Landgericht Zwickau Angeklagte im Fall der Wasserleiche aus der Fulda voll schuldfähig

Völlig planlos machen sich zwei junge Leute auf die Flucht. Als das Paar ein Auto braucht, wird ein Mensch getötet. Auch wenn der Tathergang grotesk anmutet, hält ein Psychiater beide Angeklagte für voll schuldfähig.

Zwei Männer in Taucheranzügen in einem Fluss. Sie halten sich an einem Ast fest, der über den Fluss ragt.
Anfang Februar war die Leiche des Mannes aus Gera in Hessen entdeckt worden. Er war ein Zufallsopfer der beiden Angeklagten, die an sein Auto kommen wollten. Grund für die Flucht sei ein misslungenes Drogengeschäft und die Angst vor Strafverfolgung gewesen. Zunächst wollte das Paar demnach zu Fuß in die Schweiz gelangen. Einen wirklichen Tatplan habe man nicht gehabt, betonte der Angeklagte erneut. Bildrechte: TVNewsHessen

Im Prozess um den Mord an einem 45 Jahre alten Mann aus Gera hat das Landgericht Zwickau am Mittwoch den persönlichen Hintergrund des angeklagten Paares beleuchtet. Der 20-Jährige sei ebenso wie seine drei Jahre jüngere Freundin zwar unreif für sein Alter, aber voll schuldfähig, sagte ein Gutachter.

Der junge Mann wuchs demnach in schwierigen Verhältnissen auf und wurde von der Mutter als Kind jahrelang schwer misshandelt. Mit acht Jahren kam er in ein SOS-Kinderdorf, nachdem eine Klinik Verbrühungen an den Füßen, Kopfverletzungen und Würgemale am Hals festgestellt hatte. Eine Persönlichkeitsstörung liegt nach Ansicht des Gutachters allerdings nicht vor.

Beihilfe zum Mord

Die Mitangeklagten Sarah P. ist laut Gutachter eine abhängige Persönlichkeit. Sie sei mit 14 Jahren an die falschen Freunde geraten und habe begonnen, Drogen zu nehmen. Jonny H. behauptete, von seiner 17-jährigen Freundin zu der Tat angestiftet worden zu sein. Die Minderjährige bestreitet das. Sie habe in einem Hauseingang etwa 200 Meter entfernt gewartet. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters zieht die Strafkammer deshalb eine Verurteilung wegen Beihilfe in Betracht und nicht wie angeklagt als Mittäterin.

Zwei Angeklagte, die Ihre Gesichter verdecken, sitzen neben ihren Verteidigern auf einer Anklagebank.
Seit April stehen ein 20-Jähriger und seine drei Jahre jüngere Freundin vor Gericht. Dem Sachverständigen zufolge ist Jonny H. intelligent und zeigte auch in der Schule recht gute Leistungen. Mit der Volljährigkeit und damit verbundenen Veränderungen im Hilfesystem sei er jedoch ins Straucheln geraten. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Ein Mord für ein Auto

Die Anklage wirft dem Mann und seiner Freundin vor, im November 2017 den 45-Jährigen getötet zu haben, um mit dessen Auto in die Schweiz zu flüchten. Zum Prozessauftakt hatte der Jonny H. zugegeben, das Opfer ohne Vorwarnung durch mehrere Messerstiche getötet zu haben. Nach der Tat war das Opfer bei Niederaula in Osthessen in die Fulda geworfen worden. Die Leiche wurde erst drei Monate später von einem Spaziergänger entdeckt.

Lebensgefährtin des Toten fassungslos

Die Lebensgefährtin des Toten zeigte sich während der Verhandlung am Mittwoch fassungslos. Während die Angeklagten im Gefängnis eine Ausbildung antreten und ihren Schulabschluss nachholen könnten, frage niemand sie und den 86-jährigen Vater des Getöteten, wie sie mit dem entsetzlichen Geschehen klarkämen.

Das Verfahren wird in nächste Woche Donnerstag mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung fortgesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich in der letzten Juniwoche gesprochen.

Quelle: MDR/mar/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.06.2018 | ab 15:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Chemnitz

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2018, 17:07 Uhr