Seltene Handwerkskunst Der letzte Laternenmacher Deutschlands kommt aus Zwickau

Es gibt viele seltene Handwerksberufe, die man nur dem Namen nach kennt: Stellmacher, Kürschner oder Böttcher. Aber einen Laternenmacher gibt es wohl nur einmal in Deutschland. Seine Werkstatt hat er in Zwickau.

Laternenmacher Joachim Schmidt arbeitet mit einem Hammer an einer Laterne
Laternenmacher Joachim Schmidt fertigt jedes einzelne Stück komplett in Handarbeit. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Die Geräusche in der Werkstatt von Joachim Schmidt klingen wie Musik in seinen Ohren. Hämmern, sägen, bohren - davon kann er gar nicht genug bekommen. Schon als Kind hat er gern und viel gebastelt, am liebsten mit Holz. Inzwischen hat der Tüftler sein Hobby zum Beruf gemacht. Und so ist der 59-Jährige heute der wohl letzte Holzlaternenmacher Deutschlands. Mit der Geschichte seines Berufsstandes kennt sich Joachim Schmidt bestens aus. "Der Laternenmacher ist in früherer Zeit ein Beruf gewesen. Später hat die Arbeit dann der Stellmacher übernommen, so etwa im 17. Jahrhundert. Ich selbst bin zu dem Beruf gekommen, weil ich früher viel auf historischen mittelalterlichen Märkten unterwegs war und dort meinen Stand ausleuchten wollte. Es gab damals vor 25 Jahren aber keine Laternen. Und so habe ich mir selbst welche gebaut."

Aus der Not wurde eine Tugend

Verschiedene Laternen stehen auf der Werkbank
Jede Laterne hat einen eigenen Vornamen. Elisabeth, August oder Liselotte... Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Andere Mittelalterfans sahen die Laternen und waren sofort begeistert. Und nach den ersten Exemplaren, die er für seine Kollegen gebaut hatte, machte er das Handwerk zum Geschäft. In seiner Manufaktur in Zwickau, einer restaurierten Werkstatt aus dem 19. Jahrhundert, entstehen heute ausschließlich Unikate. Und sie alle haben klangvolle Namen wie "Elisabeth", "Liselotte", aber auch "August" oder "Friedrich". Jedes einzelne Laternenteil stellt Joachim Schmidt in liebevoller Handarbeit selbst her. "Eine Laterne braucht ungefähr 250 Arbeitsgänge. Das fängt mit dem Glasschneiden an, dann die ganzen Säulen und die Deckel, die gebohrt und gefräst werden müssen. Auch das Blech muss gebogen werden. Das Ganze nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Deswegen ist für mich eine Massenproduktion gar nicht möglich."

Unmögliches erledigen wir sofort, Wunder dauern etwas länger

Auf Mittelalter- oder Weihnachtsmärkten bringt Joachim Schmidt seine Laternen an den Mann. Große Laternen, Kinderlaternen, mit Bleiverglasungen und speziellen Glasgravuren. Und ab und zu erfüllt er auch ganz besondere Kundenwünsche. "Also die verrückteste Laterne wollte ein Mann aus Chemnitz. Er hat mir seine alten Fenster gebracht. Und ich sollte aus der Bleiverglasung, die in den Fenstern war, eine 1,60 m hohe Laterne machen. Das war schon eine echte Herausforderung. Aber wir haben uns am Ende beide gefreut, das es gut funktioniert hat."

Laternenmacher Joachim Schmidt schneidet Bleiglas zu
Für eine einzelne Laterne sind 250 Arbeitsschritte nötig. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Ob es auch künftig einen Laternenmacher in Deutschland geben wird?

"Es ist schade, dass in unserer schnellebigen Zeit viele alte Handwerkstechniken unserer Altvorderen verloren gegangen sind", bedauert Joachim Schmidt. "Aber ich stelle Gott sei Dank fest, dass die viele alte Handwerkskünste noch nicht ganz in Vergessenheit geraten sind. Immer mehr Menschen wollen zudem nicht mehr nur billige Massenware kaufen. Sie verlangen zunehmend nach handgearbeiteten Qualitätswaren."

Laternenmacher Joachim Schmidt mit seinem Sohn Hannes
Sohn Hannes will die Werkstatt später einmal übernehmen. Bildrechte: MDR/Ines Gruner-Rudelt

Seine ganz persönliche Hoffnung ruht auf Sohn Hannes. "Sicher könnte man die Werkstatt auch verkaufen, aber es wäre schön, wenn mein Sohn das Geschäft übernehmen würde." An den 12-jährigen Gymnasiasten hat der Laternenmacher aus Zwickau nicht nur seine Liebe zum Handwerk, sondern vor allem auch seine Vorliebe für Holzlaternen weitergegeben.
"Ich bin mit der Werkstatt groß geworden," sagt der Junior. "Und ja, ich will die Werkstatt später gern übernehmen und freue mich auch drauf."
Ein Jahrzehnt lang will Joachim Schmidt noch selbst Holzlaternen bauen. Dann, so sagt er, ist es Zeit für die nächste Generation.

Quelle: MDR/igr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.10.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.10.2018 | 15:50 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 18:08 Uhr

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