Meldeverzug und Übertragungsfehler Darum sind die Corona-Fallzahlen in Sachsen unterschiedlich

Kommunen, Ministerien, Institute: Täglich werden über verschiedene Wege Corona-Fallzahlen für Sachsen und die Regionen veröffentlicht. Wir erklären, warum sich die Daten unterscheiden können und wo Sie die aktuellen Zahlen finden.

Ein Schild mit der Aufschrift "Gesundheitsamt".
Bis neue Corona-Fälle in den Statistiken aller beteiligten Institutionen auftauchen, können im schlechtesten Fall mehrere Tage vergehen. Bildrechte: imago images/Waldmüller

Für Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus gibt es in Sachsen einen offiziellen, mehrstufigen Meldeweg. Dieser gilt auch für andere meldepflichtige Krankheiten wie beispielsweise die Grippe.

  1. Stellt ein Arzt oder Labor eine SARS CoV-2-Infektion fest, ist diese dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt gibt es ein solches Gesundheitsamt.
  2. Die Gesundheitsämter wiederum melden die Fallzahlen mithilfe einer Software sowohl an das Robert Koch-Institut (RKI) als auch an die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA), die zum sächsischen Sozialministerium gehört (SMS).

Meldeverzug führt zu abweichenden Corona-Fallzahlen

Durch diesen Meldeweg kommt es für ein und dieselbe Region immer wieder zu unterschiedlichen Corona-Fallzahlen. Am aktuellsten sind in der Regel die Daten, die Landkreise und kreisfreien Städte in Sachsen selbst herausgeben, da diese direkt vom dortigen Gesundheitsamt stammen und ohne großen Zeitverzug veröffentlicht werden können. Diese Daten nutzt auch MDR SACHSEN für die Corona-Berichterstattung.

Das sächsische Sozialministerium und das RKI hingegen haben täglich feste Zeiten, zu denen sie die bis dahin gemeldeten Fälle aus den einzelnen Regionen sammeln und veröffentlichen. Das Sozialministerium veröffentlicht am Nachmittag die neuen Zahlen, die bis 12:30 Uhr eingelaufen sind. Das RKI hingegen veröffentlicht immer morgens die Zahlen, die bis Mitternacht übermittelt wurden.

Durch die unterschiedlichen Veröffentlichungszeitpunkte können sich für eine Region fortwährend voneinander abweichende Fallzahlen ergeben. Während am frühen Nachmittag das SMS die neuesten Zahlen hat, könnte ein Landkreis am späten Nachmittag noch aktuellere Daten präsentieren. Je nachdem, ob diese noch rechtzeitig an das RKI übermittelt werden, tauchen diese dann am nächsten Morgen auch beim RKI auf.

Datenübermittlung immer wieder fehlerhaft

Neben diesem Meldeverzug und unterschiedlichen Veröffentlichungszeitpunkten ist die Übermittlung der Daten ein weiterer Grund, der in der Vergangenheit immer wieder für Verwirrungen gesorgt hat. Teilweise müssen Fallzahlen von den Gesundheitsämtern per Fax übertragen oder von Hand eingetippt werden. Ein Prozess, der Zeit kostet und fehleranfällig ist.

Ein Schild steht vor dem Gesundheitsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und verweist auf die Beprobungssstelle, die es neuerdings dort gibt.
Sachsen Gesundheitsämter sind dafür zuständig, die Fallzahlen an Landes- und Bundesbehörden weiterzuleiten. Bildrechte: Daniel Förster

Doch auch eine Software-gestützte Übertragung läuft nicht immer reibungslos. Immer wieder können Fallzahlen teilweise oder ganz nicht an die LUA und das RKI übertragen werden, sodass die Daten erst mit erheblichem Zeitverzug in den offiziellen Landes- und Bundesstatistiken landen. Gerade bei einem dynamischen Infektionsgeschehen kommt es so zu deutlich voneinander abweichenden Fallzahlen, die für Verwirrung sorgen können.

Erzgebirgskreis überschreitet Corona-Grenzwert

Jüngstes Beispiel dafür ist der Erzgebirgskreis. Dort wurde nach Angaben des Landratsamts am vergangenen Sonntag bei der sogenannten Inzidenzzahl der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen überschritten. In den Statistiken von SMS und RKI war der Grenzwert hingegen am Dienstagmittag (Stand 14:00 Uhr) noch nicht überschritten.

Wie das Sozialministerium Sachsen auf Nachfrage mitteilte, konnten die Zahlen aus dem Erzgebirgskreis bislang nicht vollständig über die offizielle Software an LUA und RKI übermittelt werden. Daraus ergeben sich einerseits deutliche Unterschiede in den Statistiken. Andererseits zählt der Erzgebirgskreis trotz Grenzwertüberschreitung noch nicht als Risikogebiet, weil diese Einordnung dem RKI obliegt. Die Korrektur der Zahlen solle laut Sozialministerium "bei nächster Gelegenheit" erfolgen.

Quelle: MDR/mm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.10.2020 | 19:00 Uhr

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