28.10.2019 | 07:00 Uhr Zwickau startet Vorbereitungen für neuen Gedenkort der NSU-Opfer

Mehrere Schulklassen in Zwickau stehen auf einer Wiese und schauen still auf eunen abgeknickten Baum. An dem jungen pautten Bäumhcen liegen Blumen und Kerzen und erinnern an die Opfer der NSU-Nazi-Terrosristen. Die Zwickauer Schüler halten eine Gedenkminute am 7.10.2019 ab und wollen, dass das Ansehen der Opfer gewahrt bleibt.
Zwickauer Schüler haben eine Gedenkminute für die Opfer des NSU-Terrors abgehalten und Blumen am zerstörten Mahnmal niedergelegt. Bildrechte: MDR/Gert Friedrich

In Zwickau beginnen Montag die Vorbereitungen für einen neuen Gedenkort für die Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Wie die Stadtverwaltung mitteilte, sollen ab Anfang der Woche zehn Bäume auf dem Schwanenteichgelände gepflanzt werden - jeder Baum steht für ein Opfer. Am Sonntag wird der Gedenkort eingeweiht. Dabei soll jeder der zuvor gepflanzten Bäume eine Gedenkplatte erhalten.

Stadt will Zeichen gegen das Vergessen der NSU-Taten setzen

Die Stadt reagiert damit auf die Schändung eines ersten Gedenkbaumes Anfang des Monats. Dieser war in Erinnerung an das erste NSU-Mordopfer Enver Simsek gepflanzt und von bislang Unbekannten abgesägt worden. Oberbürgermeisterin Pia Findeiß sprach von einer ruchlosen Tat. Die SPD-Politikerin erklärte, das Absägen des Baumes zeuge von Intoleranz, mangelndem Demokratieverständnis und von Verachtung. Mit dem neuen Gedenkort soll laut Stadtverwaltung nun ein "starkes Zeichen für mehr Toleranz und gegen das Vergessen der menschenverachtenden NSU-Taten" gesetzt werden.

Enver Simsek war das erste von insgesamt zehn Opfern der NSU-Mordserie von 2000 bis 2011. Die rechtsextreme Terrorzelle mit Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatte fast 14 Jahre lang im Untergrund gelebt - zuletzt in Zwickau.

Zwei Tage später wurde am selben Ort eine Gedenkbank für die Opfer rechter Gewalt demoliert. Diese Vorfälle hatten bei vielen Zwickauer Bürgern für Empörung gesorgt. Privatpersonen, Vereine und initiativen aus der Zivilgesellschaft hatten deshalb zu einem Gedenken aufgerufen, an dem Hunderte Bürger teilnahmen.

Die Schändungen am Schwanenteich haben auch Auswirkungen auf das überarbeitete Sicherheitskonzept der Stadt. Der Gedenkort solle besser geschützt werden, sagte Findeiß MDR SACHSEN. "Es werden Varianten geprüft, wie man von der Straßenbeleuchtung auch einen Strahler in Richtung Bäume schicken kann", sagte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß. "Wenn die Bäume im Licht stehen, ist es etwas anderes, als wenn sie in der Nacht dort unbeleuchtet sind."

Quelle: MDR/al//dk/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.10.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2019, 07:00 Uhr

3 Kommentare

DER Beobachter vor 17 Wochen

Ich bin mir nicht sicher, ob ausgerechnet Ihnen eine wirkliche Aufklärung der Verstrickung unseres Freistaats in die NSU-Verbrechen und das Gedenken an deren Opfer eine wirkliche Herzensangelegenheit ist...

Udo vor 17 Wochen

Ein würdiges Gedenken der Opfer wäre es, endlich für vollkommene Aufklärung zu sorgen. Alles andere ist Aktionismus und Selbstdarstellung als Guter.

zenkimaus vor 17 Wochen

Ich hoffe dass der Baum lange steht und nicht wieder einem Terror akt zum Opfer fällt

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