Das Landgericht Zwickau, ein monumentaler Backsteinbau.
Vor dem Landgericht Zwickau ist am Montag das Urteil gegen die Dealer gefallen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Landgericht Prozess in Zwickau: Mehrjährige Haftstrafen für Drogendealer

Laut Bundeskriminalamt wurden 2016 in Deutschland 65 Kilo Crystal Meth beschlagnahmt. Für mehr als die Hälfte dieser Drogen soll eine einzige Dealerbande verantwortlich sein, doch nur für einen Fall wurde sie belangt.

Das Landgericht Zwickau, ein monumentaler Backsteinbau.
Vor dem Landgericht Zwickau ist am Montag das Urteil gegen die Dealer gefallen. Bildrechte: MDR/Thomas Friedrich

Am Landgericht Zwickau sind fünf Drogendealer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Männer im Alter zwischen 29 und 55 Jahren sollen wegen Drogenschmuggels von Tschechien nach Sachsen für zwei bis sechs Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Den fünf Angeklagten war von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen worden, 2016 in 18 Fällen insgesamt etwa 35 Kilogramm Crystal Meth nach Sachsen geschmuggelt zu haben. Die Dealer haben die synthetische Droge demnach im Leipziger Raum und im Vogtland verkauft. Der Marktwert liegt zwischen zwei und drei Millionen Euro.

Crystal-Fund
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Laufe des Prozesses konnte den Dealern nach 65 Verhandlungstagen und der Vernehmung von 60 Zeugen jedoch nur ein einziger Fall mit lediglich knapp sechs Kilogramm Crystal Meth nachgewiesen werden. In diesem Fall hatten die Ermittler einen Kurierfahrer des Drogenrings abgefangen. Alle übrigen angeklagten Taten waren bereits passiert, als die Polizei davon erfuhr. Daher konnten sich die fünf Richter, zwei Staatsanwälte und zehn Verteidiger 16 Monate lang lediglich Telefonmitschnitte der Ermittler anhören und Zeugen befragen. Im Ergebnis der Beweisaufnahme ließ sich eine Tatbeteiligung der Männer nur in dem einen Fall zweifelsfrei nachweisen.

Telefonüberwachung liefert keine Beweise

Auch für die Bildung einer Bande im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes sah die Kammer keine hinreichenden Belege. "Die Telefonüberwachung ist ein gutes Mittel zur Unterstützung von Ermittlungen, aber das allein reicht leider nicht für eine schlüssige Beweisführung", räumte Oberstaatsanwalt Holger Illing nach der Urteilsverkündung ein. Pseudonyme und verklausulierte Absprachen machten es schwer, an die Hintermänner solcher Drogengeschäfte heranzukommen.

Bis auf das Teilgeständnis eines 50 Jahre alten Angeklagten hatten alle Beschuldigten geschwiegen und auf Freispruch plädiert. Auch die Aussage eines Kronzeugen, der als Kurierfahrer einen der Angeklagten zu 90 Prozent wiedererkannt haben wollte, reichte nicht für eine härtere Verurteilung.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Männer Haftstrafen von bis zu neun Jahren beantragt. Die Verteidigung hatte für vier der Täter auf Freispruch plädiert. Die Männer im Alter zwischen 29 und 55 Jahren sind zum Teil einschlägig vorbestraft, saßen deshalb auch schon im Gefängnis.

Quelle: MDR/tfr/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio| 17.12.2018 | 12:30 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2018, 13:13 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

18.12.2018 08:21 Jakob 4

Deutschland, das Eldorado der organisierten Kriminalität. Selbst bei klaren Kracherfällen muss man den Freispruch fürchten. Es genügt, wenn man sich mit Donald Duck und Daniel Düsentrieb anspricht, um den Rechtsstaat auszuhebeln?

18.12.2018 07:37 Gerhard 3

Eine Schande dieses Urteil !!! Das fordert ja direkt auf in den Drogenhandel zu gehen .
2-3 Millionen Gewinn , da muß man lange arbeiten gehen .
Ich hoffe es wird Revision gegen dieses Urteil eingelegt , Hat das Gericht kein Gewissen ??
Zur Drogenentziehung in den Einrichtungen wird dann die Krankenkasse zur Zahlung aufgefordert , einzahlen in die Krankenkasse erledigt der Bürger der seiner geregelten Arbeit nach geht .......SUPER .
Laßt diese Drogendiehler zahlen ........haben ja genug Gewinn gemacht !!!!!!

17.12.2018 18:47 Isemix 2

@Karl... Mal überlegt was die Verteidiger für eine Aufgabe haben? Sie werden oft nicht ohne Grund Pflichtverteidiger genannt. Wenn man einen Polizisten fragt, ob dieser nichts besseres zu tun habe, ist es eine ähnliche Sache, dieser macht auch den Job für den er entlohnt wird. Es ist oft so, dass man erstmal überlegen sollte bevor man etwas schreibt.

17.12.2018 15:56 Karl 1

haben diese grauenvollen Verteidiger überhaupt auch Kinder / Familie diese sollten mit in den Knast wie diese laufend Urteilen ist die größte schande in Deutschl.so einer hat garnicht einen Verteidiger verdient , wenn mein Kind davon betroffen wäre mit wüßte ich schon was ich mit dem feinen Verteidiger machen würde.

Mehr aus Zwickau, Altenburg und Greiz

Mehr aus Sachsen