05.04.2020 | 18:47 Uhr Im Fokus: Landkreis Zwickau und Erzgebirge Corona-Hotspots

In Südwestsachsen sind zwei Landkreise vom Coronavirus schwer betroffen. Der Landkreis Zwickau führt die sächsische Corona-Statistik mit rund 500 Krankheitsfällen an. Neun Menschen starben bisher. Im Erzgebirgskreis sind bereits zehn Menschen an COVID-19 gestorben. 288 sind derzeit infiziert.

Das Ortseingangsschild von Bernsdorf
Der erste größere Ausbruch des Landkreises geschah in Bernsdorf Bildrechte: dpa

Wie ging's los im Landkreis Zwickau?

Die ersten beiden Infizierten waren Einzelfälle, eine der beiden Frauen kam aus einem Risikogebiet zurück. Das Gesundheitsamt des Landkreises bemühte sich, die Kontaktpersonen zu ermitteln.

Zum Problem für den 2.200-Seelen-Ort Bernsdorf am Sachsenring, und damit auch für den Landkreis Zwickau, wurden Patientin Drei und ihr Sohn. Es handelt sich bei der Mutter um eine Physiotherapeutin. Sie kam aus einem Urlaub in Bayern zurück, wo sie an einem großen Volksfest teilnahm. Da sie in den ersten Tagen keine Symptome hatte, ahnte sie nichts von ihrer Infektion und behandelte laut Gesundheitsministerin Petra Köpping rund 40 Patienten. Ihr Sohn wiederum arbeitete Zeitungsberichten zufolge in einer frühen Infektionsphase noch als Aushilfskellner bei einer großen Feier in einem Gasthof. Kurz darauf ermittelte das Gesundheitsamt zehn weitere an Corona Erkrankte in Bernsdorf. Der Gasthof schloss freiwillig. Die Sachsenring-Oberschule in Hohenstein-Ernstthal wurde von Amts wegen geschlossen. Das Gesundheitsamt ordnete Quarantäne für weit über 100 Bernsdorfer an.

Konnten die Maßnahmen des Gesundheitsamtes ein Ausbreiten der Krankheit verhindern?

Offenbar nicht. Binnen sechs Tagen hatten sich die Fallzahlen im Ort verdreifacht. Ein 87 Jahre alter Mann starb. Einen Tag später sagte Ministerin Köpping auf einer Pressekonferenz, sie sehe keine Veranlassung, den Ort unter Quarantäne zu stellen. Man habe alle Kontaktpersonen isoliert und zudem keine weiteren Infektionsfälle feststellen können. Das traf zwar an diesem Tag zu, trotzdem sind im Verlaufe der nächsten Tage noch neun weitere Bewohner von Bernsdorf positiv gestestet worden.

Gibt es weitere Hotspots im Landkreis Zwickau?

Das lässt sich schwer sagen. Das Landratsamt hat eine Beantwortung dieser Frage am vergangenen Freitag abgelehnt mit der Begründung, es lägen keine genauen Zahlen zu größeren Infektionsketten vor. Betrachtet man die Fallzahlen rein statistisch, fällt zum Beispiel die Stadt Zwickau mit einem Wert auf, der beinahe so hoch liegt wie der der Stadt Chemnitz. Allerdings hat Zwickau nur etwa 34 Prozent so viele Einwohner wie Chemnitz.

Auch die Stadt Werdau fällt mit derzeit rund 60 Infektionsfällen aus dem Rahmen. In einem Interview mit der "Freien Presse" sprach Landrat Christoph Scheurer am 25. März von einer Familienfeier als ursprüngliche Ursache. Die sei damals zwar noch nicht verboten gewesen, aus Vernunftsgründen hätte man aber auch schon damals darauf verzichten sollen.

Das Landratsamt selbst vermutet, dass die hohen Fallzahlen möglicherweise daher rühren, dass viel getestet werde. Es gebe mehrere Testzentren im Landkreis. Eine Anzahl durchgeführter Tests vermochte das Landratsamt nur bei den durch das eigene Gesundheitsamt durchgeführten nennen, da waren es bis Freitag seit Anfang März 564 Tests.

Was ist über die Fälle im Erzgebirgskreis bekannt?

Der erste Coronafall im Erzgebirge wurde am 13. März gemeldet. Inzwischen hat auch der Erzgebirgskreis mit stark zunehmenden Fallzahlen zu kämpfen. Zehn Menschen sind laut Landratsamt an COVID-19 gestorben, 288 sind infiziert. Mit rund einem Drittel der positiv getesteten Personen liegt der Schwerpunkt des Erzgebirgskreises weiterhin in einem Pflegeheim in Zwönitz.

Das Pflegeheim hatte nach Angaben des Landratsamtes weitreichende Tests veranlasst, nachdem es dort zwei Todesfälle durch COVID-19 und mehrere schwere Krankheitsfälle gegeben hatte. Dafür wurde ein mobiles "Coronateam" vom Helios-Klinikum Aue zu Hilfe geholt. Das Heim war bereits seit dem 13. März nicht mehr für Besucher zugänglich. Laut Betreiber sind die Quarantäne-Regeln konsequent eingehalten worden.

Bereits in der vergangenen Woche wurde ein erster Krankheitsfall in einem Pflegeheim im Erzgebirge bekannt. In Bärenstein war ein Küchenmitarbeiter positiv auf COVID-19 getestet worden. Daraufhin wurde die gesamte Küchenbelegschaft in Quarantäne beordert. Ein anderer Heimträger half bei der Essensversorung aus.

Gebäude des Bethlehem-Stifts in Zwönitz.
Gebäude des Bethlehem-Stifts in Zwönitz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.04.2020 | 15:00 Uhr in den Nachrichten

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