01.04.2020 | 12:56 Uhr Trotz Corona auf dem Bau: "Ein komisches Gefühl"

Während viele Menschen ihren Jobs während der Corona-Krise im Homeoffice nachgehen, ist das für andere undenkbar, zum Beispiel für Baustellenarbeiter - ob auf Montage oder nicht. Sie müssen oder dürfen trotz geltender Ausgangsbeschränkung noch arbeiten. Um zu erfahren, was sich für sie in ihrem Alltag geändert hat, haben wir mit zwei Bauarbeitern gesprochen.

Helm
Bildrechte: colourbox

Mindestabstand auf der Baustelle? Das ist nicht machbar, berichtet Steffen Juhrs aus Callenberg. Der 52-Jährige arbeitet für eine Montagefirma und muss gerade in Hamburg ein neues Bürogebäude bauen.

Die Bretter auf den Gerüsten sind nicht mal einen Meter breit, wenn da einer an mir vorbeiläuft, ist an Abstand nicht zu denken.

Steffen Juhrs, Montagearbeiter aus Sachsen

Andere Arbeiten könnten nicht allein verrichtet werden. Oft braucht es zwei oder mehr Personen für eine Aufgabe. Hinweisschilder gäbe es jetzt, auf denen Hygienehinweise stehen. Händeschütteln ist tabu, die Hände regelmäßig waschen und zahlreiche andere Tipps stehen darauf, berichtet der Sachse.

Arbeitsalltag kaum verändert

Auch Daniel Richter aus Kamenz erzählt von ähnlichen Vorkehrungen. Es solle jetzt verstärkt auf Hygiene geachtet und alle unnötigen Kontakte vermieden werden, sagt der 45-Jährige, der auf Tagesbaustellen im Raum Dresden unterwegs ist. Außerdem werde gezielt auf größere Abstände zwischen den Personen geachtet. Da der Kamenzer meist allein oder mit einem Lehrling unterwegs ist, lässt sich das auch besser einrichten.

Ansonsten hat sich im Arbeitsalltag der beiden Männer wenig verändert, einfach weil es nicht anders zu machen ist. Unwohl fühlen sie sich deshalb aber nicht am Arbeitsplatz.

Veränderung eher im Montagealltag

Für Juhrs gab es außerhalb des Baustellenbetriebes einige Umstellungen. Es beginnt bei der Fahrt zur und von der Montage. Jetzt dürfe man maximal zu zweit in einem Fahrzeug die Reise antreten. Auch bei der Verpflegung im Hotel kam es notgedrungen zur Umstellung. Zwar wird für den 52-Jährigen und seine Kollegen noch gekocht, aber das Essen muss jetzt immer in der Küche abgeholt und allein auf dem Zimmer gegessen werden. Er sagt aber auch, dass er noch Glück habe, denn bei anderen Hotels gibt es das gar nicht mehr.

Es ist schon ein komisches Gefühl, man fühlt sich gleich einsamer.

Steffen Juhrs, Montagearbeiter aus Sachsen

Beide, Steffen Juhrs und Daniel Richter, sind aber froh, noch arbeiten zu können. Die Vorstellung, dass sich das ändern könnte, fällt schwer. Aber schon jetzt ließen einige Auftraggeber den Baustellenbetrieb vorerst einstellen.

Was gilt aktuell für Bauarbeiter in Sachsen? Tätigkeiten auf Baustellen dürfen laut sächsischem Sozialministerium weiter ausgeübt werden. Auch Montagefahrten in Fahrgemeinschaften sind zulässig, weil es für die Ausübung der beruflichen Tätigkeit notwendig ist.

Quelle: MDR/lh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.04.2020 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

Mehr aus Sachsen