Blick auf den Marktplatz von Plauen mit dem Alten Rathaus samt prächtigem Renaissance-Giebel.
Bildrechte: dpa

21.05.2019 | 12:10 Uhr Plauener Integrationsfest soll Zeichen gegen Rechts setzen

Seit über einem Jahr bereitet Plauen ein Integrationsfest für und mit Menschen mit Behinderungen vor. Dann melden Rechte eine Kundgebung für den Tag an. Der von der Diakonie organisierte Aktionstag "Voll normal" soll nun auch ein Statement gegen Rechts werden.

Blick auf den Marktplatz von Plauen mit dem Alten Rathaus samt prächtigem Renaissance-Giebel.
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Nach der Absage einer Schule für das Integrationsfest für behinderte Menschen am kommenden Sonnabend in Plauen soll der Aktionstag "Voll normal" auch ein Statement gegen Rechts werden. Die Stadt und das Vogtland wollen angesichts der zeitgleich geplanten Kundgebung der rechtsextremistischen Kleinstpartei "Der Dritte Weg" ein "sichtbares Zeichen" setzen. Der Pfarrer der St. Johannis-Kirchgemeinde, Hans-Jörg Rummel, rief dazu auf, nicht vor rechten Kräften zurückzuweichen.

Ich möchte im Blick auf den kommenden Samstag und das Fest der Diakonie für Menschen mit Behinderung Mut machen, dahin zu kommen. Außerdem ist es sehr schlimm, wenn man solcher Angst nachgibt. Denn Angst und Schrecken zu verbreiten ist ja gerade das Ziel solcher Neonaziparteien, die wollen die Leute einschüchtern und diesen Sieg dürfen wir diesen Leuten nicht überlassen.

Hans-Jörg Rummel Pfarrer der St. Johannis-Kirchgemeinde

Auch der Landrat des Vogtlandkreises, Vertreter der Landesregierung und der Stadtverwaltung Plauen haben ihre Teilnahme an dem Straßenfest der Diakonie angekündigt. Der Vorstand der Diakonie Auerbach, Sven Delitsch sagte, die rechte Kundgebung sorge für Verunsicherung. "Wir bekommen viele Anrufe, eine Schule hat ihre Mitwirkung abgesagt, aus Sorge, dass aus der Kundgebung mehr wird."

Ministerpräsident Kretschmer kündigt Teilnahme an

Ministerpräsident Kretschmer twitterte am Montag, man lasse sich das nicht bieten. Er rief die Bürger auf, zu dem Integrationsfest auf den Plauener Theaterplatz zu kommen. Ein Regierungssprecher sagte, Kretschmer versuche, am Tag vor der Europa- und Kommunalwahl nach Plauen zu fahren. Der Termin sei ihm ihm ein wichtiges Anliegen, sein Terminkalender sei aber sehr voll.

Landratsamt: Versammlung in "einiger Entfernung"

Der Dritte Weg plant nach Angaben des zuständigen Landratsamtes als Versammlungsbehörde eine Kundgebung im Zuge der Kommunalwahl, aber keinen Marsch. Die Versammlung werde in einiger Entfernung vom Integrationsfest stattfinden, sagte ein Sprecher. Nähere Angaben machte die Behörde nicht. Laut Diakonie befinden sich Stände und Bühnen von "Voll normal" an verschiedenen Stellen in der Stadt - mancherorts betrage der Abstand nur 50 Meter.

Am 1. Mai waren Anhänger der rechtsextremen Partei mit einheitlichen T-Shirts, Bengalofackeln, Trommeln und Fahnen durch Plauen gezogen. Die Behörden hatten die Versammlung erlaubt. Das löste bundesweit heftige Kritik aus.

Anmerk. der Redaktion: Es gab nur eine Absage für das Integrationsfest. Dies wurde in Artikel geändert, zunächst war von mehreren Absagen die Rede.

Quelle: MDR/cb/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.05.2019 | 06:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

AKTUELLES AUS SACHSEN

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31 Kommentare

23.05.2019 06:56 Wo geht es hin? 31

Wenn ich solche Sätze lese: "Es ist eine Schande, dass sich behinderte Menschen von einer Partei, die der Vernichtung kranker Menschen durchaus wohlwollend gegenübersteht, verdrängen lassen sollen.", dann wird klar, WER hier wirklich Angst und Hass schürt. Selbst Kretschmer hat gesagt, dass man überhaupt noch nicht wisse, was denn WIRKLICH passieren werde. Und das so ein Satz trotz Hinweis auf die Kommentarrichtlinien weiter hier stehen darf, sagt viel über die "Neutralität" der MDR - Redaktion aus. Ich denke, dass gar nichts gegen die Behinderten Menschen passiert - dieser Zusammenhang wird nur konstruiert, um Kretschmer wieder mal als Heilsbringer dastehen zu lassen. Für mich ein billiger und plumper Versuch, Stimmung zu schüren.

22.05.2019 15:28 Wachtmeister Dimpfelmoser 30

@ 18:08 | Micha: Anstelle Ihrer infantilen Semantik zum Pharisäertum hätten mich viel mehr einmal ein paar objektive Gegenargumente zu meinem Punkt 2. unter 19. interessiert. Schaffen Sie aber nicht.

22.05.2019 14:01 Kirchenmitglied 29

@M.K. (27), ich glaube nicht, dass es Angst ist, sondern eher Habgier und Prunksucht. Schlüpft man in das Denken und Fühlen der Materialisten hinein, so lässt sich das wie folgt erklären: Behinderte, vor allem die mit angeborenen Schädigungen, können nur eingeschränkt oder oftmals gar nicht arbeiten. Sie spielen damit in der Wertschöpfung ungewollt nur eine kleine Rolle. Daraus folgt die Notwendigkeit, diese Menschen mit Steuergeldern, zumeist in Form von Sozialhilfe, kräftig zu unterstützen, um ihr Leben zu sichern. Und da gibt es leider immer wieder merkwürdige Zeitgenossen, die das absolut nicht einsehen. Die wollen dieses Geld lieber für sich und ihresgleichen verprassen. So schlimm wie das klingt, so einfach ist es auch zu erklären.

22.05.2019 13:44 winfried zu (27)M.K. 28

>>Unsere Erde ist groß genug für uns Alle<<
Deshalb hin in Gegenden mit geringerer Bevölkerungsdichte als in DE.
>>vor was habt ihr Angst, was wird euch denn weggenommen???<<
Siehe dazu MDR-Parallelartikel "Streit um Finanzierung der Unikliniken in Halle und Magdeburg"

22.05.2019 13:18 M.K. 27

Schön damit Plauen zeigen will, wie bunt es ist!!!
Zeigt es den Hohlköpfen vom Dritten Weg!!!
Wenn ich meine UrOma von früher reden hörte und ihr von dieser grausamen Zeit die Tränen übers Gesicht kullerten, dachte ich oft, sowas wie damals darf nie wieder passieren!!! Was geht nur in deren Köpfen vor??? Kein Mensch ist ILLEGAL, KEINER!!!! Unsere Erde ist groß genug für uns Alle, vor was habt ihr Angst, was wird euch denn weggenommen???

22.05.2019 08:32 winfried zu (25)Kirchenmitglied 26

Danke für Inhalt und Form Ihrer Stellungnahme. Sie wirkt auf mich, frei von fanatischer Ideologie.

21.05.2019 18:48 Kirchenmitglied 25

@Winfried, zur Erläuterung - es findet ein Aktionstag für Behinderte statt, der von Behinderten organisiert und von der Kirche unterstützt wird.
Offensichtlich gibt es hier im Forum Leute (damit meine ich nicht Sie), die der Auffassung sind, Behinderte seien von ihrem ganzen Wesen her unfähig, einen solchen Aktionstag selbst zu organisieren und durchzuführen. Ansonsten kann ich nur wiederholen: Wir werden es am Sonnabend live erleben, wie sich die Anhänger des Dritten Weges gegenüber den Behinderten und gegenüber den Kirchen positionieren, zumindest in ihren Ansprachen.

@Skywalker (2), es wäre schön, wenn Sie einmal öffentlich darlegen würden, was Ihnen persönlich die Behinderten Böses angetan haben?

21.05.2019 18:15 Peter W. 24

In Plauen haben es die Neonazis mit ihrer Einschüchterung ja schon ganz schön weit gebracht.1933 lässt grüßen. Einige Kommentatoren hier scheinen es nicht erwarten zu können, dass sich der hässlichste Teil der deutschen Geschichte wiederholt.

21.05.2019 18:08 Micha 23

@19: Ich zitiere mal ein paar Sätze zu den Pharisäern aus Wikipedia: "Laut Neuem Testament überbetonte die Pharisäerschaft die Einhaltung von Reinheitsgeboten, während Jesus der Gottes- und Nächstenliebe den Vorrang gab. Er übte zum Teil harte Kritik daran, dass sich die Pharisäer, die sich auch als eine gesellschaftlich-religiöse Elite verstanden, zwar den genauen Wortlaut des Gesetzes erfüllten und auf dessen strenge Einhaltung sahen, aber den Sinn hinter den Gesetzen nicht beachteten."
So, und nun überlegen Sie mal, wer hier der Pharisäer ist. Kleiner Tipp von mir: Schauen Sie mal in den Spiegel!
Die neurechten Kräfte (nicht nur in unserem Land), und dazu zähle ich in Deutschland neben den rechtsextremen Parteien wie NPD oder Dritter Weg auch Teile der AfD, sind eine wesentlich größere Gefahr für unsere Freiheit und Demokratie, als irgendwelche (religiösen) Terroristen, weil sie schleichend die Demokratie aushöhlen.

21.05.2019 18:06 winfried zu (19) und MDR-Anmerkung ebendort 22

zu 1. bei (19)Wachtmeister Dimpfelmoser
Sie haben, ebenso wie ich, den tieferen Sinn des Artikels nicht verstanden, fragen deshalb
und bekommen dazu eine NICHTS erklärende MDR-Anmerkung.

zu MDR-Anmerkung
(19) hat bei 2. seine Sicht der kirchlichen Schwerpunktsetzung im Zusammenhang mit dem Plauener-Event beschrieben.
Die MDR-Anmerkung dazu empfinde als in Gänze "nicht zum Thema" gehörig.

P.S.: Ich habe mich bemüht diese Stellungnahme Thema-konform zu formulieren, nicht dass sie verlorengeht im Netz.

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