Grundschule Thurm Sachsens jüngste Schulleiterin: 30 Jahre und ein bisschen weise

Sie ist mit ihren 30 Jahren das Küken unter Sachsens Schulleitern. Franziska Hamm leitet seit Sommer eine Grundschule in der 11.200-Seelen-Gemeinde Mülsen, die östlich der Zwickauer Mulde liegt. Wenn sie zu entscheiden hätte, würde sie gern wieder mehr Deutschstunden an Sachsens Grundschulen einführen, erklärt die junge Frau.

von Katrin Richter

Schulleiterin Franziska Hamm in ihrer Grundschule in Thurm bei Wilkau-Haßlau.
Bildrechte: Katrin Richter

Dass Franziska Hamm mit ihren gerade mal 30 Jahren alles andere als unbedarft ist, bleibt einem nicht lange verborgen: Auf die Frage, was sie anders machen würde, wenn sie Kultusministerin wäre, fallen ihr gleich drei Dinge ein: "Erstens würde ich dringend – wie ja nun auf den Weg gebracht – deutlich mehr Lehrer ausbilden, zweitens allen Lehrern gleiches Gehalt zahlen und drittens an der Grundschule wieder mehr Deutschstunden einführen." Zu DDR-Zeiten hätten die Kinder zehn Stunden pro Woche gehabt, hat sie sich erzählen lassen. Jetzt sind es gerade mal sieben. "30 Prozent weniger Deutschunterricht – auch daraus erklärt sich absolut logisch, warum die Deutschleistungen der Schüler am Ende der 4. Klasse mehr zu wünschen übrig lassen als früher."

Aufgewachsen in Wilkau-Haßlau

Die junge Frau mit dem langen braunen Haar und dem ansteckenden Lachen kam kurz vor der Wende in Wilkau-Haßlau, einer Kleinstadt im Landkreis Zwickau, zur Welt. Direkt nach dem Abitur 2006 hat sie an der TU Dresden Lehramt Grundschule studiert, anschließend einen Referendariatsplatz an der Zwickauer Nicolaischule ergattert und dort auch gleich als Lehrerin angefangen. Sieben Jahre ist das her. Die Nicolaischule ist etwa doppelt so groß wie die Grundschule Thurm, an der Franziska Hamm seit Sommer als Schulleiterin arbeitet. Mit dem Auto braucht sie eine viertel Stunde von Zuhause bis zur Schule. Sie lebt mit ihrem Partner in Zwickau. Thurm, muss man wissen, ist ein Ortsteil der 11.200-Seelen-Gemeinde Mülsen, die östlich der Zwickauer Mulde liegt und mit gut 15 Kilometern Länge als längste Gemeinde Sachsens gilt. Und wie das so ist auf dem flachen Land: Die Grundschule, in den 1980ern erbaut und vor etwa zehn Jahren saniert, beherbergt nicht nur Schule und Hort, sondern auch gleich noch den Sitz des Ortsvorstehers, die Zweigstelle der Bibliothek und einen Teil der Kreismusikschule.

Wichtig ist, Dinge zu beeinflussen

Etwa 140 Kinder in sieben Klassen lernen an der Schule. Sie werden von sieben Lehrerinnen, einer Referendarin und der Schulleiterin unterrichtet. "Wir sind im Moment zwar ein komplettes Frauenteam, aber bunt gemischt, was das Alter angeht", berichtet Franziska Hamm. Ein Vorzug, findet sie, weil jeder die Erfahrungen seiner Generation einbringen könne. "Im Nachgang keine schlechte Entscheidung" nennt das Küken unter Sachsens Schulleitern den Wechsel an die Thurmer Grundschule. "Es fühlt sich familiärer an als an einer so großen Schule wie der Nicolaischule", sinniert Franziska Hamm. Sie sei sehr freundlich empfangen worden, als sie "mit einem gesunden Bauchkribbeln" das erste Mal in der Schule aufkreuzte. Warum ist sie überhaupt Schulleiterin geworden und nicht Lehrerin geblieben? "Bin ich doch auch noch", erklärt die 30-Jährige spitzbübisch. Immerhin drei bis vier Stunden täglich unterrichtet sie. "Letzten Endes ist es egal, ob du mit 30, 40 oder 50 Jahren Schulleiter wirst", findet Franziska Hamm. Irgendwann sei immer das erste Mal. Ihr sei es wichtig, Dinge mit beeinflussen zu können.

Abgesehen vom Unterrichten ist sie für den "ganzen Verwaltungskram" zuständig, pflegt Kontakte zu Kindergärten, zur Gemeinde und zum Landesamt für Schule und Bildung und schreibt mit einer Kollegin Stundenpläne. "Wir haben ihn zwar gut bauen können dieses Jahr, aber ausfallen darf uns niemand", erklärt die Schulleiterin. Wenn eine Kollegin krank werde, heiße es durchatmen, Backen zusammenkneifen und auch mal zwei Klassen gleichzeitig übernehmen. Aber dann gebe es wieder Glücksmomente wie diesen: "Ein Schüler hat mal aus Versehen 'Mama' zu mir gesagt, weil er so mit Feuereifer bei der Sache war", fügt Franziska Hamm hinzu und schmunzelt in sich hinein.

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Erst verhalten, jetzt umso kraftvoller: die Sängerinnen und Sänger des Hoyerswerdaer Bürgerchores mussten sich erst mit der unverblümten Sprache Gerhard Gundermanns anfreunden, bevor sie dessen Lieder auf die Bühne bringen konnten. Bildrechte: Kulturfabrik Hoyerswerda/Gernot Menzel

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2018, 10:20 Uhr

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