Millionenobjekt In Mülsen verschwindet der "Martin Hoop Schacht IX"

Ein Turm aus Beton mit kaputter Glasfront ragt aus Ruinen von Flachbauten hervor.
In einem Jahr soll der marode Martin Hoop Schacht verschwunden sein. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Der marode Schacht "Martin Hoop IX" in Mülsen bei Zwickau verschwindet von der Bildfläche. Das Sächsische Oberbergamt hat mit dem Rückbau der Anlagen über Tage begonnen. Das 2,3 Millionen Euro teure Projekt soll in einem Jahr aus einer Industriebrache mit vielen Ruinen eine begrünte Fläche machen. Die Europäische Union fördert den Abriss mit Mitteln aus dem Programm "Prävention von Risiken des Altbergbaus".

Keine Gefahr, aber Risiken

Falk Seliger vom Sächsischen Oberbergamt betreut als Projektleiter den Abriss der maroden Gebäude. "Es geht keine unmittelbare Gefahr für die Anwohner hier im Ort von den alten Schachtanlagen aus. Aber die Gebäude sind in einem so schlechten Zustand, dass erhebliche Risiken für Menschen bestehen, die sich hier unerlaubt aufhalten."

Ein Mann mit Bauhelm und Warnweste steht vor einer alten Baracke.
Falk Seliger vom Sächsischen Oberbergamt betreut als Projektleiter den Abriss. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Bei den Gebäuden würde die Gefahr von Dacheinbrüchen bestehen. Selbst der Einsturz ganzer Gebäudeteile sei möglich. "Außerdem befinden sich in den Hallen viele ungesicherte Gruben und Fußbodenöffnungen. Das muss alles restlos beseitigt werden", sagt Seliger. Daher würden alle Gebäude abgerissen und der 35 Meter hohe Turm gesprengt.

In einer maroden Werkhalle klafft ein großes Loch mit Stahlträgern im Boden.
Gefahren lauern in den alten Gebäuden überall. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Martin Hoop IX Der Schacht Martin Hoop IX wurde in Mülsen in den Jahren von 1953 bis 1956 als Material- und Wetterschacht bis in eine Tiefe von 1047 Metern abgeteuft. Nach der Einstellung des Steinkohlenbergbaus im Zwickauer Revier wurde der Schacht in den Jahren 1978 und 1979 mit Bergemassen, Abbruchmaterial und Flugasche verfüllt und anschließend mit einer Stahlbetonplatte abgedeckt. Die Betriebsgebäude verfielen in den folgenden Jahrzehnten.

Aufwendige Planung

Rolf Luding von der CDM Smith Consult GmbH hat die ingenieurtechnische Planung in den Händen. "Wir haben neben dem Abriss auch die Entsorgung von giftigen Stoffen wie Asbest, künstlichen Mineralfasern und mit Öl kontaminierten Abfällen zu regeln." Gleichzeitig habe auch der Naturschutz eine große Rolle gespielt. "In den letzten Jahrzehnten ist die Industriebrache zu einem Eldorado für viele Vogelarten, Eidechsen und Fledermäuse geworden." Daher gebe es eine ökologische Baubegleitung für das Projekt. "So werden wir im Randbereich des Geländes zum Beispiel ein altes Pumpenhaus zu einem Fledermausquartier umbauen", erklärt Luding.

Ein Mann mit Bauhelm und Warweste steht vor Stahlträgern und einem Bagger.
Rolf Luding hat die ingenieurtechnische Planung für den Rückbau in den Händen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Mülsen erhält eine nutzbare Fläche zurück

Die Fläche, die jetzt schon in Besitz der Gemeinde Mülsen ist, soll in einem Jahr "besenrein", also ohne Rückstände übergeben werden. In einem zweiten Schritt muss dann der alte Schacht, in dem sich noch Hohlräume befinden, nochmals gesichert werden. Dann ist "Martin Hoop IX" endgültig verschwunden und das Areal kann wieder für andere Zwecke genutzt werden.

Auf einer Schuttfläche vor Ruinen lagern verbogene Stahlträger.
In einem Jahr soll hier nichts mehr an den alten Schacht erinnern. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Quelle: MDR/tfr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 16.09.2020 | 14:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Chemnitz

1 Kommentar

Elsburg vor 3 Tagen

Elsburg II, Fortsetzung:

Ziel soll sein,
komtinuierl.Einnahmeströme an Gemeinde statt Tafelsilberverkauf zulassen wie bei Wohnbau-Gesellschaften zT geschah!

Ökokologische, soziale, ökonomische Steuerungen seitens der Gemeinde bleiben so stets weitesmöglich erhalten - die Gemeinde etabliert damit eine nachhaltige Zukunftsstrategie gemäß verfassungsrechtlicher Sozialpflichtigkeit von Eigentum FÜR DIE GEMEINDE AUF EWIG Art.14 GG, was in keinen Verkaufsvertrag auf ewig garantiert werden kann; auch ein Nachfolge-Vorkaufsrecht ist schwach, da betrugsanfällig +ggf finanziell zur Unzeit für Gemeinde nicht ausübbar!


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