06.04.2020 | 12:45 Uhr Bericht von Zwickauer Isolierstation: Zwischen Ernst und Zusammenhalt

Der Landkreis Zwickau ist von der Coronakrise sachsenweit am stärksten betroffen und führt die Statistik deutlich an. Zehn Menschen starben, über 40 Menschen werden derzeit stationär medizinisch betreut. Was bedeutet das für den Klinikalltag? Darüber hat ein Chefarzt der Paracelsus-Klinik Zwickau mit MDR SACHSEN gesprochen.

Kontrollmonitor auf einer Intensivstation.
Auf der Isolierstation werden die Vital-Werte permanent überwacht. (Symboldbild) Bildrechte: IMAGO

Der Chefarzt für Innere Medizin, Peter Walther, hat in seinem rund 30-jährigen Berufsleben schon viel erlebt. Nun haben er und seine Kolleginnen und Kollegen es bei COVID-19 mit einer Krankheit zu tun, mit der sie sich wohl noch sehr häufig und sehr lange werden beschäftigen müssen. Peter Walther hat in der Paracelsus-Klinik in Zwickau eine Isolierstation mit aufgebaut, eine zweite befindet sich im Standby. "Derzeit haben wir noch gute Kapazitäten, alle Patienten zu versorgen. Den sogenannten Worst Case kann ich hier vor Ort im Moment nicht sehen."

Ein Pfleger, verlässt vor der Corona-Ambulanz auf dem Gelände der Paracelsus-Klinik ein Zelt.
An der Paracelsus-Klinik Zwickau gibt es auch eine Corona-Ambulanz. Bildrechte: dpa

Zwischen Intensivbetreuung und Beatmung

Auf der Isolierstation von Peter Walther greifen viele Maßnahmen ineinander, um zu verhindern, dass ein Patient ans Beatmungsgerät muss. "Man kann mit bestimmten Formen der Lagerung arbeiten, wir führen sehr häufig Laborkontrollen durch." Am wichtigsten seien aber die engmaschigen Visiten beim Patienten, so Walther: "Wir schauen mehrfach am Tag: Wie geht’s dem Patienten mental, wie läuft seine Atmung, ist diese erschöpft oder geht es noch?".

Überhaupt versuchten sie zu verhindern, dass der Patient nur im Bett liegt. Er solle sich lieber aufs Bett oder auf einen Stuhl setzen. Am besten sei es, hin und her zu laufen und dabei die Lunge zu belüften. "Er muss auch mitarbeiten und in Bälle reinpusten, um die Lunge zu stärken". Und die Hightech-Medizin muss aus seiner Sicht mit einem menschlichen Zugang ergänzt werden: "Wir reden mit dem Patienten und geben ihm Zuwendung. Das ist sehr wichtig".

Über die Gesamtzahl der Patienten gibt die Paracelsus-Klinik keine Auskünfte. Aber bislang hat Walther eigenen Angaben zufolge nur zwei Patienten in die Intensivstation zur Beatmung überweisen müssen. Einer von ihnen hat es nicht geschafft.

Deeskalieren und beruhigen

Die meisten COVID-19-Erkrankten sind sehr alt. Walther erlebt oft, dass sie sehr aufgeregt ins Krankenhaus kommen: "Sie denken, weil sie es so oft in den Medien gehört haben und sie alt sind und zur Risikogruppe gehören, werden sie sterben." Die Mediziner müssen als erstes beruhigen. "Wir versuchen, die Situation ehrlich und glaubwürdig zu beschreiben. Wenn wir am Ende mit Freude dem Patienten mitteilen können, dass er auf dem Weg der Besserung ist, dann merkt er auch, dass das ehrlich gemeint ist".

Soweit es die Situation erlaube, sollte man beispielsweise einer 84-Jährigen die Ängste nehmen, meint Peter Walther, "auch wenn die Tatsache, dass ein ganzes Land, ein Kontinent und sogar die ganze Welt mit dem Virus ein Problem hat, schon Angst machen kann." Panik allerdings müsse vermieden werden. Es helfe niemandem, wenn die Leute zu Hause Angst haben.

Ein Mann mit Vollbart und weißem Kittel schaut in die Kamera
Bildrechte: Paracelsus-Kliniken Deutschland GmbH & Co. KGaA

Wenn wir früher auf Normalstationen einen Virusinfekt hatten, wussten wir ja auch, wie wir damit umzugehen hatten. Aber jetzt - in der Menge und über die Dauer - das ist für uns alle schon eine ganz andere Herausforderung.

Peter Walther, Chefarzt Innere Medizin der Paracelsus-Klinik Zwickau

Mangelproblem Schutzausrüstung

Das Schutzmaterial ist auch in seinem Haus knapp – wie überall. "Wir versuchen Material zu sparen, indem wir festlegen, dass nur bestimmte Mitarbeiter in die Isolierstation gehen."

Wenn die Viruspandemie überstanden ist und wieder Normalität einkehrt, wünscht sich Chefarzt Walther, dass Fragen, die derzeit aus seiner Sicht zu Recht aufgeworfen wurden, nicht vergessen werden. "Was uns alle ärgert, ist, dass existentielle Dinge, die wir in unserem Gesundheitswesen brauchen, im Ausland produziert werden." Das hätten sie auch schon früher kritisiert, meint der 56-Jährige. "Es ist schade, dass wir es erst durch so etwas merken müssen."

Das Virus bringt auch gute Seiten hervor

Hausintern sei der Zusammenhalt gewachsen. Der Chefarzt für Innere Medizin ist froh darüber, dass Ärzte aus anderen Fachbereichen ihre Hilfe angeboten haben. So würden nun auf der inneren Isolierstation erstmals auch Ärzte und Schwestern aus anderen Kliniken des Hauses mitarbeiten und ihre Erfahrungen einbringen. "Wir telefonieren selbst in der Freizeit zusammen und überlegen, wo wir noch weitere Ansatzpunkte finden können". Und die Schwestern seien sehr gut motiviert, meint Walther. Das sei für ihn eine Frage des stimmigen Klimas. "Obwohl wir seit Wochen so etwas wie das Epizentrum des Krankenhauses sind, sind keine Krankenschwestern ausgefallen."

Quelle: MDR/nk

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