zwei Frauen vor einer Sammlung von Steckbriefen
Bildrechte: Harry Härtel

Angeblich 1.500 Demonstranten identifiziert Aktivisten schalten "Online-Pranger" gegen Rechtsextreme ab

Die Künstlergruppe "Zentrum für politische Schönheit" hat die Fahndungsaufrufe von ihrer Webseite gelöscht. Die Aktion sei ein Erfolg. Fazit: Zu den vorher 1.500 identifizierten Demonstranten seien viele hinzugekommen.

zwei Frauen vor einer Sammlung von Steckbriefen
Bildrechte: Harry Härtel

Die Gruppe "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) hat ihre umstrittene Online-Aktion gegen mutmaßliche Rechtsextreme in Chemnitz beendet. Sämtliche Fotos von vermeintlichen Teilnehmern an Demonstrationen und Krawallen in der Stadt wurden von der Internetseite "www.soko-chemnitz.de" heruntergenommen. Das ZPS bedankt sich auf der Seite nun dafür, dass sich mögliche Betroffene durch die Suche ihres Namens selbst entlarvt hätten. Zu den rund 1.500 Personen, die  von den Aktivisten bereits vorher identifiziert worden waren, seien eine Vielzahl weitere hinzugekommen, die ihre Daten freiwillig zur Verfügung gestellt hätten. Damit sei ein riesiger Datensatz entstanden. Innerhalb von drei Tagen soll die Internetseite dem ZPS zufolge rund 2,5 Millionen Mal besucht worden sein. Mit der heftigen Kritik an dem "Online-Pranger" habe die rasche Abschaltung nichts zu tun, sagte ZPS-Gründer Philipp Ruch.

Seehofer eingeladen

Soko Chemnitz ZPS Abschaltung
Ein Topf Honig, der statt Bienen Neonazis angelockt hat - so werten die Aktivisten ihre Seite. Bildrechte: ZPS/www.soko-chemnitz.de

Über einen Algorithmus könne nun ein breites Netzwerk des Rechtsextremismus in Deutschland abgebildet werden. "Wenn zum Beispiel der Bundesinnenminister mehr wissen will und Lust auf einen Kaffee mit uns hat, dann soll er vorbeikommen", sagte Ruch.

Die Künstler- und Aktivistengruppe hatte am Montag die Seite www.soko-chemnitz.de freigeschaltet. Sie rief dazu auf, die Beteiligten zu identifizieren und deren Arbeitgeber zu informieren. Die Aktion war auf heftige Kritik gestoßen. Der Deutsche Kulturrat sprach von einer "problematischen Kunstaktion".

Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums betonte am Mittwoch, das Monopol zur Strafverfolgung liege beim Staat und den Polizei- und Justizbehörden - "und da soll es auch bleiben". Für Fahndungsaufrufe würden strenge Regularien gelten. Vor rund einem Jahr hatte das "Zentrum für politische Schönheit" - mit einem Nachbau des Holocaust-Mahnmals in Thüringen bundesweit Schlagzeilen gemacht. Damit sollte gegen eine Rede des thüringischen AfD-Chef Björn Höcke vom Januar 2017 in Dresden protestiert werden. Bei dieser Aktion gab es mehrere Dutzend Strafanzeigen gegen die Künstlergruppe, die bislang alle erfolglos blieben.

AktivistInnen des Zentrums für Politische Schönheit und das von ihnen gebaute Mahnmal.
Philipp Ruch mit einer Aktivistin vor der Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals. Bildrechte: MDR

Quelle: MDR/st/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 05.12.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.12.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 20:23 Uhr

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