Feuerwehr im Dauereinsatz Unwetter wüten über dem Vogtland und lassen Talsperre überlaufen

Schwere Unwetter sind am Donnerstag übers Vogtland gezogen. Besonders in der Gegend um Bad Brambach und Adorf gab es massive Überflutungen. Keller liefen voll und Bundesstraßen mussten gesperrt werden. Die Talsperre Pirk läuft über. Die Bewohner der Region müssen am Freitag mit teils erheblichen Einschränkungen rechnen.

Braune Wasserfluten, im Hintergrund eine Bahnschranke
Straßen verwandelten sich in kurzer Zeit in reißende Flüsse und wurden unpassierbar. Bildrechte: MDR/Bernd März

Im Vogtland haben am Donnerstagnachmittag schwere Unwetter gewütet. Laut Polizei ist ein Mann in Oberhermsdorf durch Blitzeinschlag verletzt worden. Der Rettungsdienst habe nicht sofort zum Opfer gelangen können, weil Zufahrtsstraßen unter Wasser standen. Mittlerweile liegt der Mann im Krankenhaus.

Das Landratsamt Vogtlandkreis gab eine Gefahreninformation heraus: "Seit Donnerstag 18.00 Uhr läuft die Talsperre Pirk wegen starker Niederschläge über. Es besteht keine Gefahr. In den kommenden Stunden ist mit einem weiteren Pegelanstieg der nachfolgenden Flüsse zu rechnen." Das betraf zunächst die Pegel Magwitz und Straßberg.

In der Region rund um Bad Brambach kamen mehr als 100 Liter Regenwasser pro Quadratmeter vom Himmel. Den meisten Regen gab es nach Angaben des MDR-Wetterstudios in Bad Elster/Sohl. Hier wurden in zehn Stunden 145 Liter pro Quadratmeter gemessen. An der Weißen Elster stiegen die Wasserständen innerhalb von wenigen Stunden sprunghaft an. Zwischenzeitllich galt am Pegel Adorf die höchste Hochwasserwarnstufe 4. Das Landeshochwasserzentrum warnte, es bestehe Gefahr für Leib und Leben.

Infolge der Wassermassen wurden diverse Straßen und Felder überflutet, liefen Garagen und Keller voll Wasser. Horst Voigt, Einsatzleiter der Feuerwehr Markneukirchen, sagte am Abend MDR SACHSEN: "Wir haben unsere Kräfte in Alarmbereitschaft gesetzt, weil wir davon ausgehen, dass wir weitere Einsätze zu erwarten haben."

Es stehen Keller unter Wasser, es kommen Felder geschwommen, Kanaldeckel werden rausgedrückt.

Horst Voigt Einsatzleiter der Feuerwehr Markneukirchen

Hilferufe von überall

Von überall her erreichten die Feuerwehr Hilferufe, sagte Einsatzleiter Voigt. Sobald Kräfte frei seien, würden sie andere Wehren unterstützen. In der Markneukirchener Wache wurde eine Führungsstelle eingerichtet. Dort werden die Einsätze in Bad Brambach, Adorf und Bad Elster koordiniert.

  • Zwei Bundesstraßen sind laut dem Einsatzleiter überflutet worden, ebenfalls sechs kleinere Straßen in unmittelbarer Nähe der Elster.
  • Die B92 bleibt am Freitag von Oelsnitz bis zum Grenzübergang Tschechien gesperrt.
  • Gesperrt ist am Freitag auch die B283 zwischen Adorf und Markneukirchen.
  • Der regionale Busverkehr und Schülerverkehr ist am Freitag in der Region teilweise eingeschränkt, teilte das Landratsamt Vogtland mit.
  • In Mühlhausen, einem Ortsteil von Bad Elster, wurde sogar die Feuerwehr selbst in Mitleidenschaft gezogen. Hier ist das Gerätehaus unter Wasser.
  • In Mühlhausen sind nach Feuerwehrangaben auch zwei Gehöfte abgesoffen. Auch einige auf den Straßen geparkte Autos wurden Opfer der Fluten.
  • In der Stadtverwaltung Adorf fiel das Internet aus.
  • In Adorf wurde am Donnerstag die Emil-Claviez-Siedlung evakuiert. Die Bewohner sind in Notunterkünften untergekommen.

Feuerwehrleute stapfen durch braune Wassermassen.
Alle Feuerwehren im Vogtland sind im Dauereinsatz. Bildrechte: MDR/Bernd März

Nach Angaben des Lagedienstes der Polizei in Zwickau sollen müssen die gesperrten Bundesstraßen und Ortsdurchfahrten erst auf Schäden und Unterspülungen kontrolliert werden, bevor sie wieder für den Verkehr freigegeben werden. "An manchen Stellen haben wir streckenweise Wasser von einem Meter Höhe auf den Straßen", sagte Polizeisprecher Andreas Herzig. Er rechnete nicht mit einer Entspannung der Unwetterlage in der Nacht zu Freitag, solange es weiter stark regnet.

Probleme bei der Vogtlandbahn und im Busverkehr

Aufgrund von Gleisüberspülungen stellte die Vogtlandbahn auf der Strecke zwischen Weischlitz und Bad Brambach am Nachmittag den Zugverkehr ein. Ersatzbusse kamen wegen des Unwetters kaum oder nur über Umwege voran. Nach Angaben der Vogtlandbahn wurden die Fahrgäste, die unterwegs waren, über Umleitungen zu ihren Zielorten gebracht. Nach bisherigem Stand wird die Streckensperrung bis voraussichtlich Freitagmittag andauern.

Unwetterstürme Einsatzkräfte im Kampf gegen die Gewitterfluten im Vogtland

Das Vogtland ist am Donnerstag von einer Unwetterfront überrascht worden. Straßen, Felder und Gehöfte wurden überflutet. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz.

Braune Wasserfluten, im Hintergrund eine Bahnschranke
Unterhermsgrün In Unterhermsgrün funktionierten die Bahnschranken wegen eines Blitzeinschlages nicht mehr. Bildrechte: MDR/Bernd März
Von Schlamm und Geröll überschwemmte Zuggleise
Schienen wurden mit Geröll bedeckt. Bildrechte: MDR/Jens Uhlig
Braune Wasserfluten, im Hintergrund eine Bahnschranke
Unterhermsgrün In Unterhermsgrün funktionierten die Bahnschranken wegen eines Blitzeinschlages nicht mehr. Bildrechte: MDR/Bernd März
Feuerwehrleute und ein Polizeiauto inmitten der Fluten
Unterhermsgrün Kameraden der Feuerwehr mussten zwei Polizeibeamte aus ihrem Fahrzeug befreien. Ihr Streifenwagen war von den Fluten mitgerissen worden. Bildrechte: MDR/Bernd März
Feuerwehrleute stapfen durch braune Wassermassen.
Unterhermsgrün Der Straßenverlauf war durch die Wasserfluten nur noch zu erahnen. Bildrechte: MDR/Bernd März
Eine komplett überflutete Straße und ein überschwemmter Pkw
Unterhermsgrün Für Autos gab es kein Durchkommen mehr. Bildrechte: MDR/Bernd März
Eine Straße hat sich in einen wilden Bach verwandelt.
Unterhermsgrün Das Wasser riss Äste, Schlamm und Unrat mit sich. Bildrechte: MDR/Bernd März
Ein Feuerwehrauto steht an einer überfluteten Straße.
Unterhermsgrün Hier hatte auch die Feuerwehr keine Chance durchzukommen. Bildrechte: MDR/Bernd März
Stark überflutete Landstraße
Unterhermsgrün Wassermassen überfluteten Landstraßen. Bildrechte: Bernd März
Überflutete Flussaue
Unterhermsgrün Die Weiße Elster trat bei Oberhermsgrün über die Ufer. Bildrechte: Bernd März
Überflutete Flussaue
Unterhermsgrün Aus einer Fluss- wurde innerhalb weniger Stunden eine Seenlandschaft. Bildrechte: Bernd März
Braune Wasserfluten ergießen sich über eine Landstraße.
Unterhermsgrün Die Straße zwischen Oelsnitz und Adorf musste wegen Überflutungen streckenweise gesperrt werden. Bildrechte: Bernd März
PKW stehen bis zur Motorhaube im Wasser.
Unterhermsgrün Trockenen Fußes gab es für die Anwohner dieser Siedlung kein Vorankommen mehr. Bildrechte: Bernd März
Unwetter Vogtland Bad Elster
Bad Elster/OT Mühlhausen Das Hotel Vogtland in Bad Elster wurde schwer getroffen. Bildrechte: MDR/Mario Unger
Unwetter Vogtland Bad Elster
Bad Elster/OT Mühlhausen Der Garten steht komplett unter Wasser. Viele Gäste haben für das Wochenende storniert. Bildrechte: MDR/Mario Unger
Unwetter Vogtland Bad Elster
Bad Elster/OT Mühlhausen Die Feuerwehr ist mit Pumpen im Einsatz. Bildrechte: MDR/Mario Unger
Wassermassen strömen an einem Haus vorbei
Adorf Auch rund um Adorf ist die Situation schlimm. Bildrechte: MDR/Bernd März
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Zwischenzeitlich höchste Unwetterwarnstufe

Dass es überhaupt zu solch massiven Unwettern kam, lag an der besonderen Wetterlage. Ein Gewitterkomplex hatte sich stundenlang über dem Vogtland gehalten, ohne sich zu bewegen, erklärte der Deutsche Wetterdienst. Demnach hätten sich die Gewitter im Entstehungsbereich an der tschechischen Grenze auch immer wieder neu aufgebaut. Die Folge der heftigen Gewitter: Stellenweise fielen so viele Niederschläge, wie sonst im ganzen Monat Mai.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Abend eine zweite Unwetterwarnung für die Region wieder aufgehoben. Meteorologen des MDR-Wetterstudios erwarten in der Nacht weiteren Regen, gehen aber davon aus, dass sich die Situation etwas entspannt.

Quelle: MDR/mwa/kk/jr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.05.2018 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2018, 13:31 Uhr

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18 Kommentare

25.05.2018 12:13 mare nostrum 18

Es gibt keinen Klimawandel.
Das ist eine Erfindung.
Wir brauchen keine internationalen Klimaabkommen.

Wo befindet sich der Reserve-Planet von Trump?

25.05.2018 11:08 R. Gerlach 17

"25.05.2018 09:10 Marc 4P: Ich hoffe, dass jetzt nicht wieder der Ruf nach Spenden für die Betroffenen laut wird. . . ." Genau, mit Steuerzahlers Steuern rührt man diese Missstände ein und mit Steuerzahlers Spenden VERSUCHT man es ein bisschen gerade zu biegen. Vielleicht sollten dazu mal die Diäten oder die Gewinne aus den Rüstungsexporten herangezogen werden.

25.05.2018 10:14 Chlamydia 16

@6, volle Zustimmung...

Für alle anderen sowie die Journalistin einfach mal HAARP in die Suchmaschine des Vertrauens eingeben und den Zusammenhang mit den neuen „Wolken“ ins Spiel bringen. Keine Angst, den Begriff Verschwörungstheorie hat die CIA selbst ins Spiel gebracht....

25.05.2018 09:40 R. Gerlach 15

Natürlich hat auch der Mensch Schuld. Man denke doch nur an die riesigen Rapsflächen, die Insekten und Vögel nicht mal mehr überfliegen können, ohne zu verhungern. Wohin wird auch das wohl führen, wenn das so weiter geht? Autobahnen in Form von endlosen Betonbändern durchs Land - genialerweise durch Sandstürme, weil man vergaß, dass diese Flächen prädestiniert sind für Stürme. Schon unsere Großeltern trennten die Äcker durch Baumreihen, Büsche und sogar kleine Bäche. Jede Brücke bekommt einen Windschutz, Ost- und Nordsee schützt man mit Strandhafer. Nein, man verklagt auch noch die Opfer = Fahrer wegen Verursachung eines Staus, anstatt die Verursacher: Architekten, Ämter, Genehmiger, die sich einen TÜV ersparen. Aber heute schickt man die Autofahrer ja auch schon direkt und das gleich zweimal INS MOOR. Und? Wen verklagt man da? Die Niederländer überqueren Moore mit flachen Metallbrücken. Wir stellen bei der Planung noch nicht mal fest, WO man baut. G€Z noch?

25.05.2018 09:28 Sr.Raul 14

Oh Gütiger! Natürlich sind diese Klima-/Wetteränderungen zu einem Großteil menschengemacht, @3 (Sabrina). Nehmen wir nur einmal, ganz regional, 2 Aspekte von Änderungen seit der Kehre: 1. Jede freie Klitsche wird bebaut=Flächenversiegelungen und 2. Eine extreme Zunahme an Wasserfläche durch Renaturierung von Tagebauen (Finde ich generell gut, hat aber in Verbindung Erwärmung-Wasserverdunstung sicher auch seine Schattenseiten). Von den ganzen Negativeinflüssen im Zusammenhang der westl. Konsumgeilheit will ich gar nicht erst anfangen. Was @1 und 2 dazu anmerken ist so abwegig nicht. Bei einem Weiter so, wird sich die Menschheit ihr Grab am Ende des Tages selber geschaufelt haben.

25.05.2018 09:10 Marc 13

Ich hoffe, dass jetzt nicht wieder der Ruf nach Spenden für die Betroffenen laut wird. Die Probleme in den Ortslagen sind doch nicht neu. Wer verstanden hat, hat sich vorbereitet. Wer am Haus nichts gemacht hat oder sich um ne Versicherung gekümmert hat, wird hoffentlich jetzt nachdenklich. Nichtstun mit meinem Steuergeld oder Spenden zu belohnen, kommt nich inne Tüte, solange Kitas und Schulen marode sind!

25.05.2018 04:09 Spottdrossel 12

Pack die Badehose ein, ... und lebe das Global Warming.

25.05.2018 02:08 AufmerksamerBeobachter 11

Fakt ist, das die Talsperre innerhalb 15 Jahren 2x uebergelaufen ist. Damit ist sie nach heutigen Maßstaeben unterdimensioniert. Ich habe die DIN Vorschriften zur Dimensionierung (Bemessungshochwasser etc, Rißler, Talsperrenpraxis) gelesen, danach sind solche Bauwerke wie TS Pirk fuer das Ereignis Überlauf für 1x/1000 (Eintausend) Jahre auszulegen. Zur Fertigstellung in den 30er Jahren kannte man die DIN noch nicht, man muß aber davon ausgehen, das bei üblicherweise angenommener Fehlertoleranz von 5% (1000 Jahre +/- 50 Jahre) entweder eine Fehlplanung vorliegt oder die Umweltbedinungen haben sich sehr stark geaendert.

Hatten die Klimawarner nicht vorhergesagt, das nicht so viel mehr Niederschlag, aber wesentlich konzentrierterer Niederschlag zu erwarten ist? Das duerften die ersten daraus resultierenden Probleme sein: Hochwasserversicherungsschutz entfällt gerade dort, wo er am nötigsten waere.

25.05.2018 01:47 Aswin 10

Ja ja an allem ist der Mensch schuld, blub bla sör. Das Klima änderte sich seid dem Midgard anfing Leben hervor zu bringen bzw ein wirklicher Planet wurde, und wird es auch weiterhin tun (siehe nur die letzte Eiszeit aus der wir jetzt austreten). Ich sage nicht das der Mensch vieles zerstört mit seiner Habgier ect und mache mir natürlich Sorge um z. b den Müll in den Meeren, Chemische Substanzen usw........... Wünsche den Menschen in den Betroffenen Gebieten das sie alles heil überstehen und ihnen schnell und Unbürokratisch geholfen wird.Ein großes Lob an alle Helfer die unermüdlich anderen zur Seite stehen.....

24.05.2018 23:30 Rasselbock 9

Wer glaubt der Mensch könne die Natur kaputtmachen irrt gewaltig. Es wird nicht passieren, vorher schafft die Natur den Mensch ab. Was an abartigen Wetterereignissen in dieser Menge in den letzten Jahren ablief, es ist der Ärger selbstgemacht, Raffgier das Motiv.

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