25.04.2020 | 12:30 Uhr Alltagsheldin in der Reinigung: "Arbeiten mit Mundschutz ist schwierig"

Während der Corona-Pandemie ist Hygiene ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen das Virus. Besonders Reinigungskräfte stehen vor großen Herausforderungen. Heike Walter ist Teamleiterin eines Inklusionsunternehmens für Reinigung. Die 49-jährige berichtet über die Ausnahmesituation.

Heike Walter, Teamleiterin im Bereich Reinigung und Hauswirtschaft 1 min
Bildrechte: MDR/Martin Hoferick

Wie sieht Ihre Arbeit während der Corona-Krise aus?

Ich leite 33 Mitarbeiter in der Firma "paso doble" an, einem Inklusionsunternehmen, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten.

Welche Unterschiede gibt es zur Zeit vor der Pandemie?

Normalerweise haben die Mitarbeiter feste Bereiche, in denen sie arbeiten. Davon sind aber einige derzeit geschlossen. Die Mitarbeiter, die das betrifft, müssen koordiniert werden. Manche müssen zu Hause bleiben. Viele Arbeitsabläufe haben sich geändert. Wir haben neue Arbeitsfelder bekommen: Da die Patienten nicht raus dürfen, macht unsere Firma deren Einkauf.

Was ist derzeit die größte Herausforderung in Ihrem Beruf?

Das Arbeiten mit Mundschutz ist, wie in der Pflege, auch in der Reinigung schwierig. Es ist körperlich schwere Arbeit, da braucht man Luft. Manche müssen nun langsamer arbeiten, brauchen mehr Zeit. Das muss koordiniert werden, genauso wie das vermehrte Desinfizieren von Klinken, Schaltern oder Handläufen, um dem Virus keine Chance zu bieten.

Unser Unternehmen ist ein Inklusionsunternehmen, wir haben viele Mitarbeiter mit einem Grad der Behinderung. Nicht alle sind für das Thema Corona sensibilisiert. Manchmal musste ich da schon hinterher sein und sagen: "Zieh einen Mundschutz an. Hast du Handschuhe, ist die Desinfektion richtig angemischt?" Ich muss drauf achten, dass die Mitarbeiter sich und andere schützen.

Gibt es auch Lichtblicke?

Die Grundreinigungen zwischen den Brückentagen oder an Feiertagen können wir in dieser Ausnahmesituation vorziehen. Dann können die Mitarbeiter mal ein verlängertes Wochenende machen, was sonst in der Reinigung so nicht vorkommt. Viele Mitarbeiter denken mit, sind einfühlsam, alle stehen zusammen und unterstützen sich.

Was hat sich privat wegen der Corona-Pandemie bei Ihnen verändert?

Ich bin zweifache Oma, habe meine Enkel sehr lieb, aber darf sie nicht sehen, nicht bespaßen. Das geht nur am Telefon, aber das ist nicht dasselbe. Wenn alles vorbei ist, wird mein 50. Geburtstag so richtig nachgefeiert – im ganz großen Stil.

Quelle: MDR/mh/mar

Mehr aus Sachsen