06.03.2020 | 15:43 Uhr Digitale Engel machen Station in Zschopau

Digitalisierung leicht gemacht und verständlich erklärt, auch für Senioren. Das verspricht das Projekt "Digitale Engel" des Vereins Deutschland sicher im Netz e.V., welches am Freitag auch in Zschopau Halt machte.

6 Personen schauen auf einen Laptop
Monika Schirmeier (2. von rechts) will als "Digitaler Engel" bei den Senioren die Lust am Internet wecken. Bildrechte: MDR/Anett Linke

"Es sind immer zwei Seiten einer Münze", erklärt Monika Schirmeier am Freitagmorgen den Senioren im Mehrgenerationenhaus Zschopau. "Wenn sie die Vorteile von sozialen Netzwerken nutzen wollen, müssen sie im Gegenzug auch einige Daten von sich preisgeben." Schirmeier ist als "digitaler Engel" deutschlandweit unterwegs, um Senioren das Internet näher zu bringen. Die Besucher in Zschopau haben schon einige Erfahrungen gemacht.

Lust auf Internet wecken

Die meisten nutzen ein Smartphone mit WhatsApp, um mit der Familie in Kontakt zu bleiben. Auch Videotelefonie haben einige ausprobiert. Nur eine der Teilnehmerinnen hat einen Facebook-Account. Schirmeier sieht ihre Aufgabe darin, die Lust auf das Internet und seine Möglichkeiten bei den Senioren zu wecken. Gleichzeitig gibt sie Hinweise zum Schutz im Netz.

"Ich bin da immer sehr vorsichtig mit meinen Daten", sagt eine der Teilnehmerinnen. Die nächste fragt nach der Sicherheit von öffentlichen W-Lan-Zugängen. Kommunikation darüber sei völlig in Ordnung, so Schirmeier. Nur sensible Daten, wie Adressen oder Bankdaten, sollten darüber nicht verschickt werden.

Hinweise zu verdächtigen E-Mails

In ihrem Vortrag in Zschopau gibt sie auch Tipps, welche E-Mail-Anbieter laut Stiftung Warentest besonders sicher sind und zeigt, wie sich jeder eine eigene Adresse einrichten kann. Zusätzlich gibt es Hinweise, wie man mit verdächtigen E-Mails verfahren sollte. "Diese Mails sollten gelöscht und auch beim Anbieter gemeldet werden", sagt Schirmeier. "Und bitte öffnen Sie die Mail nicht. Schon damit kann ein Virusprogramm auf Ihren Computer geladen werden."

Frau neben Transportr der Digitalen Engel Zschopau
Mit ihrem Bus steuern die "Digitalen Engel" zwischen 2019 und 2022 über 400 Stationen in ganz Deutschland an. Bildrechte: MDR/Anett Linke

Auch für Passwörter gibt der digitale Engel Tipps. "Man kann sich zum Beispiel einen Satz überlegen und mit Buchstaben und Zahlen abkürzen", sagt sie. "Oder man nutzt eine Passwortkarte." Eine Teilnehmerin erzählt, dass sie ihre Passwörter aufschreibt und Zuhause gut weglegt. Schirmeier findet Passwortlisten gut, wenn sie gut weggeschlossen sind oder empfiehlt einen Passwortmanager. "Es geht auch um den digitalen Nachlass", erklärt sie. "Irgendwo sollten die ganzen Anmeldungen und Passwörter gesammelt sein, damit im Fall der Fälle jemand den digitalen Nachlass regeln kann."

Rundnachrichten bei WhatsApp

Beim Thema WhatsApp kennen sich die Senioren recht gut aus. Dass es neben der Erstellung von Gruppenchats aber auch die "Broadcast"-Funktion für Rundnachrichten an mehrere Empfänger gibt, ist allen neu. "Das ist zum Beispiel für Geburtstagseinladungen sehr praktisch", sagt Schirmeier. "Dann bekommt jeder die Nachricht privat und es ist nicht so unübersichtlich wie Gruppenchats."

Digitale Engel Die "Digitalen Engel" sind ein mobiles Ratgeberteam. Es besteht aus mehreren Experten im Bereich der Digitalisierung und Internetsicherheit. In Workshops und Vorträgen oder an Infoständen zeigen die Experten zum Beispiel, wie man online Lebensmittel bestellt, Messengerdienste und Online-Banking-Apps nutzt, sein Zuhause zum Smart-Home umbaut oder sich online einen Termin auf einem Amt vereinbart. Nicht nur wie man sich an einem Computer zurechtfindet ist Teil der Workshops, sondern auch der Umgang mit Tablets und Smartphones wird den Teilnehmern mithilfe von praktischen Beispielen näher gebracht.

Mit ihrem Bus steuern die "Digitalen Engel" zwischen 2019 und 2022 über 400 Stationen in ganz Deutschland an. Gefördert wird das Projekt vom Bundesfamilienministerium.

Beim Thema soziale Netzwerke sind sich die Senioren im Raum unsicher. "Manche glauben dann alles, was da steht", sagt eine. "Da muss man auch sehr vorsichtig sein", eine andere. Neben Facebook, Twitter und Instagram stellt Schirmeier auch Pinterest, Tik Tok und Snapchat vor. Beim Inspirationsnetzwerk Pinterest zeigen sich die Frauen der Runde sehr interessiert. "Das möchte ich lernen", sagt eine.

Sprechstunde zur digitalen Hilfestellung in Zschopau

Birgit Demmler, die Geschäftsführerin des Mehrgenerationenhauses in Zschopau, ist froh über die Resonanz. "Die Zeit war reif für so eine Veranstaltung", sagt sie. "Die Senioren haben immer mehr Fragen zu digitalen Themen." Zukünftig soll es dann einmal im Monat eine Sprechstunde zur digitalen Hilfestellung im Mehrgenerationenhaus geben. Dorthin können sich dann alle mit ihren ganz individuellen Fragen wenden.

Auch nach Ende des Vortrags sitzen die Teilnehmer noch zusammen und tauschen sich mit ihren Handys in der Hand aus. Etwas Neues gelernt haben sie am Freitag alle. "Ich muss mir das überlegen und bestimmte Sachen noch genauer erklären lassen", sagt eine Frau. Ein anderer Teilnehmer sagt, er habe heute vor allem etwas über die Gefahren gelernt. Helga Zöllner ist extra gekommen, um sich einige Funktionen bei WhatsApp erklären zu lassen. Ansonsten gehe sie nicht ins Internet. Sie habe etwas Angst davor. Da ihre Enkel nicht immer Zeit haben, könne sie sich vorstellen, bei Fragen die geplante Sprechstunde im Mehrgenerationenhaus zu nutzen.

Nächste Termine in Sachsen Dienstag, 10. März 2020, 10-12 Uhr Chemnitz, Mehrgenerationenhaus

Mittwoch, 11. März 2020, 10-12 Uhr Zwickau, Seniorenbüro Zwickau Aktiv ab 50 e.V.

Quelle: MDR/al

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