04.11.2019 | 16:33 Uhr | Update Zwickau: Merkel besucht Gedenkort für NSU-Opfer - Proteste gegen Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, M), Michael Kretschmer (CDU, r), Ministerpräsident von Sachsen und Pia FindeiŸß (SPD), Oberbürgermeisterin von Zwickau, stehen mit Schülern am NSU-Gedenkort.
Zwickaus Rathauschefin Pia Findeiß, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer haben Blumen am Gedenkort für die NSU-Opfer in Zwickau niedergelegt. Bildrechte: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag den Gedenkort für die NSU-Opfer im sächsischen Zwickau besucht. Gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und der Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß legte sie Blumen an dem neuen Gedenkort für die Opfer im Schwanenteichpark nieder. Merkel erklärte, sie wolle damit für die gesamte Bundesregierung zum Ausdruck bringen, "dass wir alles tun werden, damit sich solche Dinge nicht wiederholen".

Die Angehörigen der Ermordeten dürften "nicht immer als Opferfamilien dargestellt" werden, damit sie "wieder ein gutes Leben in Deutschland führen können, so wie wir das alle wollen", betonte Merkel. Dafür müsse zunächst einmal der Staat sorgen. Merkel dankte zugleich der Stadt Zwickau "und allen, die die Initiative ergriffen haben", für das Pflanzen der Gedenkbäume. Anfang Oktober war in Zwickau ein erst kurz zuvor gepflanzter Gedenkbaum für das erste NSU-Mordopfer Enver Simsek abgesägt worden, am Sonntag wurde der neue Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds feierlich eingeweiht. Dazu wurden Bäume für alle zehn NSU-Opfer gepflanzt.

Proteste gegen Bundeskanzlerin in Zwickau

Bei ihrer Fahrt durch Zwickau säumten Demonstranten eine zentrale Kreuzung. Sie forderten in Sprechchören und auf einem Transparent "Merkel muss weg". Über Megafon waren die Rufe bis zur Gedenkstätte zu hören.

Ministerpräsident Kretschmer erklärte mit Verweis auf die Demonstranten, man sei zusammengekommen, "um Menschen die Ehre zu erweisen, die unschuldig und auf heimtückische Weise umgebracht wurden". Dass es Menschen gebe, die dagegen demonstrieren, zeige, "welchen Zeitgeist und welche Haltung diese Leute haben", sagte Sachsens Regierungschef. "Wir haben in den letzten Jahren erlebt, wie aus Gedanken Worte und aus Worten Taten geworden sind." Deswegen sei es so wichtig, den Anfängen zu wehren. Jeder Einzelne müsse in seinem Umfeld "widersprechen, wenn antisemitische, rechtsextremistische Thesen vertreten werden, wenn die Grenze des guten Geschmacks, des Anstands übertreten worden ist", erklärte er. Es sei ihm wichtig, nicht über die NSU-Täter zu reden, sondern über deren unschuldige Opfer.

Demonstranten halten ein Banner mit der Aufschrift ''Merkel muss weg!''
Demonstranten haben am Montag in Zwickau gegen die Bundeskanzlerin protestiert. Angela Merkel besuchte die Gedenkstätte für die NSU-Opfer. Bildrechte: dpa

Die Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten den türkischen Blumenhändler Simsek im September 2000 in Nürnberg erschossen. Der Mord an dem Familienvater war der Auftakt der NSU-Mordserie. In Zwickau hatte das NSU-Trio Böhnhardt, Mundlos und Beate Zschäpe jahrelang gelebt und seinen letzten Unterschlupf.

Ab dem 4. November 2011 wurden die Aktivitäten des NSU bekannt. Mundlos und Böhnhardt begehen nach einem Überfall auf eine Sparkasse in Eisenach mutmaßlich Suizid. Ihr Leichen werden in einem Wohnmobil gefunden. Zschäpe legt am selben Tag in der Zwickauer Wohnung, wo sie mit Mundlos und Böhnhardt unbehelligt lebte, Feuer. Nach viertägiger Flucht stellt sie sich der Polizei.

Quelle: MDR/lam/AFP/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 04.11.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2019, 16:32 Uhr

62 Kommentare

DER Beobachter vor 2 Wochen

Ich bin wie viele zwar auch durchaus nicht rundherum zufrieden mit der Kanzlerin (übrigens nicht nur seit längerem), aber ich bitte doch darum, dass nicht alle Unzufriedenheit im O in die blaubraune Unzufriedenheitssuppe reingerührt wird. Das ist sehr unappetitlich ;)

DER Beobachter vor 2 Wochen

Sie können die Fragen nicht beantworten, ich kann die Fragen nicht beantworten, interessanterweise kann dieser ominöse "Behördenmitarbeiter" auch in seinem bezeichnenderweise bei einem rechtsextremen Verlag erschienenen Buch nicht befriedigend beantworten. Wie hier schon geklärt, bleiben die unglaublichen staatlichen Verstrickungen und Deckelungen "von ein paar Bankräubern", die aus ihrer Gesinnung keinen Hehl machten nebst zuviel zu drückenden Indizienbeweisen. Seltsamerweise wird dieses normale Prozessmittel hier nur von einer Szene infrage gestellt...

DER Beobachter vor 2 Wochen

Zumindest gibt es zwei Kleidungsstücke mit intensiver DNA aus dem Trio und Opfer-DNA, bei einem sogar die Blutspuren (wohl von Kiesewetter, erinnere ich mich).

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