04.11.2019 | 15:47 Uhr | Update Nach Tod in Bankfiliale: Drei Polizisten vor Gericht in Zwickau

Skulptur einer Justizia mit Schwert und Waagschale
Bildrechte: imago/Ralph Peters

Mehr als vier Jahre nach dem Tod eines 27 Jahre alten Mannes in einer Bank-Filiale hat am Montag der Prozess gegen drei Polizisten begonnen. Sie stehen vor dem Landgericht Zwickau wegen fahrlässiger Tötung eines Mannes, der in einer Bankfiliale randaliert hatte. In vier Verhandlungstagen will das Gericht herausfinden, ob sie bei der Festnahme übermäßig Gewalt angewandt haben.

Polizisten fühlten sich selbst bedroht

Die drei Angeklagten sollen in der Nacht des 24. Juli 2015 gegen 3:30 Uhr einen randalierenden, um sich schlagenden Mann einen Platzverweis erteilt haben. Als sich der 27-Jährige widersetzte, die Bankfiliale zu verlassen, sollen die Polizisten ihn auf den Boden gedrückt und gefesselt haben. Länger als zehn Minuten lang soll der Randalierer auf dem Bauch liegend festgehalten worden sein. In der Folge wurde der Mann ohnmächtig und verstarb wenig später.

Zum Prozessauftakt sagte einer der Angeklagten, der kräftige Mann habe sich bis zum Eintreffen der Rettungssanitäter heftig gewehrt, die Polizisten hätten um ihr eigenes Leben gefürchtet. Den Ausgang des Geschehens hätten sie nicht gewollt. Staatsanwaltschaft und die Familie des Toten, die als Nebenkläger auftritt, werfen den Beamten hingegen übermäßige Gewaltanwendung vor.

Ex-Freundin bestätigte Drogenmissbrauch

Ein Rechtsmediziner stellte stressbedingtes Herzversagen als Todesursache fest. Der muskulöse und äußerst aggressive Mann war Bodybuilder und hatte regelmäßig Anabolika konsumiert und sich durch das Aufputschmittel Metamphetamin vergiftet, wodurch sein Herz stark vergrößert war. Das, so das ärztliche Gutachten, war mitursächlich für seinen Tod.

Die damalige Freundin des Toten bestätigte im Zeugenstand den Drogenmissbrauch des Verstorbenen. Er habe sich in den letzten Wochen vor seinem Tod zudem ein neues Muskelaufbaumittel gespritzt und noch einmal massiv an Gewicht zugelegt. Auch habe er über Atembeschwerden geklagt. Die 30-Jährige schilderte zudem tätliche Auseinandersetzungen mit dem Kraftsportler. Demnach soll er die Tür ihrer Wohnung eingetreten und sie geschlagen haben. Zuletzt habe sie ein Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz erwirkt.

Zuvor hatte die Mutter des Verstorbenen ihre letzte Begegnung mit ihrem Sohn geschildert. Demnach sei er zuletzt auf einem guten Weg gewesen, sein Leben ohne Drogen wieder in den Griff zu bekommen, so ihr Eindruck.

Quelle: MDR/kk/lam/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.11.2019 | ab 09:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Chemnitz

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