Fakt ist! aus Dresden Ministerpräsident Kretschmer: Komplett-Lockdown wird es nicht geben

Die Corona-Infektionen sind in Sachsen immer noch sehr hoch. Beschränkungen zeigen nur leichte Wirkungen und der Impfstart verlief holprig. Wie soll das weitergehen? 700 Zuschauerfragen haben die Fakt ist!-Redaktion und Moderator Andreas F. Rook erreicht. In der Post zeigte sich auch viel Umut. Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte, viele der Beschränkungen seien auch Kompromisse. Sachsen wolle versuchen, mit den Maßnahmen durchzukommen - eventuell werden sie bis 14. Februar verlängert.

Fakt ist aus Dresden Corona Impfen Sachsen
Wie schaffen wir es aus dem Corona-Tal, fragte Fakt ist! aus Dresden Ministerpräsident Michael Kretschmer. Antwort:" Wir sollten versuchen, mit den jetzigen Maßnahmen durchzukommen. Wir müssen alle gemeinsam dranbleiben." Bildrechte: MDR/dpa/panthermedia/Imago Images/Laci Perenyi

Wird es einen Komplett-Lockdown geben?

"Nein, das wäre eine Katastrophe. Das würde die deutsche Wirtschaft aus meiner Sicht ruinieren", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Im Polit-Talk Fakt ist! aus Dresden wollte er Gerüchte dazu ausräumen. "Es wird kein Schließen ganzer Betriebe oder ein Herunterfahren des ÖPNV geben."

Welche Themen werden am Dienstag in der Bund-Länder-Schalte besprochen?

"Man wird über die Grenzen sprechen müssen", sagte der CDU-Politiker mit Blick auf das Infektionsgeschehen in Tschechien. Ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen die Pandemie sei wichtig. Am Donnerstag werde es dazu Gespräche auf EU-Ebene geben. Und: "Das Homeoffice wird Thema sein", stellte Kretschmer für die Videoschalte am morgigen Dienstag in Aussicht. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) arbeite an einer Vorlage dazu. Die Frage, ob FFP2-Masken verpflichtend vorgeschrieben werden sollten, beantwortete Kretschmer so: "Wenn wir für jeden FFP2-Masken haben, der sie braucht, sind sie ein gutes Mittel. Wir können nur etwas vorschreiben, was es auch gibt."

Ich werde sagen, dass wir in Sachsen in einen Abgrund geschaut haben über den Jahreswechsel. Bei Inzidenzen von über 400 bis 500 schafft es das Gesundheitssystem nicht.

Michael Kretschmer Sächsischer Ministerpräsident

Michael Kretschmer (CDU, M), Ministerpräsident von Sachsen, steht im Vollschutzanzug auf der Covid-19 Intensivstation im Städtischen Klinikum Dresden vor einem Patientenzimmer. Anlass des Besuches war der Austausch mit Klinikführung und Mitarbeitern aus Medizin und Pflege in Bezug auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Klinikalltag.
Ministerpräsident Michael Kretschmer (im Vollschutzanzug) besuchte am Montag die Covid-19 Intensivstation im Städtischen Klinikum Dresden. "Auch für die wunderbaren Mitarbeiter" in den Kliniken seien die Lockdown-Regeln festgelegt worden, damit sie die Situation wieder beherrschen, sagte er bei Fakt ist! aus Dresden. Bildrechte: dpa

Wann wird es Lockerungen geben?

Die aktuellen Maßnahmen in Sachsen sind bis zum 7. Februar vorgesehen. Kretschmer stellte in Aussicht, dass "wir bereit sind, bis zum 14. Februar zu gehen". Wenn die Zahlen nach unten gehen, solle entweder ab 8. oder 14. Februar ein Stufenplan mit Lockerungen beginnen. Zuerst sollen die für Friseure, andere körpernahe Dienstleistungen und für den Handel besprochen werden. Priorität hätten ebenso Kita-Kinder und Grundschüler. Lockerungen für Hotellerie und Gaststätten könnten erst gegen Ostern realistisch werden.

Die Inzidenzwerte liegen deutlich über 200. Wir sollten jetzt noch nicht zu viele Lockerungen in Aussicht stellen. Es geht ums Durchhalten.

Corinna Pietsch Virologin am Universitätsklinikum Leipzig

Warum wird in Sachsen so wenig geimpft?

Impfportal zusammengebrochen, Anmeldungen nicht mehr möglich, zwischen 2.000 bis 3.000 Fehlermeldungen allein am Montag auf der Homepage: All das nannte der Vorstand des DRK Sachsen, Rüdiger Unger, eine "unbefriedigende Situation". Das Deutsche Rote Kreuz hatte nach Ungers Worten nicht mit derart vielen Anrufen und Homepage-Abfragen gerechnet. "Ich bin nicht zufrieden. In fünf Wochen Vorbereitungszeit ist nicht alles so schnell gegangen, wie wir uns das erhofft hatten", sagte Unger. Die Software werde überarbeitet, Abläufe angepasst.

Sachsen hatte sich laut DRK-Vorstand dagegen entschieden, alle Senioren per Post für die Impfung anzuschreiben. "Dann hätten wir hunderttausenden Menschen auch schreiben müssen, dass wir keinen Impfstoff für sie haben." Der Hersteller Biontech/Pfizer habe Lieferschwierigkeiten. "Das hat uns auch überrascht", räumte der DRK-Vorstand ein. Diese Woche werde weniger Impfstoff geliefert, nächste Woche "erheblich weniger". Daher könnten vorerst auch keine weiteren Impftermine vergeben werden.

Rüdiger Unger ist Chef des sächsischen Roten Kreuz.
Der Vorstandschef des sächsischen Roten Kreuzes, Rüdiger Unger, hat in diesen Tagen viel zu erklären, weil Softwarefehler, Kommunikationsprobleme und unvorhergesehene Impfstoff-Lieferengpässe auftreten. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Warum ist Mecklenburg-Vorpommern beim Impfen erfolgreicher als der Freistaat?

Als Erklärung führte DRK-Vertreter Unger an, dass Sachsen grundsätzlich die Hälfte der gelieferten Impfdosen aufspart für die zweite Impfung nach 21 Tagen. Bis Ende dieser Woche werde Sachsen 102.000 Impfdosen erhalten haben. "Der Druck war groß, aber wir sind hart geblieben und haben die zweite Impfdosis für die Geimpften vorgesehen, die sie auch bekommen", sagte Unger.

Kann man sich impfen lassen, wenn man eine Corona-Infektion hatte?

"Ja, man sollte sich impfen lassen, wenn dann genügend Impfstoff da ist. In der Prioritätenliste stehen diejenigen weiter hinten. Zuerst sind jene dran, die sich noch nicht infiziert haben", erklärte Virologin Corinna Pietsch.

Kann man sich wieder infizieren wenn man Corona schon hatte oder geimpft wurde?

Ob man sich nach überstandener Corona-Infektion oder -erkrankung wieder anstecken könne, sei noch nicht vollständig belegt, sagte Virologin Pietsch. Auszuschließen sei es nicht. Die wissenschaftlichen Daten dazu erwartet die Expertin Mitte Februar. Pietsch vermutet, dass man bei einer Wiederansteckung möglicherweise weniger schwer erkrankt. Corona-Genesene und auch Geimpfte sollten trotzdem die Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln einhalten. Denn auch sie könnten weiterhin das Virus übertragen.

Die Leipziger Virologin Corinna Pietsch.
Die Leipziger Virologin Corinna Pietsch ist froh, dass die Infektionszahlen in Sachsen jetzt langsam sinken. Debatten um Lockdown-Lockerungen hält sie für verfrüht. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Gibt es für Sachsens Schüler Erleichterungen? Wird das Schuljahr wiederholt?

Dass alle Schülerinnen und Schüler das Schuljahr wiederholen sollten, hält Ministerpräsident Kretschmer "für keine gute Idee". Er will nicht "einen ganzen Jahrgang in die Warteschleife schicken". Corona-Schnelltests zum Schulstart, entzerrte Klassen und später feste Gruppen im Wechselunterricht bis Schuljahresende seien zwar keine Garantien, aber "verantwortungsvolles Verhalten".

Wenn es Corona-Ausbrüche an Schulen gibt, werden wir stringent vorgehen. Aber wir können doch nicht wie hypnotisiert vor der Schlange sitzen und nichts tun?

Michael Kretschmer Sächsischer Ministerpräsident

Bildung und Abschlüsse für die berufliche Zukunft der Jugendlichen hätten neben der Wirtschaft oberste Priorität. Kein Kultusminister in den Ländern wolle über Abstriche diskutieren, meinte Kretschmer und gab zu, dass man "auch ein Stück weit auf Sicht fährt".

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).
Michael Kretschmers Frau kümmert sich neben ihrer Arbeit ums Homeschooling der Kinder. Die Probleme mit der Plattform Lernsax und Mehrfachbelastungen sind Familiengespräch: "Ich sollte dazu nicht so große Reden halten. Es ist nicht immer erfreulich, wenn wir miteinander telefonieren." Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN "Fakt ist" aus Dresden | 18.01.2021 | 22:15 Uhr

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