17.07.2020 | 10:51 Uhr Eventueller Bombenfund in Plauen - Experten untersuchen das Gelände

Blick auf die Innenstadt mit der Baustelle und dem vermuteten Fundort eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg unterhalb des Schlossberges.
Blick auf die Innenstadt mit der Baustelle und dem vermuteten Fundort eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg unterhalb des Schlossberges. Bildrechte: dpa

Nach dem möglichen Fund von Weltkriegsbomben in Plauen haben am Freitag die Spezialuntersuchungen in dem betroffenen Stadtgebiet begonnen. Experten legen den Boden auf den zentrumsnahen Baustellen bis zu einen halben Meter an mehrere verdächtige Metallgegenstände heran frei, sagte die Stadtsprecherin Silvia Weck der Deutschen Presse-Agentur. Einsatzleiterin Anja Ullmann erklärte: "Es handelt sich dieses Mal um mehrere verdächtige Gegenstände und bei der Syrastraße sogar um eine größere Fläche, die voruntersucht werden müssen. Und das muss vorsichtig und Stück für Stück im Beisein des Kampfmittelbeseitigungsdienstes geschehen. Das dauert. Daher werden diese verdächtigen Elemente am Freitag nur 'angegraben'".

Am Freitag wird vorbereitet, es wird soweit gegraben, dass die Verdachtsgegenstände noch nicht komplett freigelegt sind. Erst am Samstag werden sie dann komplett freigelegt und es entscheidet sich, ob eine Evakuierung notwendig wird.

Stadt Plauen

Sollte die vollständige Ausgrabung am Sonnabendmorgen tatsächlich eine oder mehrere Bomben bestätigen, würden Evakuierungen anlaufen. Dann müssten bis zu 17.000 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Erst danach könne der Kampfmittelbeseitigungsdienst die Blindgänger entschärfen.

Fast ein Drittel der Einwohner wäre betroffen

Bei einer 250-Kilogramm-Bombe gilt in Sachsen ein Evakuierungsradius von einem Kilometer rund um die Fundstelle. Damit stünde Plauen laut der Stadtsprecherin die größte bisherige Evakuierungsaktion bevor. Betroffen wären neben Wohnungen, Geschäften, Gaststätten und Tagespflegeeinrichtungen, auch eine Seniorenresidenz mit 41 und ein Altenpflegeheim mit 73 Bewohnern. Außerdem müssten 135 Menschen aus sechs betreuten Wohngruppen ihre Häuser verlassen. "Wir appellieren an alle Anwohner, bei einer möglichen Evakuierung bei Verwandten oder Freunden unterzukommen", so Weck. Zwei Hallen stehen als Notunterkünfte bereit. "Wir haben durch das Coronavirus erschwerte Bedingungen, da fast ein Drittel der Plauener Bevölkerung betroffen sein könnte."

Bombenfund Plauen
Die Vorbereitungen in Plauen laufen. Bildrechte: Sebastian Höfer

Bürgerhotline Für Fragen der Einwohner zum Bombenfund hat die Stadt Plauen eine Telefonnummer eingerichtet: 03741/291 - 22 22 (nicht am Sonnabend). Ab 18. Juli gilt folgende Nummer: 03741/291 - 2345.

Zugverkehr wird eingestellt

Es wäre die 54. Evakuierung seit 1990 wegen einer Weltkriegsbombe in der Stadt. Außer den Einsatzkräften der Polizei sind den Angaben zufolge 300 Helfer von Rettungsdiensten, Feuerwehr und Mitarbeiter der Stadt im Einsatz. Die Deutsche Bahn wird am Sonnabend den Zugverkehr rund um den Bahnhof Mitte in Plauen einstellen. Laut Patrick Franke, Sprecher der Polizeidirektion Zwickau, ist der Flug eines Polizeihubschraubers geplant. Dieser würde die Evakuierungsmaßnahmen aus der Luft überwachen. "Je schneller die Menschen ihre Wohnungen verlassen, desto zügiger könnten die Bomben entschärft werden", so Franke.

In den vergangenen Wochen hatten sich auch schon Leipzig und Chemnitz wegen vermeintlicher Bombenfunde auf die größten Evakuierungen in ihrer Geschichte vorbereitet. In beiden Fällen gab es jeweils Entwarnung.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.07.2020 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

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