Zwei Schlossmitarbeiter gehen in einem festlichen Raum durch die Stuhlreihen.
Dorothea List und Karl Weiß vom Freundeskreis Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

"Silberne Halbkugel" Denkmalpreis für Freundeskreis Schloss Wildenfels

Der Freundeskreis Schloss Wildenfels erhält am Montag den wichtigsten deutschen Preis für Denkmalschutz - die "Silberne Halbkugel". Damit wird das Engagement der ehrenamtlichen Denkmalschützer belohnt und gewürdigt.

Zwei Schlossmitarbeiter gehen in einem festlichen Raum durch die Stuhlreihen.
Dorothea List und Karl Weiß vom Freundeskreis Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Vor 70 Jahren sollte das Schloss Wildenfels gesprengt werden. Schon damals setzten sich Wildenfelser für den Erhalt ein. 1998 gründete sich ein Verein, der den heruntergekommenen Gemäuern wieder Leben einhauchen wollte. So nach und nach entdeckten die ehrenamtlichen Denkmalschützer einen Schatz nach dem anderen. Vor allem die Seidentapeten in den ehemaligen gräflichen Wohnräumen haben es ihnen angetan. In vielen der kleinen Salons kommen unter etlichen Tapetenschichten die zum Teil 300 Jahre alten originalen Wandbespannungen zum Vorschein. Schlossmitarbeiterin Dorothea List ist sich sicher: "Das ist in ganz Deutschland und darüber hinaus etwas Besonderes, weil es früher viele solcher Ausstattungen gab, aber erhalten sind nur ganz wenig." Das sei etwas, mit dem sie hausieren gehen könnten. So plane der Freundeskreis, das Schloss künftig als Tapetenschloss zu bewerben, um noch mehr Besucher anzuziehen.

Hohe Kosten für kleine Schritte

Doch die Kosten sind enorm. Manchmal komme der Verein schon an seine Grenzen, so Dorothea List. Zum Beispiel, wenn aus geplanten 25.000 Euro Kosten für eine Tapetenbahn schnell mal 80.000 Euro werden. Wie beim aktuellen Projekt im chinesischen Kabinett: "Da hatte sich herausgestellt, dass wir nicht nur die Seide restaurieren konnten wie ursprünglich geplant. Auch das herumliegende Papier musste restauriert werden. Da haben wir uns vom Land Sachsen noch mal unter die Arme greifen lassen müssen.

Blauer Salon

Allein die Restaurierung des blauen Salons hatte insgesamt über 300.000 Euro gekostet und drei Jahre Zeit in Anspruch genommen. Ein Großteil des Geldes waren Fördermittel, den Rest hatte der Verein über Sponsorengelder eingeworben. Hier wurden nicht nur die 300 Jahre alten Seidentapeten restauriert, sondern auch die reichlich verzierte Stuckdecke. Nachdem die Restauratoren 18 Farbschichten abgenommen hatten, wurden aus plumpen Knöllchen filigrane Röschen. Von den Seidentapeten mussten die oberen Schichten wieder abgenommen werden. Die Restauratorin verwendete dazu eine Art Ultraschall-Zahnarztbesteck und vibrierte damit millimeterweise die Schichten ganz vorsichtig weg, bis die Seide wieder zum Vorschein kam.

Ein Projekt nach dem anderen

So soll es auch im chinesischen Kabinett weitergehen. Eine erste Bahn der Tapete kann bereits von Besuchern besichtigt werden. Die anderen Wände des kleinen Kabinettes sollen ebenfalls saniert werden. Danach geht es im kleinen roten Salon weiter, und auch der große rote Salon verbirgt hinter der roten Farbe eigentlich eine originale Seidentapete. "Es gibt immer etwas zu tun", sagt Vereinschef Karl Weiß. Er hatte zusammen mit 30 Enthusiasten den Verein vor 20 Jahren ins Leben gerufen, jetzt gibt es 170 Vereinsmitglieder.

"Ich wusste nichts von dem Preis"

Dass der Freundeskreis Schloss Wildenfels mit dem diesjährigen Preis "Silberne Halbkugel" ausgezeichnet wird, hat Karl Weiß erst durch einen Anruf vom MDR erfahren. "Natürlich sind wir unheimlich stolz darauf. Auch für meine Mitglieder und die Sponsoren ist das natürlich ganz ganz wichtig", sagt der Vereinschef. Auch für die Suche nach weiteren Sponsoren werde der Preis sicher sehr hilfreich sein. "Wir werden ihn auf alle Fälle präsentieren und haben uns dafür schon eine Stehle bestellt."

Auf dem Weg zum Tapetenschloss Schloss Wildenfels: Sanierung im Millimetertakt

Ein Förderverein legt nach und nach die Schätze des Schlosses Wildenfels frei und kümmert sich um deren Sanierung. Dieses Engagement wird nun mit dem wichtigsten deutschen Denkmalpreis belohnt.

Die vielleicht 20 mal 20 Zentimeter große freigelegte Fläche einer chinesisch anmutenden Wandtapete.
Das nächste Projekt: Im gesamten kleinen roten Salon wird diese wertvolle chinoise Papiertapete aus dem frühen 18. Jahrhundert vermutet. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
Die vielleicht 20 mal 20 Zentimeter große freigelegte Fläche einer chinesisch anmutenden Wandtapete.
Das nächste Projekt: Im gesamten kleinen roten Salon wird diese wertvolle chinoise Papiertapete aus dem frühen 18. Jahrhundert vermutet. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
In einem kleinen Raum, offenbar ein Durchgangszimmer, steht links ein zweietagiges, rollbares Gerüst.
Derzeit laufen dafür Untersuchungen. Auch eine Studentin der Hochschule für bildende Künste in Dresden beschäftigt sich damit. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
In einem kleinen Raum mit abgedunkeltem Fenster ist an einer Wand neben der Tür eine alte Seidentapete mit chinesischen Motiven zu sehen.
Doch zunächst werden die Bahnen im chinesischen Kabinett saniert. Eine Bahn ist bereits wieder zu sehen. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
Nahaufnahme eines kleinen Stücks restaurierter Tapete.
So können Besucher die filigranen Details der Seidenstickerei bewundern. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
Zu sehen sind zwie Wände eines abgedunkelten Salons des Schlosses. Die Wände sind mit seidig glänzender dunkelblauer Tapete bespannt, die reichlich und kleinteilig mit Blumen-, Vögel und Vasenmotiven verziert ist. Die filigranen Stuckverzierungen sind in dunkel-türkiser Farbe angemalt. Von der Decke hängt in der Mitte des Raumes ein großer Deckenkronleuchter herunter.
Ein Mammutprojekt war auch der sogenannte Blaue Salon. Hier wurde neben der Seidentapete auch die Stuckdecke restauriert. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
Zwei Schlossmitarbeiter gehen in einem festlichen Raum durch die Stuhlreihen.
Dorothea List und Karl Weiß vom Freundeskreis Schloss Wildenfels e.V. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
Im Stil des Klassizismus weiß getäfelter und reichlich verzierter Festsaal. Blick von hinten auf eine Theaterbestuhlung von weißen Stühlen mit grünen Samtbezogenen Sitzpolstern. Vorn ist ein großer Wandspiegel, zwei Türen sowie ein weißer Flügel zu sehen.
Im Schloss werden auch Veranstaltungen durchgeführt. Dafür stehen ein großer Festsaal und ein kleinerer Saal, beispielsweise für Hochzeiten, zur Verfügung. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
Ein einem Halbrund sind bis zur Decke langgezogene Bücherwandschränke mit Glastüren zu sehen. In der Mitte sind die Schränke von einer Balkontür unterbrochen. Vor der Tür steht ein Aufsteller, auf dem wiederrum ein Bilderrahmen anlehnt. An einem Fenster links steht ein kleiner Tisch und ein Stuhl. Die lackierten Fußbodendielen reflektieren das durch die Balkontür hereinfallende Sonnenlicht.
Ein historisches Bibliothekszimmer. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
Blick in den Schlosshof. An einem Seitenflügel ist ein Gerüst montiert. Von den Fenstern der oberen Etage sind derzeit nur die dafür vorgesehenen Lücken in der Mauer zu sehen.
Der Nordflügel des Schlosses wird derzeit umfangreich saniert. Dort will unter anderem die Stadtverwaltung einziehen. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
Blick auf eine Baumalle mit Sitzbänken, die an einem kleinen Hang angrenzt, der wiederum die lange Seite eines weißen Schlossgebäudes flankiert.
An Bäumen und Bänken im Schlossgarten sind Schilder mit den jeweiligen Sponsorennamen angebracht. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
Blick auf ein langgezogenes weißes Schloss inmitten einer hügeligen Herbstlandschaft.
Seit 800 Jahren steht auf diesem Felsensporn ein Schloss. Um 1600 ist es auf die heutigen Ausmaße erweitert worden. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt
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Quelle: MDR/nk

AKTUELLES AUS SACHSEN

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalreport aus dem Studio Chemnitz | 29. Oktober 2018 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2018, 16:56 Uhr

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