06.06.2019 | 16:40 Uhr Band aus dem Erzgebirge klagt gegen Nennung im Verfassungsschutzbericht

Mikrofon und Mischpult
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Die Band "Dr. Ulrich Undeutsch" aus dem Erzgebirge hat am Donnerstag Klage gegen den Sächsischen Verfassungsschutz eingereicht. Konkret geht es um die Nennung des Bandnamens im aktuellen Verfassungsschutzbericht. Das teilte die Punkband aus Grünhainichen mit. Die Musikgruppe will per gerichtlichen Eilrechtsschutz erwirken, dass der Bericht von 2018 in seiner aktuellen Form nicht weiter veröffentlicht werden darf.

Band kritisiert Kriminalisierung

Vorabfassung des Sächsischen Verfassungsschutzbericht 2018
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Die Band wird als Beobachtungsobjekt der "linksextremistischen Musikszene" zugeordnet und fühlt sich davon diskreditiert. Sie könne ihre Nennung nicht nachvollziehen: Es werde "nicht erkennbar, was genau an unserer Musik die Kunstfreiheit überschreiten soll und uns zu Demokratiefeinden machen soll." Stattdessen fühle sich "Dr. Ulrich Undeutsch" durch die Einstufung kriminalisiert.

Die Behörde mache damit Location-Betreiber und Konzertveranstaltern das Leben schwer, erklärte der Bandchef. "Speziell in Sachsen gibt es ein unverhältnismäßig hohes Polizeiaufgebot in Ortschaften, in denen wir spielen und letztlich kommt es auch dazu, dass Veranstaltungen abgesagt werden, weil ein Auftritt von uns bevorsteht." Laut Pressemitteilung spiele die Band "weder einen indizierten Song" noch gebe es ein Bandverbot, "was dieses ominöse Verhalten von Seiten der Behörden rechtfertigen könnte".

Der Verfassungsschutzbericht listet die Band aus dem Erzgebirge vier Mal auf (S. 192/192 und im Glossar). Den Bericht in voller Länge lesen Sie hier.

Der Bericht hatte bereits kurz nach seiner Veröffentlichung bundesweit Entsetzen und Kritik provoziert. Denn die Verfassungsschützer hatten das von 65.000 Menschen besuchte Konzert #wirsindmehr in Chemnitz genutzt, um antifaschistische Mobilisierungsstrategien zu beschreiben. Besucher und Bands des Konzerts gegen Rechtsextremismus fühlten sich davon verunglimpft

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.06.2019 | 18:00 Uhr in den Nachrichten weitere Meldungen zur Kritik am sächsischen Verfassungsschutz

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6 Kommentare

07.06.2019 10:58 Irmela Mensah-Schramm 6

Ein Verfassungsschutz-Chef, der selbst im Visier der Justiz ist, meint nun auch noch linke Musikbands im Verfassungsschutzbericht erwähnen zu müssen.
Dabei müsste er selbst darin auftauchen..........
Ich bin ja nun sehr gespannt, wann ich mit meinem Namen dort "gewürdigt" werde, denn auch in Sachsen gibt es von meinen Anti-Nazi-Aktivitäten Spuren!
Aber da hat der Verfassungsschutz gepennt.

07.06.2019 10:55 MuellerF 5

Sehr "lustig" ist auch die Erwähnung von K.I.Z. im oben verlinkten VS-Bericht auf Seite 191: „Ich ramm die Messerklinge in die Journalisten-Fresse“. Angeblich gewaltverherrlichend soll das sein. Dass das Lied aber eigentlich Macker-Prolls, die sich für die Größten halten, satirisch kritisiert, hat man wohl "übersehen".
Dafür werden Textzeilen aus dem Kontext gerissen, um "Beweise" für angebliche Gewaltverherrlichung zu konstruieren. Das ist sowohl fachlich erbärmlich als auch politisch gefährlich.

07.06.2019 10:11 MuellerF 4

Der VS bezieht sich in seiner Einschätzung konkret auf die Texte 2er Lieder der Band: "Staatsgewalt" & "Aufruf". Den Text des letzteren konnte ich nirgends finden, den von "Staatsgewalt" kann man auf der "bandcamp"- Seite der Gruppe nachlesen. Es geht darin um UNRECHTMÄßIGE Gewalt des Staates- wenn die Kritik daran "linksextrem" sein soll, wünsche ich mir mehr davon! Die Vorwürfe sind offenbar absolut substanzlos & ein Armutszeugnis für das Rechtsverständnis des VS!

07.06.2019 08:38 Mediator 3

Was man vom sächsischen Verfassungsschutz und ähnlichen Landesbehörden zu halten hat ist ja spätestens seit dem "Hutbürger-Skandal" klar.

Seltsam, dass gerade in diesem Land Rechtsextremisten aller Schattierungen anzutreffen und inzwischen von der Bevölkerung akzeptiert werden. Im angeblich gegen Rechtsextremismus so immunen Sachsenfinden sich ausgerechnet die meisten Rechtsterroristen in unserem Land.

Man sollte erwarten können, das der Verfassungsschutz konkretisieren kann, was an den Texten oder der Haltung einer Band Anlass zur Sorge gibt. Ohne solch eine konkretisierung könnte sogar Helene Fischer Probleme kriegen.

06.06.2019 21:53 Herbert aus A. 2

Wer sich mit Hunden ins Bett legt, wacht mit Flöhen auf.
Der VS beobachtet Extremisten aller Seiten und das ist auch gut so.
Sollen sie sich doch von der linksextremistischen Antifa, von Lenin, Stalin, Mao, RAF, Che usw. distanzieren und alles ist gut.
Andernfalls können sie sich nur bedanken für diese tolle PR.

06.06.2019 19:59 Ralf Richter 1

Richtig, liebe Kunstschaffende der m/l-tümlichen Musik, laßt euch das nicht gefallen. Linksextreme sind doch schließlich die Guten, da kann doch auch die Musik nicht böse sein und dann noch dieser nette Name des verdienten Volkskunstemsembles... nein, wie kann man es nur wagen...der BP (Fan von "FeineSahneFischfilet) verleiht euch sich auch noch das Bundesverdienstkreuz.

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