09.04.2020 | 17:16 Uhr Sachsen hält am Abitur-Fahrplan nach Ostern fest - aber auch Ausweichtermin möglich

Abiturienten warten auf den Beginn einer schriftlichen Prüfung.
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Was müssen Schüler von Abschlussklassen jetzt wissen?

Die Abitur- und Abschlussprüfungen in Sachsen sollen zu den regulären Terminen nach den Osterferien stattfinden. Das sagte Kultusminister Christian Piwarz am Donnerstag in Dresden. Allerdings gebe es einige Veränderungen innerhalb der Prüfungsabläufe. Schüler, die den Ersttermin nicht antreten könnten oder wollten, können auch den regulären Nachprüfungstermin (13. Mai) nutzen. Sollten Abiturienten zwischenzeitlich wegen des Coronavirus oder anderweitig erkranken, werde es einen dritten Prüfungstermin im Juli geben.

Die mündlichen Prüfungen sind deutlich später. Da sehe ich keinen gesonderten Regelungsbedarf.

Christian Piwarz Kultusminister Sachsen

Die beiden Korrekturen der Abiturprüfungen sollen innerhalb einer Schule stattfinden, kündigte Piwarz an und begründete die Entscheidung so: "Die Lehrer wissen, welchen Stoff sie behandelt haben und welche nicht. So sind individuellere Beurteilungen des Leistungsstands der Schüler möglich."

Kritik vom Philologenverband

Der sächsische Philologenverband hält die genannte Abfolge trotzdem für zu kurzfristig. Es brauche eine längere Zeit, in der alle Schüler mit den Lehrern zusammen sind, um sie gut auf die Prüfungen vorzubereiten, sagte der Verbandsvorsitzende Thomas Langer MDR SACHSEN.

Was ist zu tun, wenn man gleich den Zweittermin nutzen will?

Laut Kultusminister Piwarz kann man den Zweittermin beantragen, ohne Gründe zu nennen. In einem Brief an die Lehrerinnen und Lehrer will das Ministerium die Regeln erklären. Zudem soll es ab kommender Woche auch eine Hotline für Schüler und Eltern geben, bei der sie Fragen zu den Abläufen stellen können.

Ich werbe sehr dafür, wer sich in der Lage fühlt, den Erstprüfungstermin wahrzunehmen. Wir wissen nicht, wie die Lage im Mai sein wird.

Christian Piwarz Kultusminister in Sachsen

Schulen für Abschlussklassen öffnen ab 20. April - und die anderen?

Für Oberschüler der 10. Klassen und Abiturienten sollen die Schulen ab 20. April öffnen. "Sie sollen die Möglichkeiten nutzen für Nachfragen und Konsultationen", sagte Piwarz. Wann die Schulen und Kitas für alle anderen Schulklassen und Kindergruppen wieder öffnen, werde nach Ostern in der nächsten Woche entschieden.

Welche Hygiene-Regeln gelten in den Schulen?

In Zusammenarbeit mit dem sächsischen Sozialministerium versucht das Kultusministerium nach eigener Aussage, die Lehrerschaft mit Schutzmasken auszustatten. Zudem sollen alle Schulen Desinfektionsmittel erhalten. Die Konsultationen und Prüfungen sollen "kleinteilig" stattfinden, also in kleinen Gruppen verteilt auf möglichst viele Räume. So könne der Sicherheitsabstand zwischen allen Anwesenden gewährleistet werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) besteht darauf, dass die Gesundheit von Schülern und Lehrern und deren Familien "eine höhere Priorität eingeräumt werden" müsse. "Wenn erforderliche hygienische Schutzmaßnahmen nicht vollständig sichergestellt werden können, muss die heutige Entscheidung zwingend korrigiert werden", verlangte die GEW-Landesvorsitzende Uschi Kruse.

Müssen Schüler nun Schutzmasken tragen?

Symbolfoto zum Thema Corona-Pandemie, Covid-19 - Eine Frau traegt eine FFP2 Atemschutzmaske.
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"Zum Schutz der Schüler empfehlen wir, darüber nachzudenken, selbst auch eine Schutzmaske zu tragen oder sich eine zu kaufen", sagte Kultusminister Piwarz. Auch für Schüler gelte, was für alle Menschen derzeit gelte: "Auf Abstand achten". Piwarz wies dabei auch auf den Schulweg hin und riet "achtsam mit sich selbst zu sein".

Jeder soll nutzen, was er zu Hause hat. Wir haben nicht genügend Masken. Wir sind auf die Mithilfe jedes Einzelnen angewiesen.

Petra Köpping Sozialministerin Sachsen

Wie sieht es in den anderen Bundesländern aus?

Am Gründonnerstag haben die 16 Kultusminister der Länder in einer Telefonkonferenz darüber beraten, wie es mit Schulöffnungen weitergehen könnte. Mit den Abschlussprüfungen und Abiturterminen gehen die Bundesländer unterschiedlich um, sagte Piwarz. Acht Länder hätten sich dafür entschieden, am ursprünglichen Zeitplan festzuhalten, acht Länder hätten ihre Termine teilweise um einen Monat nach hinten verschoben. Dass Sachsen die Möglichkeit zur Nutzung des Zweittermins einräume und den dritten Termin von September auf Juli vorgezogen habe, wertete Piwarz als "Mittelfeld".

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.04.2020 | 19:00 Uhr

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