08.03.2020 | 20:07 Uhr FDJ zieht mit wehenden Fahnen durch Zwickau

Eine Demonstration der Freien Deutschen Jugend (FDJ) hat am Sonnabend in Zwickau für Aufmerksamkeit gesorgt. Rund 50 Männer, Frauen und Kinder zogen mit FDJ-Fahnen und in Blauhemden mit dem FDJ-Symbol durch die Innenstadt.

Zwickau wegen VW im Fokus

Wie der Sprecher der Organisation, Jan Haas, im Gespräch mit MDR SACHSEN sagte, bildete Zwickau den Auftakt einer Kampagnentour durch mehrere deutsche Städte. In den kommenden Monaten folgen noch Rostock, Berlin, Halle, Jena und Eisenhüttenstadt. Die Kampagne steht unter dem Motto "30 Jahre sind genug! Revolution und Sozialismus".

Die westsächsische Stadt habe man sich bewusst ausgesucht, weil sie als VW-Standort mit im Mittelpunkt der Kapitalismuskritik stehe. "Wir sehen im E-Auto keine Zukunft", so Haas, der von einer annektierten DDR spricht und erklärt, die FDJ wolle in Zwickau Fuß fassen. Die Organisation hat dabei insbesondere die Jugend im Blick, in einem Flyer, der sich an die Schüler des Berufsschulzentrums "August Horch" in Zwickau wendet, heißt es unter anderem: "Wer sichert VW das Kobalt, das zu 80% aus dem Kongo geraubt wird? [...] VW, BASF, dei Deutsche Bank und Co haben eine Lösung: Du siehst sie jeden Tag in den Gängen der BSZ, in denen die Bundeswehr dich und deinen Kopf für ihren Krieg bewirbt."

Bildergalerie FDJ startet Antikapitalismus-Kampagne in Zwickau

FDJ-Demo in Zwickau
Rund 50 Männer, Frauen und Kinder sind am Sonnabend mit FDJ-Fahnen durch Zwickau gezogen. Bildrechte: Ralph Köhler
FDJ-Demo in Zwickau
Rund 50 Männer, Frauen und Kinder sind am Sonnabend mit FDJ-Fahnen durch Zwickau gezogen. Bildrechte: Ralph Köhler
FDJ-Demo in Zwickau
In der westsächsischen Stadt startete die Organisation ihre bundesweite Kampagne "30 Jahre sind genug. Revolution & Sozialismus". Bildrechte: Ralph Köhler
FDJ-Demo in Zwickau
In der Kritik der antifaschistischen Organisation steht auch die AfD. Bildrechte: Ralph Köhler
FDJ-Demo in Zwickau
Die Reaktionen der Passanten in Zwickau waren unterschiedlich - von ablehnend bis zustimmend. Bildrechte: Ralph Köhler
FDJ-Demo in Zwickau
Auf dem Unterboden des Trabis sitzt die von John Heartfield geschaffene Hyäne als gefräßiger deutscher Imperialismus. Bildrechte: Ralph Köhler
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Geteilte Reaktionen am Straßenrand

Dass unter den bundesweit angereisten Demonstrationsteilnehmern auch Kinder waren, ist für Haas nicht problematisch. "Einige von ihnen sind schon seit Jahren Mitglied. Sie wollen eine Zukunft, in der es keinen Krieg gibt. Und dafür können auch schon Elfjährige sehr souverän einstehen."

Die Reaktionen am Straßenrand in Zwickau seien sehr unterschiedlich gewesen, so Haas. Es habe Anfeindungen gegeben, dass die FDJ in der DDR für einen Unrechtsstaat gestanden habe. "Daraus haben wir gelernt", so der FDJ-Sprecher. Andere Zwickauer hätten sich gefreut, dass es die FDJ noch gebe.

Die Demonstration wurde von der Polizei abgesichert. Die Polizeidirektion Zwickau erklärte auf Nachfrage, dass es keine Zwischenfälle gegeben habe.

FDJ - verboten oder erlaubt? Ist die FDJ eine verbotene Organisation?

Ja und nein. In der Bundesrepublik wurde die FDJ 1951, sechs Jahre nach ihrer Gründung, wegen ihres Einsatzes gegen die Wiederbewaffnung als verfassungswidrig verboten. Das Verbot gilt bis heute.

Die in der Sowjetischen Besatzungszone 1946 gegründete FDJ existiert bis heute. Ihre Mitgliederzahl ging von etwa 2,2 Millionen 1989 auf etwa 300 im Jahr 1994 zurück. Sie fällt nicht unter das Verbot, da im Einigungsvertrag der Fortbestand aller legalen Organisationen der DDR garantiert wurde.

Ist das FDJ-Emblem verboten?

Ja und nein. Das Symbol der ehemals westdeutschen FDJ ist verboten, da es den Tatbestand des "Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" erfüllt.
Für das Symbol der FDJ der DDR gilt das nicht, da sie nicht verboten wurde.
Juristisch ist das Problem nicht zu klären, zumal die beiden Symbole (ein Wappen mit Sonne und Strahlenkranz) identisch sind. Mittlerweile wird das Tragen der Symbole durch die Strafverfolgungsbehörden mit Verweis auf die unsichere Rechtslage oft nicht mehr geahndet. Eine endgültige Klärung steht noch aus.

Quelle: MDR/tfr/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.03.2020 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

51 Kommentare

Anita L. vor 22 Wochen

"Endlich in die richtige Richtung."

Vorwärts oder rückwärts? Obwohl das hier wohl doch egal ist, denn "vorwärts" bedeutet für die FDJ leider nichts anderes als zurück zur DDR. Dann lieber mit Holzpantoffeln in der Höhle am Feuer! Das ist immer noch besser als das zwangsweise Heranführen an den marxistisch-leninistisches Klassenbewusstsein und als staatliche Kampfreserve für die Armee im "Kampf gegen das imperialistische System" dienen.

Anita L. vor 22 Wochen

Schaut man sich die Internetpräsenz der FDJ an, wird ganz schnell deutlich, dass es dieser Organisation ganz bestimmt nicht an 1000 Worten gelegen ist. Im Gegenteil bekommt man das beklemmende Gefühl, im nächsten Moment ins revolutionäre Kampfgeschehen verwickelt zu werden.

Anita L. vor 22 Wochen

"Wer von alledem nichts wissen wollte, dem muss bewusst sein, dass mit dem 3. Oktober 1990 kein Tag verging, an dem die Bestie, die mit dem Raub der DDR auch eine Waffe gegen sich selbst schmiedete, einen kämpfenden Gegner fand, der nicht müde werden wird. Wer die Waffe in die Hand nahm, ist eine Organisation, die mit der Annexion der Deutschen Demokratischen Republik zu dem wurde, was der Imperialismus niemals verträgt: Der praktische Internationalismus als eine Organisation zweier Länder. Die der revolutionären Jugend der BRD und die der revolutionären Jugend der annektierten DDR. (Startseite FDJ)

Äh, nö, danke, aber wer glaubt denn ernsthaft, dass es dieser Organisation an "vernünftiger Wertevermittlung" und "1000 Gesprächen statt einem Schuss" gelegen sei?

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