Drohende Werkschließung Demo für Haribo-Werk Wilkau-Haßlau

Menschen protestieren gegen Schließung.
Hunderte Menschen hatten sich auf dem Platz der Völkerfreundschaft in Zwickau versammelt. Bildrechte: AV Chemnitz

Mehr als 600 Menschen haben am Sonnabend gegen die Schließung des Haribo-Werkes in Wilkau-Haßlau protestiert. Man appelliere an die Geschäftsleitung, die Standortentscheidung zu überdenken, sagte Thomas Lißner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, die zu dem Protest auf dem Zwickauer Platz der Völkerfreundschaft aufgerufen hatte. An der Kundgebung beteiligten sich auch Beschäftigte von Unternehmen aus der Region wie Knorr Auerbach und den Riesaer Teigwaren. Sogar von Coca-Cola aus dem hessischen Liederbach waren Mitarbeiter nach Zwickau gekommen. Auch ihr Betrieb soll im nächsten Jahr dichtgemacht werden.

Betrieb macht Gewinn

Der Betriebsrat des Wilkau-Haßlauer Haribo-Werkes, Maik  Pörschmann, appellierte an die Geschäftsleitung, die Pläne zu überdenken. Pörschmann sagte MDR SACHSEN, die Argumente für die Schließung des Werkes seien nicht nachvollziehbar. "Unser Betrieb erwirtschaftet jedes Jahr über zwei Millionen Euro Gewinn. Auf unsere Mitarbeiter war immer Verlass. Das Argument der Geschäftsleitung, dass die Maschinen veraltet seien, kann unseren Beschäftigten nicht zum Vorwurf gemacht werden." Daran sei die Geschäftsführung selbst schuld.

Dulig warnt vor Rückfall in die 1990er-Jahre

Martin Dulig
Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zu der Demo war auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig gekommen. Er sagte, die Entscheidung, den Standort schließen zu wollen, sei ein "mieses Weihnachtsgeschenk" für die Beschäftigten. Er appellierte an die Haribo-Geschäftsführung, die Entscheidung zurückzunehmen. Es dürfe nicht wie in den 1990er-Jahren sein, wo die Entscheidungen im Westen getroffen worden seien, Standorte im Osten zu schließen.

Haribo-Führung bleibt hart

Der Süßwarenhersteller will trotz der Proteste an seinen Plänen festhalten. Das Werk erfülle nicht mehr die Anforderungen an eine wirtschaftliche und effiziente Produktionsstruktur, sagte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage der Deutschen Presseagentur. Dies fange bereits bei der baulichen Substanz an. "Würden wir beispielsweise neue Maschinen nach heutigen Standards installieren, würden diese schlichtweg die Traglast des Gebäudes überschreiten".

Quelle: MDR/dpa/mwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.11.2020 | 16:00 Uhr in den Nachrichten

1 Kommentar

wwdd vor 4 Tagen

Ein Unternehmen wägt nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ab und entscheidet sich für die Schließung. Das ist (auch in unser aller Leben) ein ganz normaler Prozeß. Das Gute ist, dass wir im Osten Fachkräftemangel haben und dafür auch aus dem Ausland Menschen hierherlocken mußten. Es wird also für die betroffenen Mitarbeiter gut ausgehen. Die Politik sollte den Veränderungswillen der Menschen unterstützen und nicht den (sinnlosen) Festhaltewillen an etwas vergehendem.

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