10.12.2019 | 12:21 Uhr Made in Kleinhartmannsdorf: Raachermannel naabeln auch aus Teig

Das Plätzchenbacken gehört einfach zur Weihnachtszeit. Es gibt aber Leute, die verwandeln Teig in Gesichter, Arme und Hände für Räuchermännchen. So lebt die alte Tradition der Teigmännelmacher im Erzgebirge weiter.

Eigentlich restauriert der gelernte Tischler Mathias Grünzig aus Kleinhartmannsdorf bei Eppendorf Möbel. Der erste Räuchermännel-Auftrag kam auch von einem Kunden seiner Werkstatt. Er wollte eine Räucherfigur mit Armen aus Teig. So etwas kannte Mathias Grünzig nur vom Hörensagen. "Ich hatte mal davon gehört und wusste auch ungefähr, aus was der Teig besteht. Und dann habe ich so lange experimentiert, bist der Kunde zufrieden war."

Später habe er dann auch eigene Figuren entwickelt. Heute umfasst sein Sortiment, zu dem jährlich eine neue Figur dazukommt, etwa 20 verschiedene Räuchermännchen. Türken mit Turban oder Fez, ein Doktor, Postkutscher oder Gentleman gehören zum Angebot. Jede Figur hat ihr individuelles Erscheinungsbild, da alle Gesichtszüge von Hand neu gefertigt werden.

Einfache Rezeptur mit großer Wirkung

Arbeit an Rohling für ein Teig-Räuchermännchen aus dem Erzgebirge
Fingerspitzengefühl und eine ruhige Hand gehören beim Arbeiten mit dem Teig dazu. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sägemehl, Knochenleim, Schlemmkreide und Roggenmehl - das sind die Zutaten für den Männelteig. Über die genaue Zusammensetzung schweigt sich jeder Teigmännelmacher aus. Sie gilt als Betriebsgeheimnis.

Aus der Teigmasse werden Gesichter, Arme und Beine der Figuren geformt, nur der Oberkörper ist aus gedrechseltem Holz. Der Teig wird nach zwei Tagen Trocknung sogar härter als Holz und lässt sich genauso gut bemalen. Vorher werden die Teigteile mit Knochenleim an den Holzkörper geklebt.

Tischler Günzig erinnert sich. "Der Knochenleim war früher der klassische Tischlerleim, bevor die synthetischen Klebstoffe auf den Markt kamen."

Heimarbeit ganz in Familie

Auch Mathias Günzigs Frau hilft bei der Produktion der individuellen Räuchermännchen. Hauptberuflich arbeitet sie bei einem anderen Männelmacher. Zu Hause kann die gelernte Schneiderin Einfluss auf die Gestaltung der Figuren nehmen und verleiht den Unikaten ihre ganz spezielle Note.

Teig-Räuchermännchen aus dem Erzgebirge
Weihnachten ist nicht mehr weit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwei bis drei Tage dauert die Arbeit an einem Teigmännel "made in Kleinhartmannsdorf". Ein paar räuchernde Gesellen werden also bis zum Fest noch unter den Händen von Mathias Grünzig entstehen. Und dann unter dem Weihnachtsbaum friedlich vor sich hin paffen.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.12.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2019, 12:22 Uhr

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