Zwei Mitarbeiter bedienen Textilmaschinen in der Firma Spandau Velours Lichtenstein.
Die Lichtensteiner Firma Spandauer Velours GmbH wurde als hervorragender Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet. Bildrechte: MDR/Roland Kühnke

Ausbildungsmarkt Sachsens Betriebe auf Lehrlingssuche

Die Zeiten, in denen alle Frisörin oder Kfz-Schlosser werden wollten, sind vorbei. Jetzt suchen Betriebe verzweifelt Lehrlinge. Um die anzulocken, sind neue Ideen gefragt. Eine Firma aus Lichtenstein macht es vor.

Zwei Mitarbeiter bedienen Textilmaschinen in der Firma Spandau Velours Lichtenstein.
Die Lichtensteiner Firma Spandauer Velours GmbH wurde als hervorragender Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet. Bildrechte: MDR/Roland Kühnke

Der Ausbildungsmarkt in Sachsen ist seit Jahren in Bewegung. Und das hat Auswirkungen auf die Betriebe: Konnten sie sich früher in speziellen Berufszweigen wie im Kfz-Gewerbe oder Friseurhandwerk vor Bewerbern kaum retten, ist die Situation heute umgekehrt. Die Betriebe sind auf der Suche nach Lehrlingen. Das hat auch zu einem Umdenken geführt, wie Andreas Fleischer von der Zwickauer Agentur für Arbeit MDR SACHSEN erklärt: "Die Betriebe geben sich deutlich mehr Mühe, sind konzessionsbereiter. Sie schauen sich über die Zeugnisse hinaus die Jugendlichen an. Es werden Schnuppertage organisiert."

Im Ausbildungsjahr 2017/2018 wurden im Agenturbezirk Zwickau 1.829 Ausbildungsstellen gemeldet. Das sind 166 mehr als im Vorjahr. Davon waren bis zum 30. September 128 Stellen noch unbesetzt, 36 mehr als 2016/2017. Besonders für Ausbildungsberufe wie Zerspanungsmechaniker oder Kaufmann für Speditions- oder Logistikdienstleistungen gibt es kaum Bewerber.

Individuelle Betreuung und gutes Betriebsklima

Azubi schneidet Haare
Selbst das Friseurhandwerk klagt über fehlenden Nachwuchs. Bildrechte: IMAGO

Bei der Lichtensteiner Firma Spandauer Velours hat man die Zeichen der Zeit erkannt. In dem Betrieb werden technische Textilien vor allem für Farbwalzen, Reinigungsgeräte und -anlagen oder die Innenausstattung von Fahrzeugen entwickelt und hergestellt. Gerade erst ist das Unternehmen von der Industrie- und Handelskammer als hervorragender Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet worden. Und das hat Gründe, denn das Unternehmen geht neue Wege. "Das Erfolgsrezept ist wirklich die individuelle Betreuung der Leute, sowohl der Auszubildenden als auch der Arbeitnehmer. Wir geben uns viel Mühe, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, und versuchen, ein gutes Betriebsklima zu schaffen", sagt Personalchefin Yvonne Böhm MDR SACHSEN.

Prämien für gute Leistungen

In Lichtenstein ist die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren so um 30 Prozent gestiegen. Unter den 115 Mitarbeitern sind neun Lehrlinge. Die werden speziell gefördert und unterstützt. "Die Auszubildenden müssen nach Plauen in die Berufsschule. Dort gibt es ein Lehrhotel oder eine Pension, die Kosten übernehmen wir neben der Ausbildungsvergütung", erklärt Böhm. Außerdem bietet der Betrieb spezielle Anreize. Für gute Leistungen in der Berufsschule bekommen die Lehrlinge eine kleine Prämie. Außerdem kommen die jungen Leute in den Genuss des Jobtickets, denn oftmals sind Berufsschule und Arbeitsstelle weit voneinander entfernt. Gelingt nach der Ausbildung die Übernahme in den Betrieb, profitieren so beide Seiten.

Quelle: MDR/mwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 30.10.2018 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2018, 20:18 Uhr

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3 Kommentare

31.10.2018 13:40 Maria A. 3

Man muss schon sehr leidenschaftlich für seinen Beruf brennen, wenn man sich für die Friseurlehre mit dem Ausblick auf eine spätere Entlohnung unter 10,00 Euro die Stunde entscheidet. Ich vermute, schon das Lehrlingsgeld fällt bedeutend karger aus, als bei anderen Ausbildungen. Hinsichtlich Bäcker und Fleischer befürchte ich Ähnliches - zu geringe Anreize, da in gewissen Branchen für heutige Zeiten einfach nicht angemessen bezahlt wird.

31.10.2018 11:11 part 2

Viele Auszubildente haben es heute ungleich schwerer als früher, die Berufschulen befinden sich oftmals in Ballungszentren, in denen kaum Unterkünfte zu bekommen sind, die Vergütungen bewegen sich auf Sozialhilfe- Niveau und die Azubis werden nur zu oft als billige Arbeitskräfte mißbraucht. Nebenher gibt es Ausbildungsberufe, die früher durch Anlernkräfte erledigt wurden. Wer möchte da schon gern seine Zukunft verplanen? Auch die Übernahmemöglichkeiten später in das Unternehmen werden stets auf den Prüfstand gestellt. Zentrale Ausbildungszentren such man dagegen heute oftmals vergeblich. Nach der Ausbildung reicht dann die Vergütung oftmals nicht zum Leben oder um sich einen eigenen Hausstand zu gründen, besonders im Osten.

30.10.2018 21:08 Wer braucht schon Soziologen und Politologen? 1

Ist das nun eine gute oder
eine schlechte Meldung?

Solange Betriebe Nachwuchs suchen, dürfte es ihnen gut gehen.

Und das ist doch auch mal eine Botschaft!

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