31.03.2020 | 12:20 Uhr Ist die Spargel-Ernte in Sachsen noch zu retten?

Sarah und Lars sind auf dem Spargelfeld und stechen selbst Spargel.
Bildrechte: MDR JUMP/Jens Borghardt

Auf den Spargelfeldern bei Kyhna glitzern die Abdeckfolien in der Sonne, dazwischen herrscht geschäftiges Treiben. Fast so wie es um diese Zeit auch sein sollte. Zum Glück sei es noch nicht so warm und der Spargel wachse noch nicht so rasant, erklärt der Betriebsleiter der Gemüsebau Kyhna GmbH im Landkeis Nordsachsen, Jürgen Kopf.

Doch wenn es wärmer wird und der Spargel einmal wächst, dann muss er schnell gestochen werden.

Jürgen Kopf Gemüsebau Kyhna

Im Moment arbeiten bei ihm 28 Erntehelfer aus Polen und Rumänien. Für Kopf erst einmal ausreichend. Zumindest für den Frühspargel. Doch wie es nach Ostern weitergehen soll, ist völlig offen. Eigentlich erwartet er noch mehr Erntehelfer aus den beiden Nachbarländern.

Wir haben 60 Helfer eingeplant, doch keiner weiß, ob die alle noch kommen.

Jürgen Kopf Gemüseanbau Kyhna

Probleme überall gleich

Gut 27 Kilometer südlicher, in Frankenheim bei Leipzig, liegt der Spargelhof von Ingolf Tautz. Normalerweise tummeln sich bei ihm 15 Erntehelfer aus Polen. Aktuell hat er sechs, die bei ihm den Spargel stechen. Noch kommt er mit seinem Team zurecht - dank der kalten Witterung. Doch auch für ihn stellt sich die Frage, was tun, wenn es wärmer wird und auf seinen Spargelfeldern das Gemüse regelrecht aus dem Boden schießt.

Ob noch mehr Erntehelfer kommen, weiß ich nicht. Und wenn es jetzt wärmer wird, haben wir ein Problem.

Ingolf Tautz Spargelhof Tautz, Frankenheim

Spargelfeld und Erntehelfer
Bis zu zwei Saisons werden benötigt, um zu lernen den Spargel perfekt und vor allem schnell zu stechen. Bildrechte: MDR / Barbara Brähler

Nette Geste, aber Erfolg fraglich

Die Probleme, nicht nur der beiden Spargelbetriebe, haben sich inzwischen herumgesprochen. Täglich melden sich Dutzende, die helfen wollen. Eine nette Geste, findet Spargelbauer Kopf. Aber einige der einheimischen "Erntehelfer" verlangen 15 Euro die Stunde, andere 23. Der Saisonarbeiter bekommt in der Regel den Mindestlohn oder wird nach Leistung bezahlt. Und ein erfahrener Spargelstecher schaffe zehn bis 15 Kilo die Stunde ganz locker, erzählt Kopf.

Der freiwillige Helfer würde zwei bis drei Mal so lange brauchen, da können Sie sich ausrechnen, wie teuer der Spargel wird.

Jürgen Kopf Gemüsebau Kyhna

Auch für Ingolf Tautz stellt sich hier die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem müsse er die freiwilligen Helfer anlernen. Denn zum Spargelstechen braucht es etwas Geschick. Ein guter Stecher braucht bis zu zwei Saisons, um das Handwerk zu beherrschen.

Neben der Technik ist bei der Spargelernte vor allem Fitness und Ausdauer gefragt.

Ingolf Tautz Spargelhof Tautz

Bei jedem Wetter und auch am Wochenende täglich bis zu zehn Stunden gebückt auf dem Feld, das schaffe nicht jeder, so Tautz. Und noch etwas gibt ihm zu denken.

Was passiert mit den freiwilligen Helfern, wenn die Betriebe, die aufgrund der Corona-Krise derzeit pausieren, wieder öffnen? Dann sind die Aushilfen doch wieder weg und arbeiten wieder in ihren richtigen Berufen.

Ingolf Tautz Spargelhof Tautz

Mühe und Zeit, die er bis dahin in die "Ausbildung" der Aushilfen investiert habe, seien dann umsonst gewesen. Und ob dann die Grenzen für Erntehelfer wieder offen sind, könne ja niemand sagen, so Tautz.

Die Erdbeere, das leichtere Pflückgut

Trotzdem will es Spargelbauer Tautz mit den freiwilligen Helfern versuchen. Einmal auf dem Feld und auch im Verkauf, als Ersatz für sein vornehmlich älteres Verkaufspersonal. Und vielleicht auch bei seinen Erdbeeren. Aber bis dahin ist noch ein wenig Zeit.

Erdbeeren
Vielleicht kommen die freiwilligen Helfer bei der Erdbeerernte zum Einsatz. Bildrechte: Colourbox.de

Jürgen Kopf aus Kyhna hofft beim Spargel dagegen lieber weiter auf seine Spezialisten aus Osteuropa. Die vielen Freiwilligen hat er sich aber vorsichtshalber vorgemerkt.

Wir haben noch Erdbeeren zu pflücken, da geht es in vier Wochen schon los und die Arbeit ist etwas leichter.

Jürgen Kopf Gemüsebau Kyhna

Doch auch hier muss ordentlich angepackt werden. Bis zu 100 Kilo Erdbeeren sollten dann pro Tag gepflückt werden. Ob sich da der einheimische Erntehelfer bewährt, bleibt abzuwarten.

Quelle: MDR/bb/bf

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.03.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Leipzig

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