04.05.2020 | 12:30 Uhr Alltagsheld beim Rettungsdienst Glauchau: "Die Menschen sind freundlicher"

Notfallsanitäter müssen während der Corona-Krise immer damit rechnen, mit Infizierten in Kontakt zu kommen. Der 47 Jahre alte Mario Ahland arbeitet seit 20 Jahren beim DRK-Rettungsdienst in Glauchau. Er hat mit MDR SACHSEN über seine Arbeit und die steigende Wertschätzung gesprochen. Aber auch die fehlende Rechtssicherheit treibt ihn um.

Rettungssanitäter Mario Ahland vom DRK-Rettungsdienst in Glauchau steht vor einem Rettungswagen. 1 min
Bildrechte: MDR/Martin Hoferick

Wie sieht Ihre Arbeit während der Corona-Krise aus?

Mein Tag in der Rettungswache Glauchau vom Deutschen Roten Kreuz beginnt um 6 Uhr am Morgen. Ich übernehme einen Rettungswagen, überprüfe erst einmal alle Geräte und ob alle Medikamente dabei sind. Dann beginnt der Dienst – und was da passiert, das kann jeden Tag anders sein.

Welche Unterschiede gibt es zur Zeit vor der Pandemie?

Bei jedem Einsatz könnte es passieren, dass ich mit einem Corona-Patienten Kontakt habe. Man weiß es nie im vornherein, wird mit jedem Einsatz ins kalte Wasser geworfen. 

Was ist derzeit die größte Herausforderung in Ihrem Beruf?

Wir werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Wenn es um systemrelevanten Berufe wie Pflegekräfte, Ärzte oder Krankenhauspersonal geht, werden wir selten genannt. Das ärgert mich.

99,9 Prozent aller Einsätze können wir meistern, ganz klar. Aber auch in der Corona-Zeit müssen wir leider sehr wirtschaftlich denken, müssen uns überlegen, ob wir jetzt einen Komplettanzug anziehen – und danach einen neuen besorgen müssen.

Unabhängig von den Herausforderungen durch Corona gibt es weitere Missstände in unserem Beruf: Uns fehlt Rechtssicherheit, der Bundesrat wollte ein neues Notfallsanitätergesetz schaffen. Da muss eine zügige Lösung gefunden werden, damit wir in unserem Arbeitsalltag nicht immer im Grauzonenbereich handeln müssen. Ich muss genau wissen, was darf ich und was nicht.

Gibt es auch Lichtblicke?

Meine Erfahrung ist, dass die Wertschätzung unserer Arbeit in der Corona-Zeit besser geworden ist. Die Menschen begegnen uns freundlicher. Meine Befürchtung ist, dass das wieder abflachen wird, wenn die Corona-Krise überstanden ist. Oftmals verhalten sich die Menschen uns gegenüber respektlos. Manche meiner Kollegen sind auch schon körperlich angegriffen worden.

Was hat sich privat wegen der Corona-Pandemie verändert?

Ich vermisse, mit meiner Familie in den Urlaub fahren zu können, sei es an die Ostsee oder woanders hin. Wir sind schon ziemlich eingeschränkt. Ich habe persönlich das Glück, dass ich mich mit meiner Familie in einen kleinen Garten an unserem Haus zurückziehen kann. Aber die Einschränkungen an allen Orten, z.B. das Tragen von Masken, war schon gewöhnungsbedürftig, hat aber doch schnell funktioniert.

Worauf freuen Sie sich derzeit am meisten?

Ich hoffe, mit meiner Familie in den geplanten Urlaub nach Italien fahren zu können – das ist die größte Vorfreude im Moment.

Quelle: MDR/mh/mar

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