03.11.2019 | 14:51 Uhr Zwickau weiht Gedenkort für NSU-Opfer ein

Zahlreiche Menschen nehmen an der Einweihungsveranstaltung teil.
Rund 450 Personen nahmen an der Einweihung des Gedenkorts für die Opfer der rechtsterroristischen Vereinigung NSU in Zwickau teil. Bildrechte: MDR/Gert Friedrich

In Zwickau ist am Sonntag ein Gedenkort für die Opfer der rechtsterroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) eingeweiht worden. Für jedes der zehn Mordopfer wurde ein Baum gepflanzt, vor dem eine Gedenktafel in die Erde eingelassen wurde. Die Gedenktafeln waren bei einem ökumenischen Gottesdienst im Zwickauer Dom am Freitag von Bischof Heinrich Timmerevers gesegnet worden.

Finanziert wurde der Gedenkort mit Spenden. Diese rund 14.000 Euro bezeichnete Oberbürgermeisterin Pia Findeiß als deutliches Zeichen dafür, dass sich viele Menschen von Rechtsextremismus abgrenzen und für ein friedliches Zusammenleben eintreten. "Mit diesen Gedenkbäumen erinnern wir an die Opfer des NSU. Wir zeigen, dass der NSU ein Teil der Zwickauer Geschichte ist", so Findeiß. "Die Bäume sollen aber auch ein Zeichen der Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben sein. Und sie mahnen uns, sich für dieses friedliche Zusammenleben, für Demokratie und Toleranz und gegen Extremismus und Gewalt zu engagieren."

Auseinandersetzung zwischen Teilnehmern der Gedenkveranstaltung und der Polizei

An der Veranstaltung nahmen rund 450 Personen teil, unter ihnen Bundestagsabgeordnete, Stadträte, Vertreter von Kirchen, Unternehmen und Institutionen. Nach Angaben eines MDR-Reporters kam es am Rande zu einer Auseinandersetzung zwischen einigen Teilnehmern und der Polizei. Anlass war ein von der AfD niedergelegter Kranz. Ein Teilnehmer wollte diesen offenbar entfernen. Als die Polizei einschritt, mischten sich weitere Personen ein. Die Polizei nahm in einem Fall die Personalien auf.

Die Stadt reagiert mit dem Gedenkort auf die Schändung eines ersten Gedenkbaumes Anfang des Monats. Dieser war in Erinnerung an das erste NSU-Mordopfer Enver Şimşek gepflanzt und von bislang Unbekannten abgesägt worden. Am Montag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit Ministerpräsident Michael Kretschmer und Oberbürgermeisterin Pia Findeiß den neuen Gedenkort besuchen.

Die Oberbürgermeisterin von Zwickau, Pia Findeiߟ (SPD), auf der Gedenkveranstaltung für die Opfer des NSU.
Zwickaus OberbürgermeisterinPia Findeiß sagt, dass die Bäume zugleich ein Zeichen der Hoffnung und eine Mahnung seien, sich für Demokratie und Toleranz einzusetzen. Bildrechte: dpa

Eröffnung eines vorübergehenden Dokumentationszentrums

Zum Gedenken für die NSU-Opfer kamen auch Teilnehmer eines "Rassismus-Tribunals". Die Gruppe eröffnete am Nachmittag in der Stadt ein vorübergehendes Dokumentationszentrum zu NSU und rechtem Terror. Gezeigt werden dort Ausstellungen der Geschichtswerkstätten Chemnitz und Zwickau. Damit soll die Forderung nach einem dauerhaften Dokumentationszentrum bekräftigt werden.

Mit dem "Rassismus-Tribunal" wurde an diesem Wochenende in Chemnitz und Zwickau die Lage von Migranten in Sachsen beleuchtet und der NSU-Komplex weiter aufgebarbeitet. Nach Filmvorführungen, Stadtrundgängen und Workshops in Chemnitz stand am Sonntag Zwickau im Fokus der Veranstaltung.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.11.2019 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2019, 14:51 Uhr

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