Gedenkbank Zwickau zerstört
In Zwickau wurde erst ein Baum abgesägt und dann eine Bank zerstört. Beide sollten an NSU-Opfer erinnern. Bildrechte: D. Volkmer

07.10.2019 | 12:15 Uhr Zwickau: Auschwitz-Komitee will neue Bäume für NSU-Opfer pflanzen lassen

Gedenkbank Zwickau zerstört
In Zwickau wurde erst ein Baum abgesägt und dann eine Bank zerstört. Beide sollten an NSU-Opfer erinnern. Bildrechte: D. Volkmer

Das Internationale Auschwitz Komitee verurteilt die wiederholte Schändung des Mahnmals für die Opfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU in Zwickau. Auschwitz-Überlebende seien tief besorgt über die zunehmende gezielte Zerstörungswut der rechtsextremen Szene in Deutschland, die immer wieder versuche, Erinnerungsorte für Opfer rechtsextremen Hasses aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, teilte das Komitee am Montag in Berlin mit.

In wenigen Wochen werden Auszubildende der Volkswagen AG aus Zwickau, Chemnitz und Wolfsburg gemeinsam mit polnischen Kollegen in Zwickau neue Bäume zum Gedenken an die Opfer rechtsextremer Gewalt pflanzen, teilte das Komitee weiter mit. Die Azubis hatten an einem zweiwöchigen Projekt in der Gedenkstätte Auschwitz teilgenommen, das vom Internationalen Auschwitz Komitee initiiert worden war.

Polizei: Keinen Hinweis auf Täter

Unbekannte hatten in der Nacht zum Sonntag eine erst am Freitag aufgestellte Holzbank mit einer Inschrift zum Gedenken an die NSU-Opfer zerstört. Kurz zuvor war ein ebenfalls zum Gedenken gepflanzter Baum an dieser Stelle von Unbekannten abgesägt worden. Die Eiche sollte an das erste NSU-Opfer Enver Simsek erinnern. Nach Angaben der Polizeidirektion Zwickau vom Montag gibt es bislang keine neuen Erkenntnisse zu den Tätern. Die Bank sei zur Spurensuche sichergestellt worden. Der Staatsschutz ermittle.

Anschlag "mit Ansage"

Für Jörg Banitz, Sozialarbeiter in einer Zwickauer Geschichtswerkstatt, die sich mit dem NSU befasst, war der Anschlag keine Überraschung. "Für mich war das keine Frage, ob das passiert, sondern wann es passiert. Das war mit Ansage. Irgendwann kommt jemand", sagte Banitz MDR SACHSEN. Deshalb hält er auch nichts von weiteren Pflanzaktionen. "Die Jugendlichen in der Geschichtswerkstatt haben für sich und in Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro Sachsen eine andere Form gewählt. Wir haben eine Ausstellung gemacht und wir würden ein Informations- und Dokumentationszentrum favorisieren".

Für mich war das keine Frage, ob das passiert, sondern wann es passiert. Das war mit Ansage.

Jörg Banitz Sozialarbeiter aus Zwickau

Schüler organisieren spontane Schweigeminute

Am Montagnachmittag trafen sich Schüler eines nahe gelegenen Gymnasiums zu einer spontanen Schweigeminute am Gedenkort in den Schwanenteichanlagen. "Wir wollen keine Nazi-Stadt sein und wir sind auch keine Nazi-Stadt, doch wir haben ein Problem mit Rechtsextremismus", sagte Jakob Springfeld, einer der Initiatoren der Gedenkaktion.

Mehrere Schulklassen in Zwickau stehen auf einer Wiese und schauen still auf eunen abgeknickten Baum. An dem jungen pautten Bäumhcen liegen Blumen und Kerzen und erinnern an die Opfer der NSU-Nazi-Terrosristen. Die Zwickauer Schüler halten eine Gedenkminute am 7.10.2019 ab und wollen, dass das Ansehen der Opfer gewahrt bleibt.
Zwickauer Schüler haben am Montagmittag eine Gedenkminute für die Opfer des NSU-Terrors abgehalten und Blumen am zerstörten Mahnmal niedergelegt. Bildrechte: MDR/Gert Friedrich

Stadt und Jugendliche wollen neue Bäume pflanzen

Die Stadt Zwickau kündigte an, den gefällten Gedenkbaum zu ersetzen. Wie geplant, sollen auch Gedenkbäume für die neun weiteren Opfer der NSU-Terroristen gepflanzt werden. Für Freitag 18 Uhr haben engagierte Zwickauer eine Gedenkveranstaltung angekündigt, die ein Zeichen für ein buntes Zwickau setzen soll.

Wir lassen uns nicht unterkriegen. Auch nicht davon, dass die Bäume vielleicht wieder abgesägt werden und wir als Stadt wieder negativ in die Schlagzeilen geraten.

Pia Findeiß Zwickauer Oberbürgermeisterin

Der NSU hatte jahrelang unerkannt in Zwickau im Untergrund gelebt. Die Gruppierung, zu der außer Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch Beate Zschäpe gehörte, wird für neun Morde an Ausländern, für die Tötung einer deutschen Polizistin sowie für zwei Sprengstoffanschläge und diverse Raubüberfälle verantwortlich gemacht. 2016 war in Zwickau schon einmal ein Mahnmal geschändet worden - eine aus mehreren Bänken mit den Namen der Opfer bestehende Installation.

Linke-Innenexpertin Köditz: "beschämend und niederträchtig"

Kerstin Köditz, Abgeordnete der Linken im sächsischen Landtag
Kerstin Köditz, Abgeordnete der Linken im Sächsischen Landtag Bildrechte: DiG/trialon

Linke-Innenexpertin Kerstin Köditz sagte, die Taten seien "beschämend und niederträchtig". Sie zeigten, "dass mitten unter uns Menschen leben, die mit den Rechtsterroristen sympathisieren und das Gedenken an die Mordopfer verhöhnen".

Seit Enttarnung des NSU wurden nach Angaben von Köditz sachsenweit mehr als 50 sogenannte Resonanztaten gezählt, darunter auch wiederholte Angriffe auf Gedenkinstallationen. Die meisten dieser Fälle wurden nicht aufgeklärt. Häufigster Tatort sei Zwickau. Köditz kritisierte, dass unmittelbar nach dem Baum auch noch die Bank zerstört wurde und der Gedenkort offenbar nicht geschützt war.

Quelle: MDR/lam/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.10.2019 | 15:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2019, 12:18 Uhr

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