Arbeitsschutz Quarantäne, Lohnfortzahlung, Arbeitsschutz: Corona am Arbeitsplatz

Die Zahl der Personen, die positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, steigen derzeit stetig an. Wie wirkt sich das auf das Arbeitsumfeld aus? MDR SACHSEN hat darüber mit Arbeitsrechtler Silvio Lindemann gesprochen.

Wie soll der Arbeitgeber damit umgehen, wenn einer seiner Angestellten positiv auf das Coronavirus getestet worden ist und er weiß, dass weitere Kollegen mit dem- oder derjenigen direkten Kontakt hatten?

Der Umgang mit den Kontaktpersonen ist für Arbeitgeber momentan ein schwieriges Thema. Solange das Gesundheitsamt sich mit den Kontaktpersonen noch nicht in Verbindung gesetzt hat, sie noch nicht in Quarantäne geschickt hat, stellt sich für den Arbeitgeber natürlich die Frage "Wie gehe ich damit um?".

Der Arbeitgeber hat zwei Möglichkeiten:

  • Er schickt den Mitarbeiter nach Hause. Dabei geht es aus arbeitsschutzrechtlichen Gesichtspunkten darum, Kontakte zu vermeiden und die übrige Belegschaft zu schützen.

  • Er lässt den Mitarbeiter weiterarbeiten. Auch das wäre zulässig. Dabei muss dann aber sehr strikt auf den Corona-Arbeitsschutz geachtet werden. Das heißt: unbedingt Abstände einhalten, gegebenenfalls Mund-Nasen-Schutz, wenn die Abstände richtig eingehalten werden können und Kundenkontakt vermeiden. Das geht so weit, dass der Arbeitgeber die Mitarbeiter auf einen anderen Arbeitsplatz oder auch in ein anderes Betriebsgebäude versetzen kann, um die Kontakte zu beschränken.

Was bedeutet das für die Lohnfortzahlung?

Wenn sich der Arbeitgeber entscheidet, den Mitarbeiter nach Hause zu schicken, um die übrige Belegschaft zu schützen, dann muss er trotzdem das Gehalt weiterzahlen. Der Arbeitgeber bekommt in dem Fall nichts ersetzt. Das ist das Risiko des Arbeitgebers.

Kann der Arbeitnehmer aus Angst vor dem Coronavirus zu Hause bleiben?

Silvio Lindemann, Rechtsanwalt
Silvio Lindemann ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und berät zu rechtlichen Fragen in der Corona-Zeit. Bildrechte: MDR/Silvio Lindemann

Diese eigene verordnete Quarantäne gibt es nicht. Arbeitnehmer dürfen sich nicht von sich aus in Quarantäne begeben. Das wäre unzulässig. Das wäre sozusagen Arbeitsverweigerung. Sie würden dann auch für diese Zeit keinen Lohn bekommen.

Das Einzige, was der Arbeitnehmer in dem Fall machen könnte, wäre sich selbst als Kontaktperson beim Gesundheitsamt zu melden. Das Gesundheitsamt würde dann relativ zügig für die Kontaktpersonen ersten Grades - also diejenigen, die direkten Kontakt zu der infizierten Person hatten - die Quarantäne anordnen. Wenn die Quarantäne angeordnet ist, wird es im Zweifel auch den Entschädigungsanspruch in Höhe des ausgefallenen Arbeitsentgeltes für die ersten sechs Wochen geben.

Wie weit geht der Arbeitsschutz in Zeiten von Corona? Hat der Arbeitnehmer im Büro beispielsweise einen Anspruch auf eine Trennscheibe?

Das Thema Arbeitsschutz ist momentan ein sehr brisantes Thema. Wir haben die relativ neuen Corona-Arbeitsschutzstandards des Bundesarbeitsministeriums. Da ist sehr ausführlich beschrieben, was der Arbeitgeber im Einzelnen zu beachten hat.

Arbeitnehmer haben einen entsprechenden Anspruch darauf, dass dieser Arbeitsschutz eingehalten wird. Ob es dann aber unbedingt die Trennscheibe ist (z.B. eine Plexiglasscheibe) oder ob es andere Maßnahmen sind, wie räumliche Trennung (anderes Büro, anderes Bürogebäude, größere Abstände), das ist die Entscheidung des Arbeitgebers.

Der Arbeitnehmer kann keine ganz bestimmten Arbeitsschutzmaßnahmen verlangen, sondern nur das allgemeine Einhalten des Arbeitsschutzes.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.10.2020 | 5:00 - 10:00 Uhr

Mehr aus Sachsen