24.03.2020 | 18:42 Uhr | Update Coronavirus-Hotspot Bernsdorf - "Nicht mehr zum Quatschen treffen"

Zwei Tote an einem Tag haben den Landkreis Zwickau als Coronavirus-Hotspot in den Fokus gerückt. Die Zahl der Infizierten ist in der Gemeinde Bernsdorf besonders hoch. Dennoch sind vorerst keine verschärften Maßnahmen vorgesehen.

Das Ortseingangsschild von Bernsdorf
Bildrechte: dpa

Am Tag nach den ersten beiden Toten im Landkreis Zwickau ist die Zahl der Coronavirus-Infektionen dort weiter angewachsen. Am Dienstag waren beim Landratsamt 184 Fälle und damit zwölf mehr als am Vortag erfasst. Im Moment seien die Zahlen einigermaßen stabil, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes.

Weiterer Todesfall im Landkreis Zwickau bestätigt

Am Montag waren die ersten beiden Toten im Landkreis Zwickau durch die Atemwegserkrankung Covid-19 gemeldet worden. Dabei handelte es sich um einen 87 Jahre alten Mann aus Bernsdorf und um eine 84-Jährige aus dem Landkreis. Beide waren den Angaben zufolge schwer vorerkrankt gewesen. Am Dienstagabend bestätigte das Gesundheitsministerium in Dresden einen weiteren Todesfall aus dem Landkreis Zwickau. Zu Alter, Geschlecht und Herkunft konnte ein Sprecher keine Angaben machen.

Damit sind bislang sechs Menschen im Freistaat an einer Infektion mit dem Virus Sars-CoV-2 gestorben. Der erste Tote im Zuge der Coronavirus-Pandemie in Sachsen war am vergangenen Freitag ein älterer und vorerkrankter Patient im Landkreis Bautzen. Erst am Dienstagmittag hatte Gesundheitsministerin Petra Köpping zwei Todesfälle durch Covid-19 in Dresden bekannt gegeben.

Bernsdorf im Landkreis Zwickau ist nun im Blickpunkt der Behörden. Von den rund 2.350 Einwohnern waren am Dienstag wie schon am Montag 34 Personen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert - das waren genauso viele wie am Montag im gesamten Landkreis Mittelsachsen. "Den Hotspot haben wir schon länger als eine Woche", sagte Landratsamtssprecherin Ilona Schilk.

Dennoch sind vorerst keine weiter verschärften Maßnahmen wie Ausgangssperren oder eine Quarantäne wie in der Gemeinde Neustadt am Rennsteig (Thüringen) geplant. Man beobachte die Entwicklung und wolle sehen, ob die bisherige Allgemeinverfügung Wirkung zeige. Die Leute müssten alle verstanden haben, wie gefährlich das ist.

Wer in Bernsdorf wohnt, sollte sich nicht mehr zum Quatschen treffen.

Ilona Schilk Landratsamtssprecherin

Zwei Hauptquellen der Infektionen in Bernsdorf

Nach Erkenntnissen der Behörde wurde das Coronavirus in der Gemeinde über Gesundheits- und Gastronomie-Einrichtungen "mit sehr hohem Kundenkontakt" rasant verbreitet. Laut Gesundheitsministerium wurden zwei Hauptquellen für die Vielzahl der Infektionen im Raum Bernsdorf ermittelt. Laut Ministerin Petra Köpping hat sich eine Physiotherapeutin im Urlaub angesteckt und zunächst keine Symptome gezeigt. Sie habe 40 Patienten behandelt und dabei auch mehrere angesteckt, die nun in Quarantäne seien. Als zweite Infektionsquelle gilt eine Familienfeier mit mehr als 40 Leuten. "Dort hat eine erhebliche Ansteckung stattgefunden", so Köpping.

"Bedenken hat man schon, aber man versucht so gut wie möglich den Alltag weiterzuführen", sagt ein Bernsdorfer über die Situation. Eine junge Mutter hofft, dass ihre Familie verschont bleibt. "Es macht einem Angst", sagt sie. Die ehrenamtliche Bürgemeisterin Roswitha Müller ruft die Bernsdorfer dazu auf, sich an die Ausgangsbeschränkungen zu halten. "Und dann hoffe ich, dass wir alle gesund durch diese Situation durchkommen", sagt sie.

Quelle: MDR/al/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.03.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Zwickau, Altenburg und Greiz

Mehr aus Sachsen