24.05.2020 | 14:58 Uhr Feuerwerk "Erzleuchten" erntet nicht nur Begeisterung

Mit einem Feuerwerk an vier verschiedenen Stellen im Erzgebirge hat ein Pyrotechniker am Sonnabend ein Zeichen in der Corona-Krise setzen wollen. Das "Erzleuchten" wurde genehmigt, lockte zahlreiche Schaulustige an - sorgte jedoch auch für Kritik.

Ein Mann steht im Dunkeln mit Stirnlampe auf einer Anhöhe. In der einen Hand hält er einen aufgeklappten kleinen Koffer, in dem eine Art Schaltpult eingebaut ist. In der anderen Hand stellt er etwas am Schaltpult ein.
Pyrotechniker Stephan Boden zündet das Feuerwerk. Bildrechte: MDR/Harry Härtel

Das Licht hat im Erzgebirge eine ganz besondere Bedeutung. Die Bergmänner sehnten sich nach ihren langen Schichten im Bergwerk nach dem Tageslicht. So wundert es also nicht, dass die Erzgebirger während der häuslichen Isolation in der Coronazeit ihre Schwibbögen wieder rausholten. Dem Ganzen wollte Pyrotechniker Stephan Boden noch die Krone aufsetzen - mit einem gigantischen Feuerwerk.

Vier Anhöhen - ein Spektakel

Von vier Anhöhen in Hormersdorf, Meinersdorf, Eibenberg und Amtsberg wurde am Sonnabend um 22 Uhr gleichzeitig Pyrotechnik gezündet. In der aktuellen Situation würde wegen der coronabedingten Auflagen die Veranstaltungsbranche sehr leiden, sagte Stephan Boden im Vorfeld dem MDR SACHSENSPIEGEL. "Es wurde ja auch schon in vieler anderer Weise ein Zeichen gesetzt, zum Beispiel bei den Schwibbögen, die im Erzgebirge leuchten. Und so haben wir gedacht, vielleicht können wir auch für unsere Branche ein Zeichen setzen, was weithin sichtbar ist."

Kritik im Vorfeld

Von der Idee waren im Vorfeld nicht alle begeistert. So hatte unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) darum gebeten, aus Rücksicht auf die Tiere auf Feuerwerk zu verzichten. Viele Tierarten würden derzeit gerade brüten und Nachwuchs zur Welt bringen. In dieser Zeit sei Ruhe und Distanz zu Nistplätzen besonders wichtig. Ein Feuerwerk könnte die Aufzucht der Tiere massiv stören.

Verkleinertes Feuerwerk als Kompromiss

Auch Landwirte protestierten gegen das geplante "Erzleuchten", starteten sogar eine Petition dagegen. Boden soll auch bedroht worden sein. Der Pyrotechniker verkleinerte mehrmals den geplanten Umfang des Feuerwerks. Das wiederum enttäuschte zahlreiche Schaulustige, die sich auf das Feuerwerk gefreut hatten.

In Kommentaren auf der Facebookseite von Bodens Firma sind die Reaktionen entsprechend gemischt. Stephan Boden erklärte auf Facebook am Sonntagmorgen dazu:

Nach Rücksprache mit den regionalen Landwirten und in Bezug auf deren Bedenken reduzierten wir die Feuerwerke in Hinsicht auf die großen Effekte und verzichteten bei zwei Standorten auf diese auch vollständig. Somit konnte das Erzleuchten durchgeführt werden und den ein oder anderen auch etwas Freude bereiten.

Stephan Boden Pyrotechniker

Letztlich wurde das Feuerwerk von 30 auf fünf Minuten verkürzt. Verkehrschaos gab es auch: Am Eisenweg zwischen Jahnsdorf und Meinersdorf kamen so viele Schaulustige, dass sich der Verkehr staute und die Menschen im Dunkeln über die Felder liefen.

Quelle: MDR/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.05.2020 | 19:00 Uhr

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