Prozess nach Tod von Baby in Wilkau-Haßlau Staatsanwaltschaft fordert fünfeinhalb Jahre Haft für Mutter

Im Prozess um ein totes Baby aus Wilkau-Haßlau hat die Staatsanwältin am Landgericht Zwickau fünfeinhalb Jahre Haft für die 33 Jahre alte Mutter gefordert. Sie habe ihr Kind nach der heimlichen Hausgeburt nicht versorgt, sondern alle Spuren penibel beseitigt. "Die Angeklagte hat den Tod des Kindes in Kauf genommen, um nicht entdeckt zu werden", sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer am Donnerstag. Strafbar sei die Tat als Totschlag durch Unterlassen. In der kommenden Woche sollen weitere Plädoyers gehalten werden. Das Urteil wird am 28. Mai erwartet.

DNA-Spur führte zur Täterin

Nach dem Fund des toten Neugeborenen am 1. Juni 2017 auf einer Wiese im westsächsischen Wilkau-Haßlau hatte ein DNA-Abgleich die Ermittler auf die Spur der 33-Jahrigen geführt. Zwei Monate nach dem Fund der Leiche konnten sie die Frau festnehmen. Zum Prozessbeginn im März 2018 hatte die Frau ein Geständnis abgelegt. Sie gab an, ihr Neugeborenes nach der Geburt im August 2016 nicht versorgt und auf der Wiese abgelegt zu haben. Ursprünglich habe sie vorgehabt, das Kind zu einer Babyklappe zu bringen. Der Vater des Kindes, der als Nebenkläger auftritt, gab sich vor Gericht ahnungslos. Er habe von der Schwangerschaft seiner damaligen Lebensgefährtin nichts bemerkt.

Die Angeklagte und ihr ehemaliger Lebensgefährte haben zusammen mehrere Kinder. Die ältesten drei leben jetzt beim Vater. Die gelernte Erzieherin hatte schon 2014 heimlich in einer Klinik ein Kind zur Welt gebracht und zur Adoption freigegeben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem in einem weiteren Fall gegen die Frau. Sie wird verdächtigt, 2015 für den Tod eines weiteren Kindes verantwortlich zu sein. Die Ermittler hatten auf ihrem Handy aus dieser Zeit Suchanfragen nach Babyklappen, Hausgeburten und Medikamenten gegen Schwangerschaftsbeschwerden gesichert.

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.05.2018 | 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2018, 19:39 Uhr

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