26.04.2020 | 12:30 Uhr Alltagsheldin in Kleinwachau: "Den Alltag mit kleinen Dingen aufhellen"

Das Klinikpersonal steht während der Corona-Krise unter Dauerdruck. Auch für die Patienten hat die Pandemie Auswirkungen. Sie können keinen Besuch empfangen. Claudia Audehm ist Krankenschwester und Stationsleiterin in der Fachklinik für Epilepsie in Kleinwachau. Vormittags arbeitet sie auf der Station für schwerstmehrfachbehinderte Patienten. Nachmittags kümmert sie sich um ihr chronisch krankes Kind.

Wie sieht Ihre Arbeit während der Corona-Krise aus?

Ich organisiere das Stationsleben, begleite die Visiten, erstelle Dienstpläne und nehme Änderung vor, die sich aufgrund der Krise ergeben haben. Ansonsten bin ich für die Patienten da, unterhalte mich mit ihnen. Die freuen sich gerade besonders, wenn sie mal mit jemandem reden können. Der Arbeitsalltag ist herausfordernd, da wir im Team in Mindestbesetzung arbeiten, um die Ressourcen für eventuelle Krankheitsausfälle zu schonen. Und natürlich müssen wir die Hygieneregeln, die Regeln zur Distanz einhalten, Mund- und Nasenschutz tragen.

Ich vermisse die Gespräche im großen Kollektiv. Wir können nur maximal zu dritt Gespräche führen. In einem größeren Kreis kann man sich besser als in Kleingruppen austauschen und Probleme besprechen.

Welche Unterschiede gibt es zur Zeit vor der Pandemie?

Für die Patienten ist der Unterschied besonders groß. Sie haben ein großes Bedürfnis nach Nähe, nach Streicheleinheiten oder nach einer Umarmung. Dem können wir im Moment aber leider nicht nachkommen. Das ist für die Patienten sehr schwer. Dann kommt noch hinzu, dass die Patienten keinen Besuch empfangen können, die Angehörigen dürfen ja nicht kommen. Aber wir versuchen, den Alltag mit kleinen Dingen aufzuhellen. Dazu gehört auch mal ein lustiger Mundschutz. Nach Ostern hat ein Pfleger ein Konzert mit seiner Band und poppiger Blasmusik veranstaltet, das hat den Patienten viel Spaß bereitet. Davon erzählen sie heute noch.

Was ist derzeit die größte Herausforderung in Ihrem Beruf?

Für mich persönlich ist die größte Herausforderung, dass ich nur Vormittags für ein paar Stunden vor Ort im Dienst sein kann. Den Rest des Tages kümmere ich mich daheim um mein chronisch krankes Kind. Ich kann im Homeoffice allerdings die administrativen Tätigkeiten erledigen, die sonst liegen bleiben würden. Dieser Spagat ist schon herausfordernd, aber gemeinsam sind wir stark und schaffen das auch alle.

Was hat sich privat wegen der Corona-Pandemie bei Ihnen verändert?

Ich kann nicht mal kurz wegfahren, wo ich gerade so hin will. Und ich vermisse die Zeit mit den Großeltern, die ihre Enkel nicht sehen können. Das ist für sie sehr schwer. Wenn die Krise vorbei ist, werden wir mit der Familie schön Essen gehen oder mit dem Wohnmobil übers Wochenende an ein schönes Plätzchen fahren. Dann werden wir uns frei fühlen und die Zeit genießen.

Quelle: MDR/mh/mar

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