Kontaktnachverfolgung Gesundheitsamt Zwickau in der Kritik

Ein Schild mit der Aufschrift "Gesundheitsamt".
Das Gesundheitsamt des Landkreises Zwickau soll 40 zusätzliche Mitarbeiter bekommen. Das Amt benötigt Unterstützung, um die Kontaktnachverfolgung von Corona-Fällen gewährleisten zu können. Bildrechte: imago images/Waldmüller

Das Gesundheitsamt des Landkreises Zwickau ist mit der Bearbeitung von Corona-Fällen sechs Tage in Verzug. Dies läge an den hohen Infektionszahlen, teilte das Landratsamt mit. Die Gesundheitsbehörde soll nun um weitere 40 auf 173 Mitarbeiter aufgestockt werden. Für deren Arbeitsplätze wurden laut Landratsamt zusätzliche Räume angemietet.

Um die Abläufe zu beschleunigen, sollen zudem künftig keine offiziellen Quarantänebescheide mehr per Post verschickt werden. Ab sofort soll ein positiver Corona-Test auch für den Rest des Hausstandes zur Vorlage beim Arbeitgeber ausreichen. In Einzelfällen wird das Gesundheitsamt entscheiden, ob ein Quarantänebescheid notwendig ist.

Nicht genügend Maßnahmen ergriffen

Das Zwickauer Gesundheitsamt war in den letzten Tagen mehrfach kritisiert worden. "Jeder hat mit der zweiten Welle gerechnet und jetzt hat es tatsächlich den Anschein, als ob nicht genügend Maßnahmen ergriffen wurden und jetzt rennt man natürlich der Thematik hinterher", so Dorothee Obst, Fraktionsleiterin der Freien Wähler.

"Natürlich ist in diesem Teil der Pandemie und bei diesen hohen Fallzahlen, die uns auch überrascht haben, nicht alles so, wie man sich das vorstellt", sagt die erste Beigeordnete des Landkreises Zwickau, Angelika Hölzel. "Ich würde auch nicht sagen, das läuft alles fehlerfrei." Man konzentriere sich auf die Aufklärung der Bevölkerung und auf noch mehr Personal.

Sechs Tage für Kontaktaufnahme

Bis ein positiv Getesteter vom Gesundheitsamt kontaktiert wird, dauere es derzeit tatsächlich im Schnitt sechs Tage, räumte Hölzel am Dienstag ein. "Das ist aber außergewöhnlich und das hängt damit zusammen, dass wir seit Montag unwahrscheinliche Fallzugänge hatten und dazu noch 98 Einrichtungen, also Schulen, Kitas, Horte, medizinische, pflegerische Einrichtungen", sagt sie.

Dass das Gesundheitsamt hinterherhinkt, das hat auch der Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna Jesko Vogel beim seinem kommunal betrieben Pflegeheim zu spüren bekommen. Nachdem am 16. November dem Amt ein Corona-Fall gemeldet wurde, hatte die Behörde neun Tage später immer noch keinen Reihentest im Heim veranlasst. "In so einer Situation, wo es tatsächlich um potenzielle Sterbefälle geht, die man vielleicht vermeiden kann - das hätte ich eigentlich erwartet, dass man dort zügig reagiert", so Vogel am vergangenen Mittwoch.

Versäumnisse im Gesundheitsamt Chemnitz

Auch in Chemnitz hatte es zuletzt Probleme im Gesundheitsamt gegeben. In der Zeit vom 9. bis 16. November seien insgesamt 24 Todesfälle nicht an das Robert-Koch-Institut weitergeleitet worden. Sozialbürgermeister Ralph Burghart begründet das mit Versäumnissen im städtischen Gesundheitsamt. Damit das zukünftig nicht noch einmal passiert, gab es laut Burghart Anpassungen "in der internen Organisation".

Quelle: MDR/al/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.12.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

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