27.01.2020 | 15:47 Uhr Zwickauer Rollstuhlbasketballer planen Neustart in der zweiten Bundesliga

Mehr als 60.000 Euro Schulden trieben den Rollstuhlbasketballverein BCS Rollers Zwickau e.V. in die Insolvenz. Seit Januar läuft nun das geregelte Insolvenzverfahren des Bundesligisten. Für die Spieler bedeutet das, sie bekommen ihr Geld. Die Zahlungen waren über Monate ausgeblieben, einige Profis verließen den Verein.

Die Tradition des Rollstuhlbasketballs in Zwickau soll fortgeführt werden. Dazu wurde der insolvente Verein BSC Rollers aufgelöst und der neue Verein RB Zwickau gegründet. Das teilten Insolvenzverwalter Matthias Lechleitner und Vereinspräsident Marco Förster am Montag mit.

Bei einer Pressekonferenz am Montag erklärte Insolvenzverwalter Lechleitner, dass die Schulden Altlasten aus der Teilnahme am Europapokal 2016 seien. "Und diese Erblast hat der Verein jetzt jahrelang mitgeschleppt." Im Zusammenhang mit den sportlichen Ergebnissen der letzten Jahre sei es nicht gelungen, genügend Gelder zu akquirieren, um die Insolvenz abzuwenden.

Neugründung unter dem Namen RB Zwickau

Um den Rollstuhlbasketball am Standort und den Ligabetrieb trotzdem weiterführen zu können, wird der Verein BSC Rollers aufgelöst und ein neuer Verein gegründet. Ab Februar soll der Spielbetrieb dann unter dem Namen RB Zwickau laufen. Der Insolvenzverwalter erklärte, der Vorteil einer solchen übertragenden Sanierung läge vor allem in der Schnelligkeit. Die Sponsoren sagten eine weitere Unterstützung des Vereins zu. "Die Sponsoren wollen aber auch sicher sein, dass ihr Geld nicht in der Insolvenz an die Gläubiger versandet, sondern sie wollen tatsächlich den Basketball fördern", so Lechleitner.

Übertragende Sanierung Bei einer übertragenden Sanierung werden Vermögenswerte des Unternehmens oder eines Betriebsteils auf einen anderen Rechtsträger (z.B. Investor, Auffanggesellschaft) übertragen. Der Geschäftsbetrieb des neuen Unternehmens wird von den Altverbindlichkeiten entlastet, da diese in der Regel beim insolventen Unternehmen verbleiben. Der neue Inhaber muss den Betrieb jedoch mit einer im Wesentlichen gleichartigen Tätigkeit weiterführen. Die Kaufverhandlungen führt der Insolvenzverwalter. Grundsätzlich bietet die übertragende Sanierung den Vorteil, dass sie schneller umgesetzt wird als ein Insolvenzplanverfahren.

Freiwilliger Rückzug in die zweite Bundesliga

Seit 1998 spielen die BSC Rollers aus Zwickau nun schon ununterbrochen in der ersten Bundesliga. Dabei wurden sie bisher zweimal Deutscher Meister und zweimal Pokalsieger. Doch nach dieser Saison wird sich der Verein freiwillig in die zweite Bundesliga zurückziehen. Cheftrainer Marco Förster, der zum Präsidenten des neuen Vereins RB Zwickau e.V. gewählt worden ist, fällt dieser Schritt schwer. "Es ist unglaublich traurig, das Ganze jetzt in die Richtung ziehen zu müssen", sagte er.

Marco Förster, Trainer und Präsident RB Zwickau
Marco Förster, Trainer und Präsident RB Zwickau Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Ende der Saison Mitte April will er strukturelle und wirtschaftliche Veränderungen im Verein angehen. "Wir möchten schauen, dass wir auch verschiedene Sparten noch mit anbieten", so Förster. "Und auch unseren Bildungsauftrag, den ich persönlich auch im Behindertensport sehe für die Öffentlichkeit, auch da Nachdruck walten zu lassen." Unter anderem sollen dazu Vorträge in Schulen und Universitäten gehalten werden. Die Verbindlichkeiten des Altvereins sollen Schritt für Schritt abgebaut werden. In drei bis vier Jahren könnte die Insolvenz beendet sein.

Quelle: MDR/al/sb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 27.01.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2020, 15:47 Uhr

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