell seien lieber billigere Einmal-Produkte aus Asien geordert worden, kritisierte der Hauptgeschäftsführer Jenz Otto. Er rief Behörden und das Gesundheitswesen dazu auf, beim Kauf solcher Ausrüstung nicht nur auf den Einkaufspreis zu achten, sondern:

Entscheidend für die Sicherheit der Bevölkerung sind vielmehr Kriterien wie normgerechte Qualität, nachvollziehbare Lieferketten, die Möglichkeit bedarfsgerechter Nachorder und die Mehrfachnutzung von Textilien.

Jenz Otto Hauptgeschäftsführer der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 16.01.2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Zeitgeist vor 6 Wochen

Als erstes hoffe ich, daß Er durchhält. Nicht nur der 50 Leute wegen, sondern Made in Vogtland ! Als zweites der Maskenmüll wird bald Geschichte sein. Als drittes dann sind andere sinnvolle Produkte mit kurzen Wegen gefragt.

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