15.07.2020 | 17:11 Uhr Braune Brühe aus der Wasserleitung in Kemnitz

Trinkwasser unterliegt in Deutschland strikten Kontrollen. Man kann es im Normalfall bedenkenlos trinken. Im Normalfall. Denn wenn die Brühe aus dem Wasserhahn braun gefärbt ist und eklig schmeckt, ist etwas faul.

Eine Frau hält ein Glasgefäß mit Wasser, auf dessen Boden sich hellbraune Partikel abgesetzt haben.
Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Kemnitz, ein kleines vogtländisches Dorf im Dreiländereck von Sachsen, Thüringen und Bayern, kämpft seit Jahren mit verschmutztem Trinkwasser. Anfangs war es ein gelegentliches Problem, inzwischen vergeht kaum eine Woche, in der nicht mindestens einmal braune Brühe aus dem Wasserhahn läuft.

Anwohnerin Birgit Brosch zeigt, dass das Wasser, das aus ihrem Wasserhahn kommt, mit Trinkwasser nichts mehr zu tun hat. "Wir haben Wasser, das ist manchmal dunkler als Urin. So kommt das aus dem Wasserhahn." Durch die groben Verunreinigungen könne man das Wasser nicht trinken und die Küchengeräte gingen ebenfalls kaputt.

Auch das Waschen der Wäsche sei ein Problem, sagt Nachbarin Nadine Baumgartner. "Es ist mitunter schon so, dass ich meine weiße Wäsche nicht mehr zu Hause wasche. Man weiß nie, ob das Wasser gerade wieder braun ist." 

Teilweise behelfen sich die Anwohner mit Mineralwasser. Für die junge Mutter Nadine Hellfritsch ist das aber auch ein Kostenproblem. "Wer will das bezahlen, alles mit Mineralwasser zuzubereiten. Aber man macht sich natürlich schon Gedanken, ob das gesundheitlich unbedenklich ist."

Wasser ist schmutzig, aber unbedenklich

Ronny Röder, der für den Bereich Trinkwasser beim Zweckverband Wasser Abwasser Vogtland zuständig ist, beruhigt die Anwohner. "Wir haben das Wasser analysiert. Die Trübungen, die drin sind, versauen auch die Wäsche. Das ist unstrittig aber es ist unbedenklich." Das Problem seien die alten Leitungen aus Stahlguss, die in den 1960er-Jahren gebaut worden seien. "Die Leitungen sehen innen wie ein kleines Gebirge aus. Dort lagern sich immer wieder Schmutzteilchen ab." Das Spülen der Leitungen könne nur kurzfristig helfen.

Abhilfe soll in den nächsten Jahren kommen

Mittlerweile laufen die Planungen für eine Sanierung des Leitungsnetzes, sagt Helmut Röder. "Der erste Abschnitt soll im Frühjahr 2021 gebaut werden. Nach und nach soll das ganze Ortsnetz in Stand gesetzt werden." Der Leitungsaustausch werde etwa 700.000 bis 800.000 Euro kosten. Spätestens in drei Jahren soll dann aus jedem Wasserhahn im Dorf nur noch klares Wasser sprudeln, verspricht er.

Eine Flurkarte zeigt das Wasserleitungsnetz einer Ortschaft.
In den nächsten drei Jahren soll das Leitungsnetz in Kemnitz erneuert werden. Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Quelle: MDR/tfr/bs

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.07.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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