11.10.2019 | 20:55 Uhr Gedenken gegen rechte Gewalt in Zwickau

Die Zivilgesellschaft in Zwickau hat am Freitag ein Zeichen gegen rechte Gewalt und für ein friedliches Miteinander gesetzt. Hunderte Zwickauer versammelten sich am Gedenkort für die Opfer des NSU-Trios.

In Zwickau haben am Freitagabend Hunderte Bürger der Opfer rechter Gewalt gedacht. Sie versammelten sich am Gedenkort für die Toten des NSU-Trios am Schwanenteich. Dort hatten Unbekannte in der vorigen Woche einen Baum, der an die NSU-Opfer erinnerte, gefällt. Zwei Tage später wurde am selben Ort eine Gedenkbank für die Opfer rechter Gewalt demoliert. Diese Vorfälle hatten bei vielen Zwickauer Bürgern für Empörung gesorgt. Privatpersonen, Vereine und initiativen aus der Zivilgesellschaft hatten deshalb zu dem Gedenken am Freitagabend aufgerufen.

Zivilgesellschaft beginnt sich zu wehren

Zu Beginn der Veranstaltung wandte sich Chris Schlüter, einer der Organisatoren, an die etwa 300 Zwickauerinnen und Zwickauer, die mit Blumen und Transparenten in den Park im Stadtzentrum gekommen waren: "Wir sind hier zusammengekommen, um der Opfer der NSU-Terroristen zu gedenken. Rechte Gewalt ist nach wie vor eine große Gefahr. Das hat erst in dieser Woche die Gewalttat eines Neonazis in Halle gezeigt." Deshalb sei es ermutigend, dass die Zivilgesellschaft ein Zeichen setze.

Zwei Frauen legen Blumen und Kerzen an einem Gedenkort in Zwickau nieder
Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Alle Bürgerinnen und Bürger müssten gegen rechte Positionen Haltung beziehen und klar machen, dass es Grenzen gebe, die nicht überschritten werden dürfen, sagte Schlüter. Nach einer Schweigeminute legten viele Menschen Blumen nieder und entzündeten Kerzen. Danach wurde das Mikrofon freigegeben und Bürger konnten sich an die Versammelten mit eigenen Worten wenden. Eine Zwickauer Rentnerin zeigte sich bestürzt über den Anschlag auf eine Synagoge in Halle. Zum Gedenken an die Opfer sang sie ein altes jüdisches Lied.

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Marion Burghardt Teilnehmerin der Gedenkveranstaltung

Rechte Gewalt - im Unterricht kein Thema

Auch die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß war gekommen. Sie verzichtete aber auf ein Grußwort, weil sie sich laut eigener Aussage an diesem Abend nicht als Oberbürgermeisterin, sondern als normale Zwickauer Bürgerin an der Gedenkveranstaltung beteiligen wollte. Unter den Anwesenden waren viele junge Leute. Helen, Hassan und Sarah, Schüler des Zwickauer Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, waren auch dem Gedenk-Aufruf gefolgt. "Ich finde es ermutigend, dass so viele Leute gekommen sind. Und vor allem Menschen jeden Alters", sagte Sarah MDR SACHSEN.

Wie schwierig es ist, als Ausländer in Deutschland zu leben, weiß Hassan genau. Er ist zwar in Zwickau geboren, doch seine Eltern stammen aus dem Irak. "Komische Blicke oder dumme Sprüche gehören leider zu meinem Alltag", sagt der Neuntklässler. Hassans Klassenkameradin Helen ergänzt: "Angesichts der rechten Gewalt mache ich mir wirklich Sorgen um die Zukunft. Deshalb kann ich nicht verstehen, dass gerade nach dem Anschlag in Halle, unsere Lehrer das überhaupt nicht thematisieren. Nicht mal in den Fächern wie Ethik. Es gibt keine Diskussion über aktuelle Themen".

"Politik, Polizei und Justiz reden nur"

Auch Marion Burghardt sorgt sich um die Zukunft. Die 79 Jahre alte Zwickauerin macht Politik, Polizei und Justiz große Vorwürfe: "Die Offiziellen machen nichts, die reden nur", sagte sie MDR SACHSEN. Auch zu DDR-Zeiten habe es trotz der antifaschistischen Erziehung Menschen mit rechter Gesinnung gegeben. Aber die hätten sich erst nach der Wende herausgetraut, weil sie von Polizei und Justiz nichts zu befürchten hätten.

Zwei Frauen legen Blumen und Kerzen an einem Gedenkort in Zwickau nieder
Viele legten Blumen und Kerzen am Gedenkort nieder. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Quelle: MDR/mwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.10.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 20:55 Uhr

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