08.07.2020 | 16:04 Uhr | Update Zugunglück in Tschechien: Unfallursache weiter unklar

Rettungskräfte an einer Unfallstelle mit zwei Zügen
Bildrechte: Bernd März

Nach einem tödlichen Zugunglück im tschechischen Grenzgebiet zu Deutschland beginnt die Suche nach den Ursachen. Zwei Personenzüge waren am Dienstagnachmittag auf einer eingleisigen Strecke im Erzgebirge frontal zusammengestoßen. Wie die Polizei vor Ort bestätigte, gibt es bislang zwei Todesopfer. Eine Person sei tschechischer Nationalität. Bei der zweiten Person handele sich um einen 49 Jahre alten Mann aus dem Erzgebirge, teilte das sächsische Innenministerium am Mittwoch auf Anfrage mit. Nach Angaben des Rettungsdienstes wurden mindestens 24 Menschen verletzt, neun von ihnen schwer. Unter den Verletzten befinden sich auch Zuginsassen aus Deutschland.

Warum die Züge zusammenstießen, ist Gegenstand der aktuellen Ermittlungen. Sie sollten sich eigentlich erst planmäßig zwischen 15:05 Uhr und 15:08 Uhr im nächsten Bahnhof kreuzen. Insgesamt befanden sich 33 Personen in den beiden Zügen. Der Sachschaden an den Fahrzeugen wurde auf mindestens 20 Millionen Kronen, umgerechnet knapp 750.000 Euro geschätzt. Nach den nächtlichen Bergungsarbeiten war die Zugstrecke am Mittwochmorgen wieder freigegeben worden.

Nach Angaben des ARD-Korrespondenten in Tschechien, Danko Handrick, hat die Polizei einen der Lokführer verhaftet. "Es scheint alles danach auszusehen, so zumindest die ersten Erkenntnisse der tschechischen Behörden, dass es sich um menschliches Versagen handelt", sagt Handrick. "Dass der Lokführer eines der Haltesignale übersehen hat und es deswegen zu diesem schweren Unglück kam." Der Lokführer soll verhört werden, sei aber noch nicht vernehmungsfähig.

Auf der Strecke gibt es nach Reporterinformationen keine automatisierte Streckenführung. Die tschechische Bahn hat laut Handrick angekündigt, dass die Opfer des Zugunglückes entschädigt werden sollen, auch die Deutschen Opfer.

Züge auf Strecke zwischen Karlsbad und Johanngeorgenstadt unterwegs

Die Unglücksstelle liegt in einem Waldstück zwischen den Gemeinden Pernink und Nove Hamry. Für die Rettungskräfte war die Unglücksstelle nur schwer zugänglich. Einer der Züge war auf der eingleisigen Strecke unterwegs vom westböhmischen Bäderort Karlsbad ins sächsische Johanngeorgenstadt, der andere in umgekehrter Richtung. Vier Rettungshubschrauber waren laut der Rettungskräfte im Einsatz, darunter einer aus Chemnitz.

Insgesamt sei ein Großaufgebot an Einsatzkräften vor Ort gewesen, darunter sieben Besatzungen aus der Region Karlsbad, drei aus Ústí nad Labem und Retter aus Deutschland. "Was ich gesehen habe, war auf den ersten Blick ziemliches Chaos", erzählt Ondrej Moravec, Arzt am Klinikum Erlabrunn, der zum Notfalleinsatz vor Ort war. "Aber es wurde gut organisiert durch die tschechische Rettung." Nach einer Stunde seien alle Passagiere in Sicherheit gebracht worden.

Ondrej Moravec, Arzt am Klinikum Erlabrunn
Ondrej Moravec, Arzt am Klinikum Erlabrunn, war beim Rettungseinsatz nach dem Zugunglück dabei. Bildrechte: MDR/Manja Kraus

Die Feuerwehr habe die Verletzten wegen des unzugänglichen Geländes über die Gleise zu Fuß rund 400 Meter in den nächsten Bahnhof tragen müssen. Moravec versorgte dort nach eigenen Angaben zwei deutsche Schwerverletzte. Ein Mann sei mit dem Hubschrauber nach Zwickau geflogen, den anderen habe er mit dem Rettungswagen ins Klinikum nach Erlabrunn gebracht.

Der Tweet übersetzt: Zwei Personenzüge stehen auf der Eisenbahnlinie Pernink - Nejdek. Leider gab es tödliche Verletzungen und es gibt mehrere Verletzte. Zusammen mit anderen IRS-Einheiten helfen wir am Ort eines Zugunfalls. #policiekvk

Deutscher und Tscheche sterben bei Zugunglück

Zwei Züge stehen nach einer Kollision ineinander verkeilt auf einem Gleis.
Beim Zusammenstoß zweier Personenzüge im tschechischen Erzgebirge sind am Dienstagnachmittag zwei Menschen ums Leben gekommen. Bildrechte: dpa
Zwei Züge stehen nach einer Kollision ineinander verkeilt auf einem Gleis.
Beim Zusammenstoß zweier Personenzüge im tschechischen Erzgebirge sind am Dienstagnachmittag zwei Menschen ums Leben gekommen. Bildrechte: dpa
Rettungskräfte an einer Unfallstelle mit zwei Zügen
Nach Angaben des Rettungsdienstes wurden zudem neun Menschen schwer und 15 leicht verletzt. Unter ihnen sind Deutsche und Tschechen. Bildrechte: Bernd März
Rettungskräfte stehen am Bahnhof Pernink
Ein Großaufgebot an Einsatzkräften war vor Ort, darunter auch Retter aus Deutschland. Bildrechte: dpa
Rettungskräfte versorgen Verletzte.
Die Feuerwehr musste die Verletzten wegen des unzugänglichen Geländes über die Gleise zu Fuß in den nächsten Bahnhof tragen. Bildrechte: Staatliche Eisenbahnverwaltung Tschechiens (SŽDC)/dpa
Rettungskräfte mit Hubschrauber und Einsatzwagen auf einer Wiese.
Insgesamt vier Rettungshubschrauber waren im Einsatz, um die Verletzten in die umliegenden Krankenhäuser zu bringen. Bildrechte: Bernd März
Absperrband über Bahnstrecke.
Die Bahnstrecke blieb wegen der Bergungsarbeiten lange gesperrt. Bildrechte: Daniel Unger
Trümmer in einem Zugabteil
Warum die Züge zusammenstießen, ist Gegenstand der aktuellen Ermittlungen. Sie sollten sich eigentlich erst planmäßig zwischen 15:05 Uhr und 15:08 Uhr im nächsten Bahnhof kreuzen. Bildrechte: Daniel Unger
zerstörte Lok
Insgesamt befanden sich 33 Personen in den beiden Zügen. Der Sachschaden an den Fahrzeugen wurde auf mindestens 20 Millionen Kronen, umgerechnet knapp 750.000 Euro geschätzt Bildrechte: Daniel Unger
Zertrörter Zugwagen
Nach den nächtlichen Bergungsarbeiten war die Zugstrecke am Mittwochmorgen wieder freigegeben worden. Bildrechte: Daniel Unger
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Quelle: MDR/kh/sw/al/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.07.2020 | ab 18:00 Uhr in den Nachrichten

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